«DSDS 2012» Auch Dieter Bohlen hat ein Herz

Juliane ZiegengeistVon news.de-Volontärin
Musikalische Totalausfälle bis der Arzt kommt - dafür steht DSDS auch in der neuen Staffel. Was bei The Voice gar nicht erst vor die Kamera darf, wird hier regelrecht zelebriert. Aber selbst Dieter Bohlen ist kein Unmensch und spielt dieses Mal die Mitleidskarte.

Der Showdown ist eröffnet: Nach dem Start der neunten Staffel Deutschland sucht den Superstar (DSDS) am vergangenen Samstag, der mit 6,17 Millionen Zuschauern gemessen an eigenen Verhältnissen (im Vorjahr 1,3 Millionen mehr) eher schwach ausfiel, gibt es in dieser Woche die volle Castingdröhnung. Das bisherige RTL-Zugpferd eröffnete gestern Abend mit seiner zweiten Folge. Heute zieht Unser Star für Baku auf Pro7 nach und am Freitag gibt es eine weitere Liveshow von The Voice of Germany, ebenfalls auf Pro7. Wer dabei das Nachsehen haben wird, bleibt abzuwarten.

Die Bandbreite dessen, was Castingshows zeigen können, dürfte die Mischung in jedem Fall abdecken. Während The Voice bisher mit hoher gesanglicher Qualität punktet und auf Verbalattacken à la Bohlen verzichtet, sondern vermeintliche Schimpfwörter wie «unfuckingfassbar» sogar als Lob kultiviert und damit viele Fans begeistert, setzt DSDS auf Altbewährtes. Nämlich: talentfreie Kandidaten, derbe Sprüche und ein paar wenige annehmbare Sängerinnen und Sänger, die für die späteren Liveshows noch ein möglichst storyträchtiges Image verpasst bekommen.

All das unterscheidet das Format von der neuen Konkurrenz, die von Anfang an auf klare Ausfallkandidaten und Peinlichkeiten verzichtet. Und das ist auch gut so, denn all das kennt man eben auch schon zur Genüge. Deshalb ist die Statistik der zweiten DSDS-Folge der aktuellen Staffel nicht nur eindeutig, sondern zudem ein wenig ermüdend: Von neun Kandidaten schaffen es drei eine Runde weiter, einer von ihnen sogar nur aus Mitleid. Denn die 16-jährige Angel Burjansky ist zwar «ein süßes Ding», wie ihr die Jury bescheinigt. Süß könnte man allerdings auch ihre Stimme nennen.

Sie singt Can't Fight The Moonlight (LeAnn Rimes) eher mittelprächtig. Bruce Darnell und Natalie Horler erkennen zu Recht, dass Angel noch zu jung ist und es im Recall schwer haben würde. Zu ehrlich für die Kleine: Sie bricht in Tränen aus. Ein zweiter Versuch mit Yvonne Catterfelds Für dich soll's richten. Der fällt besser, aber eigentlich immer noch nicht recallwürdig aus. Doch Chefjuror Dieter Bohlen erfüllt das Klischee «harte Schale, weicher Kern» und drückt Angel den berühmten gelben Zettel für die nächste Runde in die Hand. «Ich halt' das einfach nicht mehr aus», so sein Kommentar.

Fremdschämen garantiert

Tränen helfen also, rehbraune Augen auch. Und außerdem hat die 16-Jährige seit acht Jahren darauf gewartet, endlich am Casting teilnehmen zu können, praktisch ihr halbes Leben. Das rechtfertigt in Bohlens Augen ein Weiterkommen. Auf den nächsten Heulkrampf im Recall! In diesen sind neben Angel die Schweizer Jesse-Ritch Kama-Kalonji (19) mit «Kuschelrockstimme» und Patrick Rouiller (23) mit einer Gitarrenversion von Lady Gagas Pokerface eingezogen. Die restlichen Superstar-Bewerber dieser Sendung kann man unter dem Phänomen verbuchen, das Jury-Mitglied Horler so beschreibt: «Es ist wie ein Unfall auf der Autobahn und man kann nicht wegschauen.»

