Uschi Glas «Ohne Romantik wäre ich ein ärmerer Mensch»

Romantikerin mit sozialer Ader: Uschi Glas spielt in der Katie-Fforde-Verfilmung Sprung ins Glück eine eifersüchtige Stiefmutter. Im Interview spricht die erfolgreiche Schauspielerin über ihr Engagement für hungernde Kinder.

Drei neue Katie-Fforde-Filme im ZDF (Foto)
Uschi Glas (links) spielt in der Verfilmung eines Buchs der britischen Bestseller-Autorin Katie Fforde. Bild: dpa

Sie spielen in der aktuellen Katie-Fforde-Verfilmung eine böse Stiefmutter. Was hat sie bewegt, die Rolle anzunehmen?

Uschi Glas: Ellen hat einen etwas schwierigen Charakter. Beim ersten Lesen des Drehbuchs habe ich gedacht: Mein Gott, warum ist die eigentlich so? Aber am Ende des Buchs habe ich verstanden, warum sie verletzt und streckenweise ungerecht ist. Das hat mir gefallen.

Worum geht's in Sprung ins Glück?

Glas: Es geht vor allem darum, dass mein Mann eine Tochter mit in die Ehe gebracht hat. Wir haben zusammen auch eine Tochter. Der Konflikt entsteht, weil meine Figur denkt, dass mein Ehemann seine erste Tochter bevorzugt. Daraus kommt die Eifersucht, die sich über die Jahre entwickelt hat.

Katie-Fforde-Reihe: Romantisches aus dem Hudson Valley
zurück Weiter Katie Fforde (Foto) Zur Fotostrecke Foto: ZDF/Meinolf Schmitz

Lesen Sie die romantischen Geschichten von Katie Fforde privat?

Glas: Das kann ich mir durchaus vorstellen. Es sind Unterhaltungsromane. Ich finde es toll, wie sie die Charaktere beschreibt, es gibt nicht nur gut und schlecht, Schwarz und Weiß. Auch meine Stieftochter im Film hat ihre Ecken und Kanten, wie jeder Mensch im echten Leben.

Und was würden Sie im echten Leben gegen die Verletztheit tun, die Ellen mit sich herumträgt?

Glas: Ich versuche immer mein Gegenüber zu verstehen. Wenn ich verletzt werde, bin ich kein ewiger Kummerkasten. Dann habe ich eher eine gütige Haltung und denke mir: Mein Gott, was hat denn der für ein Problem? Ich bin jemand, der Dinge anspricht, weil ich am liebsten klaren Tisch habe.

Die Geschichten spielen vor pittoresker Kulisse im Hudson Valley und sind romantisch. Was bedeutet Romantik für Sie?

Glas: Romantik hat für mich auch mit Träumen und Wünschen zu tun. Wenn ich nicht romantisch wäre, wäre ich ein ärmerer Mensch. Ich finde es ganz schön, zu träumen.

Wie waren die Dreharbeiten in Amerika?

Glas: Ich liebe New York, bin aber noch nie ins Hudson Valley gefahren. Du fährst da rein, der mächtige Hudson River und eine unglaubliche Landschaft kommt zum Vorschein. Unglaublich große, weitläufige Hügel und Weinberge. Das ist fantastisch, so was gibt es bei uns nicht. Das war schon ein tolles Erlebnis.

Sprung ins Glück ist ein Film zwischen Moderne und Tradition. Wobei sind traditionell und wo eher modern?

Glas: Ich nehme jetzt einfach an, dass ich ein moderner, fitter Mensch bin. Ich finde aber auch, dass man Traditionen wahren sollte und mit einem Fuß ein bisschen konservativ stehen kann, wenn man den anderen in die Zukunft stellt. Es ist schön, wenn man bewahrt, was einem die Eltern und Großeltern mitgegeben haben.

Was war das Wichtigste, was Sie Ihren Kindern mit auf den Weg gegeben?

