Historischer Krimi Mordende Zwillinge versetzen London in Angst

«Das Syndikat der Brüder Kray» bei Arte (Foto)
Jimmy und Johnny Kray (Craig Parkinson) sind nicht auseinanderzuhalten. Bild: ARTE F / Carnival Film & Television

Zuerst ging es um Jack the Ripper, diesmal sind die mafiösen Kray-Brüder aus dem 1960er-Jahre-London dran: Im zweiten Dreiteiler der Krimireihe Whitechapel muss die Polizei wieder Serienmorde nach historischem Muster aufklären. Beste britische Krimikost auf Arte.

Whitechapel im Londoner East End: eine eher düstere, schmutzige, wenig ansehnliche Gegend. Hier trieb Ende des 19. Jahrhunderts Jack the Ripper sein Unwesen. Vor gut zwei Jahren schien er auferstanden zu sein, ein Nachahmungstäter tötete Prostituierte nach Ripper-Muster - (glücklicherweise nur) im britischen Krimi-Dreiteiler Jack the Ripper ist nicht zu fassen. Der Mörder ging dem aufstrebenden Karrierepolizisten Chandler (Rupert Penry-Jones) und seinem Team tatsächlich durch die Lappen.

Doch jetzt haben sie die Chance, die Scharte wieder auszuwetzen, erneut bekommen sie es mit Serienmorden nach historischem Vorbild zu tun. Das Syndikat der Brüder Kray heißt der zweite Dreiteiler aus der WhitechapelStadtteil von London, in dem Jack The Ripper sein Unwesen trieb -Reihe des britischen Senders ITV - und wieder ist es der Kulturkanal Arte, der den Whitechapel-Krimi als erster im deutschen Free-TV zeigt. Alle drei Teile laufen hintereinander am Donnerstag ab 21 Uhr.

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Morden die Nachkommen der Krays weiter?

Die Zwillingsbrüder Reginald und Ronald Kray waren echte Verbrecherbosse, die in den 1960er Jahren einen Großteil der Londoner Unterwelt beherrschten und als Nachtclubbesitzer zudem ein vitaler Teil der Swinging Sixties waren. Diana Dors, Judy Garland und Frank Sinatra gingen bei ihnen ein und aus. Der Legende nach werden die vor Jahren verstorbenen Verbrecher irgendwann wiederkehren und ihr Syndikat vollenden.

Dieser Moment scheint nun gekommen zu sein: Im East End geschehen Morde, die exakt den Kray-Morden aus den 1960ern gleichen. Der kauzige Hobby-Kriminologe Edward Buchan (Steve Pemberton) ist sich sicher: Hier ist ein akribisch arbeitender Nachahmungstäter am Werk. Chandler und sein vierschrötiger Sergeant Miles (Phil Davis) sehen die Taten zunächst aber als Abrechnungen in der Unterwelt an.

Als die Zwillinge Johnny und Jimmy Kray auftauchen, vorgebliche Nachkommen des großen Verbrecherbosses Ron Kray, scheint alles klar. Doch erst spät merken die Ermittler, dass der Fall viel größere Dimensionen hat.

Mysteriöse Charaktere, andere London-Ansichten

Regisseur David Evans gelingt es mit dem Drehbuch von Ben Court und Caroline Ip, eine beängstigende Welt voller organisierter Kriminalität, Korruption und Machtmissbrauch zu schaffen. Die Polizisten - egal ob der schnieke Karrieretyp Chandler oder der handfeste Rüpeltyp Miles - müssen erkennen, dass sie nur kleine Rädchen im großen Getriebe sind. Wem können sie trauen, wo sind die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge, wer sind die Bösen und wer die Guten?

Krimifans, besonders solche der britischen Spielart des Genres, dürfen Das Syndikat der Brüder Kray nicht verpassen. Der Fall wird nicht durchgehechelt, sondern in 140 Minuten behutsam entwickelt. Es bleibt Zeit für skurrile ebenso wie mysteriöse Charaktere, Wendungen und Überraschungen.

Der vornehme Chandler und sein eher handfestes Team haben sich inzwischen zusammengerauft, dennoch entstehen durch diese - beileibe nicht neue - Personenkonstellation immer wieder Reibeflächen. Und Krimi-Kauz Buchan ist die beständige Nervensäge, den professionellen Ermittlern aber häufig eine Nasenlänge voraus. Dazu bietet die Kamera einen anderen Blick auf London: keine touristischen Ausblicke auf Riesenrad und Big Ben, eher die Rückseite der Metropole, die nur wenige Touristen sehen dürften.

Das Syndikat der Brüder Kray, drei Teile, Donnerstag, 15. März 2012, ab 21 Uhr, Arte

zij/news.de/dpa

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