Jürgen Drews «Mich kennt man nur als Partyheini»

Jürgen Drews (Foto)
Hier lacht nur einer: Jürgen Drews (Zweiter von rechts) hat sich unters Notruf-Hafenkante-Team gemischt, (von links) Fabian Harloff, Gerit Kling und Manuela Wisbeck. Bild: dpa

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Hamburg
Gerade hat er seiner Frau Ramona im Fernsehen noch einen Heiratsantrag gemacht, schon muss er für eine ZDF-Serie vor die Kamera. Jürgen Drews lässt kaum eine Publicity-Chance verstreichen. Eine Begegnung mit dem König von Mallorca am Set von Notruf Hafenkante.

Benny Voßberg ist ein gut gelaunter Kiezgänger, der unfreiwillig, an einer Methanolvergiftung leidend, ins Elbkrankenhaus eingeliefert wird. Deshalb versucht der von seiner Frau Verlassene so schnell wie möglich auszubüxen. Gespielt wird Voßberg von einem, der sich nach eigener Aussage eher ins Fernsehgeschäft verirrt hat. Jürgen Drews zeigt sein schauspielerisches Können in einer Folge von Notruf Hafenkante (donnerstags, 19.25 Uhr im ZDF).

Am Set des Polizeikommissariats 21 und des Elbkrankenhauses, das näher am Flug- als am Hafen in Hamburg liegt, werden für Jürgen Drews kurz die Dreharbeiten unterbrochen. Eine Horde Fotografen hat sich ankündigt, ein paar Journalisten sind auch da, um zu sehen, wie er sich vor der Kamera anstellt, als eine Figur, die nicht der König von Mallorca ist.

Jürgen Drews
«Sex, No Drugs and Rock 'n' Roll»

Bevor er mit dem Schauspielensemble um Gerit Kling und Fabian Harloff posiert, hat er noch kurz Zeit, ein paar Fragen zu beantworten. Wie Drews zur Rolle gekommen ist zum Beispiel. «Ich sah in meinen Plan und Ramona sagte zu mir, du machst da irgendwas in der Hafenkante und ich sagte: Was soll das denn sein?» Jürgen Drews sitzt in der Kulisse des Kommissariats. Hier ist es ruhig, denn gerade werden die Krankenhausszenen der Polizei- und Arztserie gedreht. «Ich habe die Serie noch nie gesehen, es tut mir schrecklich leid», sagt der Schlagersänger.

Jürgen kann nicht Nein sagen und Ramona hat Ja gesagt

Sein Büro mache solche Termine für ihn aus und er könne nun mal nicht Nein sagen. Fernsehen schauen ist nicht mehr seins, wenn überhaupt schaue er Phoenix oder n-tv. Er lese Bücher, um zu lernen. «Das ist der Tribut des Alters. Man weiß, man tritt irgendwann ab und da willst du dich ein bisschen schlauer machen», sagt einer, der für 66 Jahre außergewöhnlich frisch wirkt. Ein paar Tage vorher hatte er sich den Fernsehauftritt bei Carmen Nebel zu Nutze gemacht, um Ehefrau Ramona, mit der er schon seit 17 Jahren verheiratet ist, einen tränenreichen Heiratsantrag zu machen.

Sie hat natürlich Ja gesagt, vielleicht ist Jürgen Drews deshalb noch besser gelaunt als sonst. Er hält sein Handy und die wenigen zusammengefalteten Blätter, auf denen seine Textzeilen stehen, in den Händen. Ein bisschen holprig liest er vor, auf Plattdüütsch, das kann er, schließlich ist der Schlagersänger in Schleswig aufgewachsen. Im Norden rede er gern so, das sei «ulkig». Wann müsse er diese Szene denn spielen? «Ja, jetzt gleich. Wieso?» Nur eine Frage. «Weil ich das nicht kann? Das ist doch gerade das Schöne.» Er habe dem Regisseur gesagt, er sei selbst Schuld, wenn man ihn buche. Jürgen Drews lacht und ist trotzdem etwas besorgt, den ganzen Betrieb aufzuhalten.

Drews geht immer ans Telefon

Sein Telefon klingelt. Er geht ran, plaudert mit dem anderen Ende über Corinna Drews, die gerade wieder im Playboy zu sehen ist. «Saugeil», sagt Jürgen Drews ins Smartphone, aber nicht über die Exfrau. Wo waren wir stehengeblieben? «Ist es hier kalt oder kommt mir das nur so vor?» Der Neu-Schauspieler steht auf, läuft los auf der Suche nach jemandem, der ihm seine Jacke bringt. Wieder sitzend, zweiter Versuch eines Gesprächs. «Können Sie sich gut auf Dinge konzentrieren, Herr Drews?» «Nein, nur auf Mädels. Ich kann mich auf nichts konzentrieren. Das ist immer so.»

Er mache alles nebenbei. In einer Serie mitspielen, Interviews geben. Nur bei Musik sei das anders, die mache ihm Spaß, da könne er kreativ sein. Sonst gehe er immer ans Telefon. Da gerade kein Anruf kommt, wählt er einfach selbst eine Nummer, redet dabei weiter über die musikalische Arbeit. 90 Prozent davon seien sowieso «a temp perdu». Drews, Sohn eines Arztes und Ex-Medizinstudent, spricht gern in Fremdwörtern. «Ich habe so viele Seiten, die keiner kennt. Mich kennt man nur als Schlagersänger und Partyheini.»

Ramona hat kein Interesse an der Öffentlichkeit

Am anderen Ende geht jemand ran, den er zum Set einlädt. «Wo sind wir hier eigentlich? Wie heißt die Straße?» Nächster Gesprächseinstieg: Früher soll er schüchtern gewesen sein, heute auch manchmal? Nein, nur ruhig. Wenn er privat mit seiner Frau Ramona ist oder bei Fernsehdokus rede meist sie. Darüber ist er froh. «Die kann das sehr gut, sehr dezidiert.» Sie selbst habe jedoch gar kein Interesse an der Öffentlichkeit.

«Dass Ramona überhaupt bekannt ist, mit all den Kollateralschäden, die entstanden sind, liegt nur an mir. Ich hatte damals einen triftigen Grund sie aus dem Köcher zu ziehen.» Der dritte Interviewversuch scheint zu funktionieren. «Wenn ich das nicht gemacht hätte, hätte ich wahrscheinlich in Deutschland nicht weiterarbeiten können.» Jetzt wird's interessant. Da kommt der Aufnahmeleiter um die Ecke, schließlich ist das ein Filmset, es muss gedreht werden. «Danke für das, äh, Gespräch, Herr Drews!» «Wie, das war's schon?» Jürgen Drews lässt seine Telefonnummer aufschreiben. Man könne ja anrufen. Schließlich geht er immer ran.

mik/news.de

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