«Der Mann, der alles kann» Ein Polizist mit Tatort-Phobie

Der Mann, der alles kann (Foto)
Eigentlich wollten sie nur zusammen essen - nun haben Robert (Peter Heinrich Brix) und Rita (Anica Dobra) die Fährte eines gesuchten Verbrechers aufgenommen. Bild: ARD Degeto/Carsten Schick

Von Paul Barz
Robert Hellkamp ist ein tüchtiger Ermittler, wird aber in seiner Arbeit von einer großen Angst geplagt, nämlich der vor Tatorten. In der ARD-Komödie Der Mann, der alles kann versucht er seiner Phobie mithilfe der nicht minder verkorksten Friseurin Rita Herr zu werden. Eine etwas ungewöhnliche, aber rührend-komische Geschichte - heute Abend im Ersten. 

Peter Heinrich Brix, einst von der Landwirtschaft in die Schauspielerei gekommen, ist eigentlich ganz zufrieden. Der Ausstieg aus dem TV-Dauerbrenner Großstadtrevier hat nicht den gefürchteten Karriereknick gebracht. Der gebürtige Flensburger blieb weiterhin gut im Geschäft, latscht über die Felder von Büttenwarder oder hilft Pfarrer Braun bei der Mördersuche - immer freundlich, pfiffig, mit viel bauernschlauer Verschmitztheit. Und noch während er im Großstadtrevier als Lothar vor der Kamera stand, waren für ihn Stoffe für «die Zeit danach» entwickelt worden.

So ein Film ist auch Der Mann, der alles kann, den das Erste heute Abend zeigt. Zwar bleibt er dem Polizeidienst treu. Aber der Ermittler dort, Robert Hellkamp, ist ein ganz besonderer Fall. Eigentlich ein tüchtiger Kriminalist, aber mit einer unheilbaren Phobie gegenüber Tatorten geschlagen. Oder auch: Der Mann, der angeblich alles kann, hat einfach Angst. Und eine Frau wird nötig sein, ihn davon zu heilen.

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Mit Friseurin auf Verbrecherjagd

Autor Norbert Eberlein hat für diesen von Annette Ernst inszenierten Film zwei Stränge miteinander verwoben. Hier wird einmal ein ziemlich harter Krimi erzählt: Eine junge Frau stürzt vom Dach, und es scheint kein Selbstmord zu sein. Zugleich tigert rachelüstern ein entflohener Gewaltverbrecher (mal wieder Dauer-Finsterling Aleksandar Jovanovic mit glasigem Killer-Blick) durch die Stadt.

Polizist Hellkamp scheint da nicht viel ausrichten zu können. Er ist mehr in der Stille zu Hause, außerdem reißt sein eitler Kollege Horst gern alles an sich. Robert, immer gutmütig, lässt ihn reißen. Aber dann begegnet er einer jungen Frau, der Friseurin Rita. Die ist auf ihre Weise ähnlich verträumt wie er, voller Illusionen, vielleicht mal als große Schriftstellerin herauszukommen.

Anica Dobra spielt diese Frau, und das mit Vergnügen: «Das hat mir an diesem Buch gleich so gut gefallen. Dass hier zwei Loser zusammentreffen, die dann am Schluss die eigentlichen Gewinner sind», sagt sie im dpa-Interview. Brix wiederum gefällt, «wie zart und vorsichtig und ehrlich die Liebesgeschichte zweier Menschen erzählt wird, die beide nicht mehr die Jüngsten sind».

Auch «ohne verwühltes Bett» stimmt die Chemie

Die beiden Schauspieler standen zum ersten Mal zusammen vor der Kamera und waren gleichermaßen begeistert. «Wir kannten uns noch gar nicht. Aber ich wusste gleich, dass uns beiden eigentlich etwas Nettes gelingen müsste», sagt Dobra.

Im Film geht es manchmal allerdings nicht nur nett zu. Dann zeigt Robert, im Zeichen der Liebe von alten Phobien geheilt und zu neuen Kräften erwacht, dass er auch mal gewaltig zuschlagen kann und wird wirklich zum Mann, der alles kann. Da gerät das zarte Liebesspiel doch noch zum handfesten Krimi - Kollege Horst, von Ralph Herforth gespielt, hat das Nachsehen. Bis dann die beiden Liebenden am Ende still vergnügt zusammensitzen. Brix: «Einfach so, ohne verwühltes Bett im Hintergrund. Und man fragt sich nicht groß: Haben die beiden schon oder werden sie noch? Das muss doch wirklich nicht immer sein.»

Titel: Der Mann, der alles kann
Regie: Annette Ernst
Darsteller: Peter Heinrich Brix, Anica Dobra, Julia Schäfle, Philipp Danne, Ralph Herforth
Sendetermin: Donnerstag, 26. Januar 2012, 20.15 Uhr, Das Erste

zij/boi/news.de/dpa

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