«Wolff: Kampf im Revier» Alpharüden unter sich

Viele Krimis kommen gesittet und vergrübelt daher - dieser tritt die Tür ein. Mit einem Paukenschlag kehrt Wolffs Revier zurück, in Spielfilmlänge, mit Stephan Luca und einem Regisseur mit Hollywoodformat.

Der deutsche Jason Bourne ist im besten Pensionärsalter, tablettenabhängig und heißt Andreas Wolff. Mit Kampf im Revier bringt Sat.1 eine der erfolgreichsten Krimiserien in der Geschichte des Privatfernsehens zurück auf den Bildschirm. 2006 war die 173. und letzte Folge gesendet worden, jetzt ist der knorrige Berliner Hauptkommissar (Jürgen Heinrich) zurück und doch ist alles anders.

Denn was Sat.1, Drehbuchautorin Anna Dokoupilova und Regisseur Christian Alvart ( Borowski und der coole Hund) sich mit dem guten alten Wolffs Revier erlauben, scheint zunächst unerhört. Sie machen ihre Hauptfigur kaputt. Das Serienfinale hat der Kriminalpolizist wider Erwarten doch überlebt, aber zu welchem Preis: Seinen Job als Ausbilder hat er hingeschmissen, ist süchtig nach Schmerzmitteln und in irgendwelche dubiosen Geschäfte verstrickt. Kampf im Revier beginnt damit, dass er im verlassenen Spreepark einen Kriminellen scheinbar erschießt und dann untertaucht.

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Mit der Jagd nach dem ehemaligen Topermittler wird einer seiner ehemaligen Schüler betraut: Marck (Stephan Luca). Der zofft sich hingebungsvoll mit seiner neuen Kollegin (Nadeshda Brennicke), hat chronisch schlechte Laune und bald einen schlimmen Verdacht: Wolff will auf eigene Faust einen Verbrecher zur Strecke bringen - den Entführer seiner Tochter Verena (Nadine Seiffert).

Action in Kinoqualität

Wolffs Revier nicht nur in Spielfilmlänge zurückzubringen, sondern ein gutes Stück gegen den Strich zu bürsten, ist schon ein mutiges Unterfangen. Wenn man dann aber sieht, was für ein Feuerwerk an Ideen Regisseur Alvart abbrennt, möchte man vor dem heimischen Fernseher stehend Beifall spenden. Kampf im Revier steckt visuell die meisten Kinofilme aus deutschen Landen locker in die Tasche, ist rasant, dreckig und voller guter Einfälle.

Das gipfelt in einer atemberaubenden Sequenz, die selbst in einem Bourne-Film noch herausragend zu nennen wäre: Da springt der Kameramann gemeinsam mit Heinrich von einer Spreebrücke auf einen Ausflugsdampfer, Luca und Brennicke hinterher, Konfusion an Bord, Heinrich spurtet zur anderen Seite der Brücke, klettert wieder hoch und die Kommissare gucken in die Röhre. Das alles in einer einzigen Einstellung ohne Schnitt. Genial!

Dass die Dialoge nicht immer ohne Phrasen à la «Das ist eine Nummer groß für dich!» auskommen und sich der Soundtrack nicht für einen Musikstil entscheiden kann - geschenkt. Ob Kampf im Revier eine Fortsetzung findet, dürfte sich nach den Einschaltquoten richten. Der Schluss liebäugelt jedenfalls unverhohlen damit. Die Alpharüden Heinrich und Luca hätten weitere Auftritte auch mehr als verdient, Alvart sei Dank.

Titel: Wolff - Kampf im Revier
Regie: Christian Alvart
Darsteller: Stephan Luca, Jürgen Heinrich, Nadeshda Brennicke, Nadine Seiffert
Sendetermin: Dienstag, 17. Januar 2012, 20.15 Uhr bei Sat.1

zij/news.de

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