Glas: Rücksicht zu nehmen und respektvoll mit dem Gegenüber umzugehen. Toleranz ist außerdem wichtig und dass man nicht mit Ellbogen durchs Leben geht. Sondern auch mal guckt, wie geht es dem Anderen.

Sie haben drei erwachsene Kinder. War es für Sie als Mutter schwer, loszulassen?

Glas: Nein, das ist der natürliche Prozess. Es ist sehr schön und wichtig, dass man die Kinder loslässt, dass sie ins Ausland gehen, Europa als Ganzes wahrnehmen. Aber die emotionale Nähe ist immer da. Ich empfinde als Mutter immer dieses Band, auch wenn der eine da und der andere dort ist.

Mit Ihrem Verein BrotZeit e.V. kümmern Sie sich um die Kinder von anderen und bringen Frühstück in Schulen.

Glas: Ich denke, dass jeder Mensch als Mitglied der Gesellschaft etwas tun muss. Jeder sollte ein bisschen Verantwortung tragen und nicht denken: Das kann der Staat machen.

Nimmt diese Arbeit mittlerweile mehr Zeit in Anspruch als die Schauspielerei?

Glas: Die BrotZeit e.V. macht sehr viel Arbeit. Wir sind im Nachhinein überrascht, wie heiß dieses Thema ist. Denn die Bundesregierung ist von der UN abgemahnt worden, weil in Deutschland die Situation für Kinder ganz schlecht ist. Jedes vierte Kind geht ohne Frühstück zur Schule. Unser Verein war aus der Not geboren. Erstmal ging's darum, was man den Kindern geben kann. Dann sagten die Schulleiter: Wenn Sie Zwieback bringen könnten, wäre das toll. Da war ich schon so deprimiert und dachte ‹Oh Gott›. Dann sagte eine Schulleiterin, dass ein Frühstück für 80 Kinder gut wäre. Und ich dachte nur, wer soll das machen? Heute gehe ich, wenn ich nicht drehe, zu den Schulen, wir machen Schulleitertreffen und sprechen darüber, was wir verbessern können. Das Schicksal hat mir gesagt: «Jetzt nehme ich dich am Nacken.»

Mittlerweile haben Sie ehrenamtliche Mitarbeiter. Wird Brotzeit e.V. noch größer?

Glas: Ja klar. Wir sind auf die Idee gekommen, fitte Senioren mithelfen zu lassen, die sich noch ein bisschen was dazuverdienen können. Die kommen halb sieben zur Schule und decken die Tische, Wir geben den Kindern Brot und Zeit. In München machen wir das an 23 Schulen, in Berlin an 21, in Leipzig und Heilbronn/Neckarsulm jeweils an vier. Demnächst kommen wir auch nach Hamburg.

In die Stadt mit den meisten Millionären ...

Glas: Es ist eine Parallelgesellschaft. Wenn ich den Bericht über die hungernden Kindern auf Bayern 1 nicht gehört hätte, hätte ich nie gedacht, dass in München zwischen 3000 und 5000 Kinder hungern. Jetzt stecke ich mittendrin und es ist eine Katastrophe.

Uschi Glas spielte seit den 1960er in zahlreichen deutschen Filmen und Serien mit. Zu den bekanntesten gehören Unsere schönsten Jahre, Zwei Münchner in Hamburg, Ein Schloss am Wörthersee und Sylvia - Eine Klasse für sich. Erfolge feierte sie mit Kollegen wie Elmar Wepper, Roy Black und Theo Lingen. Bis heute steht die 68 Jährige regelmäßig vor der Kamera. Seit dem 23. Oktober 2005 ist Uschi Glas mit dem Unternehmensberater Dieter Hermann verheiratet. Mit ihm gründete sie 2008 den Verein BrotZeit. Für ihr Engagement bekam die vielfach preisgekrönte Schauspielerin die Bayerische Staatsmedaille für soziale Verdienste.

Katie Fforde: Sprung ins Glück, Sonntag, 18. März 2012, 20.15 Uhr im ZDF

ruk/news.de

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