Dokudrama Zwei Frauen im Königsgewand

Friedrich (Foto)
Friedrich der Große (Katharina Thalbach) kehrt nach dem Ende des Siebenjährigen Kriegs 1763 nach Berlin zurück. Bild: RBB / © DOKfilm/Tom Schulze

Juliane ZiegengeistVon news.de-Volontärin
Zum 300. Geburtstag von Friedrich dem Großen kommt das Leben des berühmten Preußenkönigs neuverfilmt ins TV. Und ausgerechnet zwei Schauspielerinnen verkörpern den als Frauenfeind bekannten Monarchen - mal leidend, mal tyrannisch. Heute Abend bei Arte.

Er gilt bis heute als der berühmteste König von Preußen: Friedrich der Große. Diesen Titel habe er sich, so Historiker, stets einverleiben wollen - mit viel Eigensinn und Selbstverliebtheit, Sucht nach Ruhm und Anerkennung. Er führte erbitterte Kriege und erzwang die Anerkennung Preußens als fünfte Großmacht. Er war aber nicht nur der rücksichtslose Kriegsherr, sondern auch ein Feingeist, der im Feldlager Flöte spielte und sich rege mit dem französischen Schriftsteller Voltaire austauschte.

Am 24. Januar 2012 feiert der polarisierende Preußenkönig seinen 300. Geburtstag und ist schon zwei Wochen zuvor im Fernsehen zu sehen - gespielt von zwei Frauen. Und das, obwohl Friedrich der Große als Frauenhasser verschrien war, es sogar Spekulationen über seine mögliche Homosexualität gab. Im Dokudrama Friedrich - Ein deutscher König, das Arte heute Abend zur Hauptsendezeit ausstrahlt, wird er von Katharina Thalbach (57) und deren Tochter Anna (38) verkörpert.

Frauen in Männerrollen
Diese Damen trugen Bart

Die verblüffende Ähnlichkeit der beiden Schauspielerinnen erlaubt es ihnen, den «Alten Fritz», wie der König auch genannt wurde, einmal in jüngeren und einmal in späteren Jahren zu spielen, als vom Vater Gequälten und als einsamen Monarchen. Für Katharina Thalbach ist die Männerrolle kein Neuland. Aktuell ist sie in der Komödie Der Raub der Sabinerinnen am Berliner Theater am Kurfürstendamm zu sehen - ebenfalls als Mann. Das Schwierigste daran sei das «Brustgequetsche», verriet die Mimin jüngst in einem dpa-Interview.

Prachtvolle Schauplätze und Originaldialoge

«Da ich relativ reich gesegnet bin, ohne Silikon, muss das ja weg. Deswegen wird es weggequetscht und mit einer Art Bauch kaschiert. Das ist am Ende eines Tages schmerzhaft», sagte Thalbach. Im Falle von König Friedrich gehörten ein orginalgetreuer Hut sowie Weste und Uniformrock zum Outfit. Gedreht wurde unter anderem im Schloss Oranienbaum bei Dessau, das als Ersatz für Schloss Sanssouci diente. Den Prachtbau hatte der König selbst mitkonzipiert und viele Jahre seines Lebens bewohnt.

70 Prozent des entstandenen Dokudramas bestehen aus Spielfilmanteil. Umrahmt von Friedrichs Rückkehr aus dem Siebenjährigen Krieg werden darin seine entbehrungsvolle Jugend sowie bezeichnende Ereignisse wie etwa die legendäre Potsdamer Tafelrunde mit Friedrich und dem großen Voltaire sowie die Schlacht von Kunersdorf nachgespielt, bei der Mitglieder von Traditionsvereinen mit eigenen Kostümen, Trommeln und Fahnen aushalfen. Ein Großteil der Dialoge ist orginal überliefert, aber natürlich eingedeutscht. Denn Friedrich der Große sprach vornehmlich Französisch.

Ergänzt werden diese Szenen um Animationen und Experten-Interviews, die die handelnden Personen historisch einordnen. So zeichnet der Film von Yury Winterberg und Jan Peter, die für die ARD bereits andere historische Dokureihen wie Mätressen, Damals nach der DDR und Mein Deutschland realisierten, mit viel Witz und Detailliebe ein umfassendes Bild eines verehrten und gehassten, störrischen und zugleich feinsinnigen Königs.

Katharina Thalbach und andere Frauen in Männerrollen sehen Sie in unserer Fotostrecke.

Das Dokudrama mit den Thalbachs als Friedrich der Große läuft am heutigen Samstag, 7. Januar 2012, um 20.15 Uhr als Erstausstrahlung auf Arte und am Montag, 16. Januar 2012, um 22.45 Uhr im Ersten.

boi/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Klaus Renneberg
  • Kommentar 2
  • 07.01.2012 14:35

...ja, aber nur, wenn die Männer ausgestorben sind..^^ ..will es mir erst einmal anschauen, bevor ich endgültig urteile. ..aber so etwas wie den Otto Gebühr, welcher den Alten Fritz schon einmal spielte, gibt es wohl heute nicht mehr?!

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  • Bernd
  • Kommentar 1
  • 07.01.2012 14:30

Danke für diese sehr gute Volontär-Fleißarbeit!

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