«Tatort» aus Berlin Wenn die Bankangestellte zum Robin Hood wird

Tatort (Foto)
In einem Moment voller Sentimentalität knüpft Dagmar (Nicolette Krebitz, l.) bei ihrer ehemaligen Freundin Ziska (Alwara Höfels) an alte Zeiten an. Bild: ARD

Von Marion van der Kraats
Das große Thema des Tatorts aus Berlin sind die Praktiken der Finanzwelt. Die Kommissare Felix Stark und Till Ritter müssen feststellen: Alles hat seinen Preis. Eine Bankangestellte will den kleinen Leuten helfen und gerät ins Visier der Mordermittlungen.

Alles dreht sich ums Geld. Kaum Nachrichten ohne Euro-Rettungsschirm, Bankenkrise oder Staatspleite. Auch im Berliner Tatort, dfer heute Abend im Ersten gezeigt wird,  geht es nicht ohne.

Die täglichen Ärgernisse im Berliner Straßenverkehr sind das Thema: Zu Beginn der gemeinsamen Dienstzeit schnappte Tatort-Fahnder Felix Stark (Boris Aljinovic) seinem Kollegen Till Ritter (Dominic Raacke) den Parkplatz weg. Zehn Jahre später konkurrieren sie weiter - als Rad- und Autofahrer im Verkehrsdickicht der Metropole. Während Frauentyp Ritter sich noch durch den Stau kämpft, ist Stark längst mit dem Rad zum Tatort geradelt.

Der Taxiunternehmer Herbert Klemke liegt tot im Büro - erschlagen. Schnell wird klar: Ein Sympathieträger war der nicht. Wirklich verstört erscheint lediglich seine seit über 40 Jahren treu ergebene Sekretärin Edith Welziehn (Renate Krößner). Vor seinem plötzlichen Ende hatte der Unternehmer mit mehreren Menschen Streit. Neben seiner Tochter geraten vor allem ein früherer Mitarbeiter, Mieter mit Zahlungsschwierigkeiten und eine Bankangestellte ins Visier der Ermittler. Immer geht es um Geld - gemäß dem Titel dieses Tatort-Krimis Alles hat seinen Preis.

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Schnell wird Klemkes Bankberaterin Christa Meinecke (Tatjana Blacher) zu einer zentralen Figur. Sie kannte nicht nur den Taxi-Unternehmer seit Jahren. Auch seine Tochter Dagmar (Nicolette Krebitz) und Ziska Zuckowski (Alwara Höfels) sind ihr bestens bekannt - ebenso wie die finanziellen Nöte der beiden jungen Frauen, die jeweils eigene Geschäftsideen verfolgen.

Fiktion mit satirischer Note

Doch kleine Kunden sind den Banken nicht mehr wichtig, hat die Bankberaterin in den vergangenen Jahren gelernt. Kredite bekommen nur «die Großen». Also hilft die Angestellte nach «Robin-Hood-Manier» und führt eigenmächtig Geldtransaktionen durch, um Kleinunternehmen im entscheidenden Moment kreditwürdig erscheinen zu lassen. Auch an Klemkes Konto hat sie sich bedient - was vor seinem Tod aufflog.

Eine Figur, die den Fernsehfahndern gefällt. Sie sei «eine Fiktion mit satirischer Note», sagt Aljinovic laut ARD-Presseheft. «Ein Polizist geht nach der Rechtslage. Wer Gelder verschiebt, wie das Frau Meinecke tut, macht sich strafbar. Nur geht es ja letztendlich um mehr: Wie weit darf der Markt gehen? Was machen die Banken mit unserem Geld?», fragt Raacke.

Mit dem Thema gibt sich der Tatort wieder einmal aktuell. Ein weiteres Thema wird angetippt, wenn der türkischstämmige Tatverdächtige den Kommissaren immer wieder rassistische Motive bei ihrem Ermittlungsansatz unterstellt. Action sucht man jedoch auch in diesem Streifen vergeblich. Damit bleibt die erste Tatort-Arbeit des Autorenduos Michael Gantenberg und Hartmut Block, das für die ZDF-Reihe Unter Verdacht mit Senta Berger mehrere Folgen geschrieben hat, der speziellen Stimmung der Reihe des Rundfunks Berlin-Brandenburg (rbb) treu.

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Einmal mehr werden dabei wunderschöne Bilder von der Metropole gezeigt. Deren sanfte Stimmung im Licht der untergehenden Sonne wird weniger von einer spannungsgeladenen Verbrecherjagd beeinträchtigt als durch den rasenden Radfahrer Stark im Berliner Verkehrschaos.

Tatort aus Berlin - Alles hat seinen Preis: Sonntag, 1. April 2012, 20.15 Uhr ARD

boi/news.de/dpa

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