20 Jahre Quatsch Comedy Club «Das habe ich Mario Barth beigebracht»

Der Quatsch Comedy Club gilt als Wurzel des Comedy-Booms in Deutschland und feiert sein 20-jähriges Bestehen. Thomas Hermanns, Gründer des Clubs, berichtet über den steinigen Weg zum Erfolg und was er Mario Barth beibrachte.

Quatsch Comedy Club (Foto)
Thomas Herrmanns ist als Gastgeber der 20-Jahres-Gala ganz in seinem Element. Bild: Pro7/Thomas Kierok

Der Quatsch Comedy Club gilt als Wurzel des Comedy-Booms in Deutschland und feierte  mit einer großen Gala in Berlin sein 20-jähriges Bestehen. Markus Huth sprach mit dem Gründer und Intendanten des Clubs, Thomas Hermanns, über die Kommerzialisierung seines Projekts und die Comedy-Szene in Deutschland.

Herr Hermanns, Sie haben vor 20 Jahren den Quatsch Comedy Club (QCC) gegründet, der heute für den Comedy-Boom in Deutschland verantwortlich gemacht wird. Ziehen Sie sich diesen Schuh an?

Thomas Hermanns: Auf jeden Fall, zumindest für das Segment Stand-Up-Comedy hat der QCC viel beigetragen. Am Anfang ging es erstmal darum, das Berufsbild des Comedian zu schaffen. Die erste Gruppe mit Michael Mittermeier, Ingo Appelt, Rüdiger Hoffmann und Atze Schröder hat dieses Bild sehr geprägt.

Quatsch Comedy Club: Mehr als Fernsehen

Was zeichnet einen guten Stand-Up-Comedian aus?

Hermanns: Er muss sich vor dem Publikum öffnen können und sich damit auch ein Stück weit verletzlich machen. Und er braucht einen eigenen Kopf, eine eigene Sicht auf die Dinge. Er braucht viel Mut, denn der Weg an die Spitze ist hart. Zur Hälfte kann man das lernen, die andere Hälfte ist Talent.

An der Spitze steht als erfolgreichster Comedian seit einer Weile Mario Barth, der ganze Konzerthallen füllt. Haben Sie auch ihn groß gemacht?

Hermanns: Ich habe Mario Barth zumindest mal in einem Workshop in Köln einiges über Stand-Up-Comedy beigebracht. Und er ist auch schon im QCC aufgetreten.

Sie haben 2008 die Moderation des deutschen Vorentscheids für den Eurovision Song Contest geschmissen, weil die Gewinner ihrer Ansicht nach keine Chance auf den Grand-Prix-Sieg hatten. Nun hat ihn Lena Meyer-Landrut 2010 gewonnen ...

Hermanns: ... das ist das perfekte Beispiel für schlechtes Timing. Aber zu meiner Verteidigung: Zwischen meinem Abschied und Lena lag noch Moskau mit dem deutschen Beitrag Oscar Loya und Dita von Teese: Da ging es ganz in die Grütze. Und erst nach diesem Absturz hat sich die ARD auf ProSieben und Stefan Raab zubewegt. Seitdem gibt es neue Bedingungen, die ich damals nicht hatte.

Würden Sie denn jetzt wieder einsteigen?

Hermanns: Nein, ich habe mich inzwischen verändert. Baku macht mich auch nicht mehr richtig wild. Es hat heute einfach nicht mehr die Bewegung für mich wie früher.

Moderieren Sie den QCC noch?

Hermanns: Nur noch die TV-Shows, den Live-Club nicht mehr. Aber es gibt einen großen Pool von fähigen Moderatoren. Ich habe jetzt Zeit, mich anderen Projekten zu widmen. Ich habe das Musical Kein Pardon gemacht und zwei Bücher geschrieben. Gerade arbeite ich an meinem ersten Krimi: Der rechnet mal so richtig mit der Medienwelt ab.

Ist der QCC nach dem Umzug von Hamburg nach Berlin 2002 kommerzieller geworden?

Hermanns: In Hamburg gab es immer eine ganze Gala pro Monat mit immer neuen Künstlern, das war eine Luxusveranstaltung. In Berlin kam mit 350 Shows pro Jahr der wirtschaftliche Aspekt dazu. Wir stellten uns die Frage: Wovon lebt man, wie rechnet sich das und wie kriegen wir das Bier verkauft?

Als Sie vor 20 Jahren im Deutschen Schauspielhaus in Hamburg anfingen, wurde der QCC vom Intendanten Gerd Schlesselmann nach wenigen Shows schriftlich rausgeschmissen. Hatte der Mann recht?

Hermanns: Eigentlich hat er recht gehabt. Wir waren natürlich beleidigt und verletzt, aber er hat uns in die richtige Richtung geschickt: auf die Reeperbahn. Einen ähnlichen Brief haben wir übrigens auch von ProSieben bekommen. Erst mit dem neuen Unterhaltungschef Oliver Mielke hat dort ein Umdenken stattgefunden. Er hat beim Sender durchgeboxt, dass der QCC dort übertragen wird.

Sie werfen Schlesselmann nichts vor?

Hermanns: Das einzige, was man ihm vorwerfen muss, ist, dass er das Talent von Olli Dittrich verkannt hat. Der war in der Show, die sich Schlesselmann angeschaut hat, zum ersten Mal als Dittsche aufgetreten. Das war ein magischer Moment und alle wussten: Das wird mal ein Star. Olli hätte ja auch ins Regietheater gepasst.

Ein anderer Star, der gleich am Anfang dabei war, ist Brigitte Nielsen. Haben Sie die eingeladen?

Hermanns: Sie saß plötzlich im Publikum. Alle dachten, sie wäre eine Transe von der Reeperbahn. Aber dann war es die echte und ich habe sie gleich interviewt. Sie hat darauf hingewiesen, dass es überall in der Welt Comedyclubs gibt, nur nicht in Deutschland. Brigitte war sozusagen unsere gute Fee.

Sie hat ja gerade bei der RTL-Show Ich bin ein Star - holt mich hier raus mitgemacht und wurde dort zur «Dschungelkönigin» gekürt.

Hermanns: Ja, da kann man sich fragen, wem es nach 20 Jahren besser geht.

Brigitte Nielsen gilt auch als Schwulenikone. Haben Sie mit dem QCC Homosexualität im deutschen Fernsehen salonfähig gemacht?

Hermanns: Sicher haben offene und selbstbewusste Schwule im Fernsehen zu einer größeren Akzeptanz in der Gesellschaft beigetragen. Ich bin einer der wenigen, die das nicht verheimlicht haben. Das wäre auch gar nicht gegangen, denn in der Stand-Up-Comedy muss man die Wahrheit sagen. Wenn ich einen Witz über eine Alltagssituation mache, dann passiert die halt mit meinem Mann oder Freund. Und natürlich habe ich die ein oder andere hysterische Tanznummer gemacht.

Thomas Herrmanns (48) ist ein Allroundtalent. Er wirkt als Drehbuchautor, Regisseur, Moderator und Komiker. Zuletzt trat er als Schreiber des Hape-Kerkeling-Musicals Kein Pardon groß in Erscheinung. Vor 20 Jahren gründete er in Hamburg den Quatsch Comedy Club und zog mit ihm vor zehn Jahren nach Berlin. Der bekennende Homosexuelle dürfte mittlerweile zum Inventar der deutschsprachigen TV-Comedy gezählt werden.

20 Jahre Quatsch Comedy Club - Die große Jubiläumsgala, Donnerstag, 9. Februar 2012, 20.15 Uhr, Pro7

ruk/boi/news.de/dapd

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