Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann - 10.01.2012, 07.54 Uhr

Kuppelshow: Au, weia

Auch in der zweiten Folge der Kuppelshow Traumfrau gesucht benehmen sich deutsche Junggesellen in Osteuropa daneben. Mit Schokoherzen und Schmetterlingen rücken sie den Damen zuleibe und lassen keinen Fettnapf aus.

Flirtversuch in der Disco, doch Elvis kann bei dieser Blondine nicht punkten. Bild: RTL2

Walther hat den Vogel mal wieder abgeschossen. Nachdem er schon in der ersten Folge der RTL2-Doku-Soap Traumfrau gesucht über geblümten Tässchen in Tränen ausgebrochen war und eine Dame mit selbstgebastelten Geldscheinen beschämt hatte, nestelt der Lüstling im Spießerpelz diesmal beim ersten Date Flusen von Nathalias Brust und zettelt in einer Diskothek einen hochnotpeinlichen Eklat an, weil er eine Dame, die sich nicht freiwillig auf die Tanzfläche bugsieren lässt, dann eben dorthin tragen will.

Mit Partnervermittlerin Ksenia Droben, die den 50-Jährigen an die russische Frau bringen soll, möchte man nicht tauschen. Sie muss mitansehen, wie der Reisebürokaufmann in Sankt Petersburg von einem Fettnapf in den nächsten taumelt und sich dann auch noch als komplett beratungsresistent entpuppt. Dass sich die junge Journalistin von ihm in der Kutsche nicht befummeln lassen wollte und die Flucht ergreift, bringt Walther nicht ins Grübeln: «In mir steckt halt ein kleiner Italiener und ein Italiener ist nunmal ein Draufgänger», sagt er und rückt seine Nickelbrille zurecht.

FOTOS: «Traumfrau gesucht» Russisches Roulette
zurück Weiter Traumfrau gesucht (Foto) Foto: news.de-Screenshot, rtl2now.rtl2.de Kamera

Und dann muss ihn Ksenia Droben doch tatsächlich auch noch zu einem esoterischen Ritual begleiten, bei dem er Pflastersteine streichelt und Rosen in die trübe Newa wirft, um die Kräfte der Liebe in sich zu aktivieren. Irgendjemand muss dem Mann einmal das Gefühl vermittelt haben, er sei ein Langweiler. Das ist allerdings nach hinten losgegangen.

Schmetterlingtricks und Stiletto-Ekstase

Aber Walther ist nicht der einzige Problemfall in Drobens Kartei. Bei Maurer Karsten aus Sachsen-Anhalt sieht sie immerhin mehr Potenzial, auch wenn er nicht so recht weiß, worüber er mit der attraktiven Alleinerziehenden, die ihm gegenüber sitzt, reden soll. Doch dann nimmt ihn ausgerechnet der selbsternannte Frauenversteher Walther unter seine Fittiche und vermasselt beinahe auch noch das erste Date des Neuankömmlings. Später legt Walther dem 44-jährigen Kandidaten, der noch Jungfrau ist, die Lektüre des Buchs Der perfekte Liebhaber ans Herz und empfiehlt, der Frau einen Schmetterling an die Bluse zu heften, um sich ihrem Busen zu nähern. Au, weia.

Und während Walther in Russland einer Zwanzigjährigen mit schmantigen Fingern Schokoherzen in den Mund stopft, steht Elvis (28) und Manfred (42) in Odessa beim Frauencasting die blanke Gier in die Augen geschrieben. Elvis hält sich atemlos an einem knallroten Cocktail fest und Manfred gesteht: «Ich war vor Aufregung schon dreimal pieseln.» Gleich ein Dutzend Damen in Netzstrümpfen und Schlangenlederpumps hat die Partneragentur aufgefahren. Die Frage ist nur, wer hier eigentlich die Jury ist. Denn während die deutschen Junggesellen über Stilettos und Pobacken diskutieren, stellen die Kandidatinnen plötzlich unangenehme Fragen.

Elvis ergreift die Flucht nach vorn und stellt sich als «ehemaliger Fußball-Star der dritten Kreisliga und jetziger DJ-Star» vor. In Wahrheit jobbt der allerdings als Hausmeistergehilfe. Das soll sich noch rächen. Aber erst einmal schmilzt doch tatsächlich die 22 Jahre alte Anastasia dahin: «Die guckt mich an, als wenn ich der geilste Sexgott der Welt wäre», bemerkt der übergewichtige Elvis und kann es selbst kaum glauben.

Manfred schwingt seine Arme um gleich zwei blonde Ladies in pink, die dann aber doch nicht so recht in seine Klischeekiste passen wollen, weil das plumpe Gebagger des Schufetischisten gnadenlos an ihnen abperlt. Da hilft es auch nicht, dass Manfred eine Stretchlimo gemietet hatte. Nur zwischen Elvis und Anastasia fliegen die Funken auf der Rückbank. Dumm nur, dass sie sich so sehr für seine angeblichen DJ-Qualitäten begeistert.

Plötzlich spricht die adrette Dame

Situationen wie diese sind auf den ersten Blick vielleicht lustig und unterhaltsam, werfen aber auch ein erschütterndes Licht auf das Frauenbild der Kandidaten. Diese Männer sind auf Shoppingtour, das haben nicht nur die Kandidatinnen des Frauencastings gleich erkannt. Dass man sich eine Frau aber nicht wie ein neues Auto anschafft, scheinen sie nicht begriffen zu haben und reagieren äußerst empfindlich, wenn sie feststellen, dass die Damen durchaus eigene Ansprüche an die Heiratskandidaten haben.

Die deutschen Männer geben derweil ein jämmerliches Bild ab: Frei von Selbstreflektion scannen sie Rundungen und überschlagen sich in Ansprüchen. Kein Wunder, dass die Frauen auf ein derart repektloses Verhalten entsprechend reagieren. Manch einer der Kandidaten ist darüber aber derart überrascht, dass man meinen könnte, sie hätten vergessen, dass die Dame, die sich auf den Fotos der Vermittlungsagentur so ansprechend räkelt, auch sprechen kann. Noch bevor die erste Folge von Traumfrau gesucht ausgestrahlt worden war, hatte die Frauenrechtsorganisation Terre des femmes scharfe Kritik an den Format geäußert.

Auch wenn Walther von der «Naivität» osteuropäischer Frauen schwärmt, haben die den Braten längst gerochen und lassen die Flirtlegastheniker im Regen stehen. Die dürfen dann allenfalls einen letzten Blick auf schwindelerregend hohe Hacken werfen. Die Frauen jedenfalls haben hier Haltung und Klasse gezeigt. Und Partnervermittlerin Ksenia Dobler rauft sich die Haare.

Die komplette Folge können Sie sich hier ansehen.

cvd/news.de

Empfehlungen für den news.de-Leser