«Vater Mutter Mörder» Heino Ferch spielt den Vater eines Mörders

Der 18-jährige Sohn erschießt scheinbar grundlos drei Menschen. Im ZDF-Film Vater Mutter Mörder stehen die Eltern, gespielt von Heino Ferch und Silke Bodenbender, vor der Frage, ob sie einen Mörder weiter lieben können.

Vater Mutter Mörder (Foto)
Während Esther (Silke Bodenbender) weiterhin zu ihrem Sohn Lukas (Merlin Rose, Mitte) hält, verschlechtert sich das Verhältnis zwischen ihm und seinem Vater Tom Wesnik (Heino Ferch) immer mehr. Bild: ZDF/Stefan Erhard

Feuerwehr, Polizei und Krankenwagen sind vor einem Haus auf dem brandenburgischen Land aufgefahren, ein Menschenpulk hat sich bereits versammelt. Pressefotograf Tom Wesnik, der ebenfalls in der Ortschaft lebt, reagiert professionell, schnappt sich seine Kamera und beginnt Bilder zu schießen. «Der hat Nerven», hört man einen der Schaulustigen flüstern.

Erst kurze Zeit später erfährt Wesnik von den ermittelnden Kriminalbeamten, was eigentlich vorgefallen ist: eine Geiselnahme, drei kaltblütig niedergeschossene Menschen. Der Täter: Wesniks eigener Sohn Lukas, der nun nach einem Selbsttötungsversuch schwer verletzt im Krankenhaus liegt. Die Opfer: Lukas' bester Freund und die Eltern seiner guten Freundin. Diesem Entsetzen über die Tat, der Fassungslosigkeit, dass der eigene Sohn dieses Blutbad angerichtet haben soll, gibt Heino Ferch in diesen Einstiegsszenen des Fernsehfilms Vater Mutter Mörder überaus glaubwürdigen Ausdruck.

Vater Mutter Mörder: Er bleibt doch der eigene Sohn
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Während Ehefrau Esther (Silke Bodenbender) den Sohn für unschuldig hält und nach Erklärungen sucht, die ihren Jungen entlasten könnten, hat sich Tom Wesnik von Lukas (Merlin Rose) entfremdet. Immer seltener besucht er ihn im Krankenhaus, die Ehe droht zu scheitern. Weil die Familie seit der Tat von der Dorfbevölkerung unter Repressionen zu leiden hat, muss das Pferdegestüt verkauft werden, Tochter Marlene (Dzamilja Anastasia Sjöström) in ein Internat ins Ausland gehen.

Keine einfachen Erklärungen für das Unfassbare

Drehbuchautor und Regisseur Niki Stein (Morgen musst du sterben, Bis nichts mehr bleibt) hat auch für diesen Film wieder akribisch recherchiert und Aspekte aus verschiedenen realen Fällen mordender Jugendlicher zusammengetragen. Was lässt einen Jungen, der zuvor nie als Problemkind aufgefallen war, zu einem kaltblütigen Mörder werden?

Niki Stein hat die vielfach diskutierten Thesen und Erklärungsmuster aufgegriffen und in sein Drehbuch eingearbeitet: ein Vater, der aus beruflichen Gründen viel zu wenig für seinen Sohn da ist, Ego-Shooter-Spiele, psychische Probleme und irrationale Ängste, die Suche nach Anerkennung und die Furcht, den eigenen Ansprüchen nie genügen zu können. «Es gibt nur Befunde, aber keine abschließende Diagnose. Es bleibt ein schwarzes Loch, was Jugendliche wie Lukas zum Mörder werden lässt. Und es bleibt die Verzweifelung der Eltern», sagt Niki Stein.

Eine einfache Lösung und Klärung verweigert er erfreulicherweise, psychologisch schlüssig allerdings sind die Kernfiguren dieser Geschichte nicht. Dafür lastet auf ihnen zu sehr die Aufgabe, möglichst viele Thesen und Haltungen zu repräsentieren. Dass man diesem Familiendrama allerdings dennoch mit großer Spannung folgt, ist insbesondere ein Verdienst Heino Ferchs, der sich auch in diesem Film wieder als herausragender Charakterschauspieler beweist.

Vater Mutter Mörder, Montag, 13. Februar 2012, 20.15 Uhr, ZDF

iwe/zij/news.de/dapd/dpa

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