Bohlens Auslese
Die Kandidaten fürs Superstar-Amt

Sie sagt das zu Möchtegern-Gigolo Patrick Kohlmann, der die Jury schwindelig tanzen und singen will und es mit seiner Version von Freaky Like Me (Madcon) auch irgendwie schafft. Das ist kein Kompliment! Als er dreimal Nein kassiert, feuert Patrick zurück: «Die haben keine Ahnung.» Seine weiteren Verbalentgleisungen sollen an dieser Stelle nicht wiederholt werden. Nur so viel: Nicht nur Bohlen kann pöbeln. Der kommentiert die in ihrer Grausamkeit kaum zu beschreibende Darbietung von Felix Fuchs (21) mit: «Wenn das Wetter draußen so wär' wie deine Stimme, dann würde es Scheiße regnen.» Nikolai Dax (20) und seine Version von Westlifes You Raise Me Up schickt er unters Parkett, während der Poptitan seine eigenen Qualitäten in die Stratosphäre erhebt.

So kommt am ehesten Sprücheklopfer Bohlen bei DSDS auf seine Kosten. Für die Zuschauer bleibt der Fremdscham, der sich - hat man auch nur eine Folge von The Voice gesehen - im Vergleich noch schlimmer anfühlt als je zuvor. Noch nie war man für Kandidaten, die einigermaßen geradeaus singen können und so eine Verschnaufpause vom befremdlichen Skurrilitätenzirkus ermöglichen, so dankbar. Und noch nie hat man sich öfter gefragt, warum jene, die es eben nicht können, sich überhaupt vor den Bildschirm trauen. Denn allein mit Selbstüberschätzung ist so mancher Auftritt nicht mehr zu erklären. Insofern bleibt sich die Show treuer denn je. Ob es das auch für die Fans gilt, wird sich zeigen.

Hier gibt es die zweite Folge von DSDS zum Nachschauen.

car/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • katalina k
  • Kommentar 3
  • 12.01.2012 20:40

ich verstehe gar nicht, wieso man solche Sendungen, wie übrigens auch jene, in der drei ganz armselige Exemplare deutscher Männlichkeit eine Frau im Osten suchen, verbieten kann. Es gibt ein Delikt, wie Volksverhetzung... - wie aber nennt man das, wenn in sehr präsenten Sendungen die Deutschen sich selbst als abgebrüht, dumm absolut empathielos und Menschen verachtend zeigen. Ich kriege langsam Wut auf diese Schmuddelmedien! Die Welt sieht nämlich mit und unser Ansehen steigt nicht besonders durch solche Darstellungen. Eigentlich unglaublich, wie man sich selbst so zur Schau stellen kann.

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  • Puhdysmus
  • Kommentar 2
  • 12.01.2012 13:55

Es ist erschreckend, mit ansehen zu müssen, inwieweit der Verblödungsgrad in großen Teilen unserer Bevölkerung bereits vorangeschritten ist. Etliche Aktionen -siehe dazu auch die Fotostrecke oben- sind an Peinlichkeit, Dummheit und Nichtkönnen kaum noch zu überbieten. Aber auch die, die so etwas zelebrieren und in die Öffentlichkeit bringen, sind keinen Deut besser. Wen das in den meisten Fällen betrifft? Na, ist doch klar -führend sind hier RTL und die "BLÖD"-Zeitung. Wer mir jetzt den Daumen nach unten zeigt, kann sich gleich dazu zählen. Aber keiner, der geistig auf der Höhe ist, wird das tun. Armes, armes Deutschland!

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  • whw
  • Kommentar 1
  • 12.01.2012 13:54

Ich werde allen meinen Mut zusammen nehmen und mich mit 66 Jahren noch bewerben.Besser als das bisher da gewesene bin ich alle mal.Musik Erfahrung habe ich,drei Jahre Gesangaausbildung,Opernchor das reicht wohl.Die anderen können ja noch nicht einmal einen Ton halten.Von Notenlesen ganz zu schweigen.Stellen sich aber da auf die Bühne und denken sie sind die grössten.Da ich eine sehr hohe Stimme habe, z,B Tenor schaffe ich es mit Schlager genauso wie mit einer Opernarie.Ja wenn nur nicht das Lampenfieber wäre,und das ist es was die meisten Kanidaten beschissen singen lässt.Das sollte man merken

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