«Unser Star für Baku» Stefan Raab sieht doppelte Lenas

Thomas D macht den Bohlen, Stefan Raabs Idee mit dem Live-Voting schlägt grandios ein und Alina Süggeler verliert ihr Herz: Gesucht wird die deutsche Stimme für den Eurovision Song Contest in Baku und die Jury bekommt nur Lenas.

Baku, Blitz und Lena-Klone (Foto)
Stefan Raab sucht einen «Star für Baku». Mit der Einführung des Live-Votings hatte er eine grandiose Idee. Bild: dpa

Wer sich im Dschungel der unzähligen Castingformate im deutschen Fernsehen abheben möchte, braucht neue Ideen. Stefan Raabs Wunderwaffe im Kampf um die Quote heißt «Blitztabelle» - ein Werkzeug, über das die Medien vor dem Start von Unser Star für Baku heiß diskutierten. Das Nachrichtenmagazin Focus befürchtete eine «Bohlenisierung des Publikums» und rp-online meinte: «Die Kandidaten sind permanent unter Druck».

«Unser Star für Baku»: Wer singt für Deutschland?

Tatsächlich sorgte die Blitztabelle, die gestern Abend bei der ersten Liveshow zum Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC) erstmals eingesetzt wurde, für Spannung und Transparenz. Denn die Zuschauer an den TV-Bildschirmen hatten während der zweieinhalbstündigen Show von der ersten bis fast zur letzten Minute die Gelegenheit, per Telefon oder SMS für ihren Favoriten zu stimmen. Der aktuelle Stand der Tabelle war jederzeit sichtbar – sowohl für das Publikum als auch für die Sänger.

Zwei Totalausfälle und ein neuer Star

Diese permanente Bewertung machte es möglich, dass zum Beispiel Kandidatin Katja Petri aus Berlin nach einer fehlerfrei und charmant gesungenen Version von Marry You (Bruno Mars) vom letzten Tabellenplatz auf die Spitzenposition durchstartete. Totalausfälle wie Jan Verweij (er sang Closer To The Edge von 30 Seconds To Mars und traf dabei nicht immer den Ton) und Salih Özcan (mit einer nicht wieder zu erkennenden Senorita von Justin Timberlake) hingegen blieben auf den hinteren Tabellenplätzen kleben. Das Publikum bewertete ganz eindeutig die gesangliche Leistung und nicht etwa das Aussehen oder flotte Sprüche der Kandidaten.

Vor allem starke Frauenstimmen dominierten die erste Liveshow bei Pro7, der sieben weitere folgen – bis «unser Star für Baku», die deutsche Stimme für den Eurovision Song Contest am 26. Mai in Baku in Aserbaidschan, feststeht. Große Chancen, die Nachfolgerin von Lena Meyer-Landrut zu werden, hatte gestern eine der Jüngsten: Shelly Phillips, eine 20 Jahre alte Schülerin aus Coburg, von der Jurypräsident Thomas D hellauf begeistert war: «A Star is born», meinte er nach dem Auftritt der quirligen jungen Dame, die mit «eleganter Trotzigkeit» Valerie von Amy Winehouse sang. Céline Huber (Beautiful Disaster von Kelly Clarkson), Leonie Burgmer (Stronger Than Me von Amy Winehouse) und die bereits erwähnte Katja Petri zogen mit ihr in die nächste Runde ein.

Thomas D war neben dem überzeugend dynamischen Echtzeit-Voting die zweite Entdeckung von Unser Star für Baku. Während Jurorin Frida-Gold-Sängerin Alina Süggeler mit fantasielosen Wertungen wie «bezaubernd» und «großartig» eher blass blieb, überraschte der sonst freundlich auftretende Rapper der Fantastischen Vier mit Sprüchen à la Bohlen. Dem 21 Jahre alten Kellner Jan Verweij gab er mit auf den Nachhauseweg: «Um diesen Song zu singen, braucht man Eier, die so groß sind, dass sie nicht in einer Hose passen.» Am Ende urteilten auch die Zuschauer gegen Jan und straften ihn mit dem letzten Platz ab. Und der 23-jährige Deutsch-Türke Salih Özcan wurde von Thomas D mit dem Reim verabschiedet: «Der D bedankt sich, doch ich fürchte: Es langt nicht.» Es langte tatsächlich nicht: Salih schied als Vorletzter aus.

Tränen vom weißen Bruce Darnell

Überhaupt hatten es die Männer schwer gegen ihre weibliche Konkurrenz. Nur ein Mann – Roman Lob – schaffte es in die Top Five und darf damit weiter auf die ESC-Teilnahme hoffen. Der Industriemechaniker aus Neustadt (Wied) wurde von der Jury gar als die Entdeckung des Abends gefeiert. Als er mit dem gefühlvoll gesungenen After Tonight von Justin Tokimitsu Nozuka das Feld von ganz hinten aufrollte, war Thomas D kaum zu halten: «Ich habe fast geweint! Du machst mich zum weißen Bruce Darnell.» Alina Süggeler gestand «voller Emotionen»: «Du hast mein Herz erobert!» Und Stefan Raab redete sich geradezu in Ekstase: «Da hast eine unglaubliche Gabe, eine besondere Fähigkeit, Vokale zu formen und phonetische Elemente auf den Höhepunkt zu treiben». Die neue Lena - ein Mann?

Apropos Lena: Die ESC-Gewinnerin 2010 tauchte in der Sendung nur zu Beginn in einer eingespielten Rückschau auf, schien aber in Kopien anwesend zu sein. Bei Twitter mehrten sich jedenfalls im Laufe des Abends die Klagen über Lena-Klone, wobei an erster Stelle Leonie genannt und auch Moderatorin Sandra Rieß nicht ausgenommen wurde.

Die Sendetermine im Überblick:

Donnerstag, 19. Januar, Pro7, 20.15 Uhr (Ausscheidungsshow)
Donnerstag, 26. Januar, Pro7, 20.15 Uhr (Ausscheidungsshow)
Donnerstag, 2. Februar, Pro7, 20.15 Uhr (Ausscheidungsshow)
Montag, 6. Februar, Pro7, 20.15 Uhr (Ausscheidungsshow)
Donnerstag, 9. Februar, Das Erste, 20.15 Uhr (Viertelfinale)
Montag, 13. Februar, Pro7, 20.15 Uhr, (Halbfinale)
Donnerstag, 16. Februar, Das Erste, 20.15 Uhr, (Finale)

cvd/news.de/dpa

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • k.paul
  • Kommentar 4
  • 18.01.2012 19:43

http://www.million-actions.de/2012/01/16/aserbaidschan-lasst-in-vorbereitung-auf-den-eurovision-songcontest-2012-strasenhunde-toten/ auch hierzu.....nein danke !

Kommentar melden
  • Madita
  • Kommentar 3
  • 14.01.2012 10:29

@Tom, ich denke es ist ja auch ein ganz anderes Ziel für die Kandidaten. Hier geht es um den Eurovision Songcontest in Baku und bei Voice of Germany gehtes um die eigene Karriere!! Da melden sich ganz andere Talente und vor allem Profi-Sänger!! ;-) Happy New Year!

Kommentar melden
  • Tom
  • Kommentar 2
  • 13.01.2012 21:04

Schade, schade, schade... die Show nur ein billiger Abklatsch von Voice of Germany, mit nur wenigen Kanditaten die wirklich singen können (im Gegensatz zum Original). Hätte mir mehr davon erwartet. Und das Voting...typisch Raab, möglichst viel Kohle damit machen...

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig