Johann von Bülow Nein, er ist nicht der Sohn von Loriot

Johann von Bülow ist «nur» ein entfernter Verwandter des verstorbenen Humoristen. Mit news.de spricht der Schauspieler über den TV-Thriller Die Schuld der Erben und verrät, warum er kein Krimifan und trotzdem oft im Tatort zu sehen ist.

Schuld der Erben (Foto)
Johann von Bülow spielt in Die Schuld der Erben Henning Asmussen, den Sohn des Werftbesitzers. Bild: ZDF/Hardy Brackmann

Herr von Bülow, in Die Schuld der Erben, der am Donnerstagabend im ZDF lief, geht es um eine Werft. Sind Schiffe und Meer attraktiv für Sie oder bevorzugen Sie als gebürtiger Münchner die Berge?

Johann von Bülow: Es sind schon ein bisschen mehr die Berge. Aber ich habe durch meine Frau das Segeln gelernt und mache das richtig gerne. Es gibt also auch eine wachsende Meeraffinität.

Sie leben in Berlin. Wo segelt man da?

von Bülow: Da sind wir noch gar nicht gesegelt. Meine Frau hat ein sehr sportliches Segelboot am Gardasee. Da herrscht gleichmäßiger Wind, den man für diese Art zu segeln braucht. Dabei hat man Neopren an, steht auf der Kante und hängt im Trapez, Nasswerden ist nicht ausgeschlossen. Eher so ein Action-Segeln. Das machen wir allerdings leider zu selten. Einmal im Jahr für zwei Wochen, mehr ist nicht drin.

«Die Schuld der Erben»: Werft-Thriller mit Starbesetzung
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Ist die Begeisterung fürs Segeln vielleicht doch ein Grund, warum Sie die Rolle als Werft-Erbe Henning Asmussen angenommen haben?

von Bülow: Nein, denn Wasser, Werft und Schiffe sind nur das äußere atmosphärische Vehikel für die Geschichte. Die Bilder der Schiffsschrauben, in die Lisa Martinek am Anfang hineinblickt - ohne jetzt zu pathetisch zu werden - haben auch was mit Seelenzuständen zu tun.

Sie haben sich in der Vorbereitung auf die Rolle also nicht in nautischen Begriffen geübt, sondern sich eher auf den Seelenzustand eingestellt?

von Bülow: Ich glaube, dass man häufig überschätzt, welchen Beruf die Figur ausübt. Ich will nicht sagen, dass das nichts bedeutet. Aber es ist nicht, bei Henning zumindest nicht, entscheidend, dass er Schiffe verkauft. Es geht eher um die Verflechtungen in der Familie und die Entfremdung voneinander.

Wir treffen uns hier zum Interview nur wenige Wochen, nachdem die letzte Klappe gefallen ist ...

von Bülow: Im Ablauf ist das extrem ungewöhnlich. Es ist auch ein komisches Gefühl, den Film so schnell nach Abschluss der Arbeiten geschnitten zu sehen. Manchmal sieht man den fertig geschnittenen Film erst ein Jahr später. Was den Schnitt betrifft, sind wir Schauspieler ja völlig machtlos. Das Entscheidende nach Buch und Dreh ist der Schnitt, und der kann alles verändern. Wir sind dem ausgeliefert.

Wie finden Sie den so schnell geschnittenen Film?

von Bülow: Die größte Qualität ist für mich, wie spannend der Film ist. Gerade als jemand, der gar nicht so ein Thriller- und Krimifan ist. Ich finde diese Krimiwelt im deutschen Fernsehen häufig ermüdend und würde gerne öfter sagen: «Können wir mal was ohne Krimi machen?» Aber Die Schuld der Erben packt einen besonders im Mittelteil so richtig. Am Anfang sieht's fast unwirklich schön aus, aber dann wird's schnell härter. In einigen Teilen hat der Film was von diesen skandinavischen Geschichten, die sonst sonntags um 22 Uhr im ZDF gesendet werden. Die Kälte, die Kamera, die Klarheit und die Trockenheit der Figuren. Es ist keine klischierte Dynastiegeschichte und meine Rolle ist kein aalglatter, öliger Erbentyp, sondern wir zeigen zerbrochene Charaktere. Otto Sander ist kein dröhnender Patriarch, wie man sich ihn sonst vorstellt. Er spielt einen verschmitzten, fast liebevollen Mann. Das macht für mich den Reiz aus, es ist eine moderne, aufgerissene Seelenerkundungs-Geschichte.

Auch wenn Sie kein Krimifan sind, können Sie sich erklären, warum es zurzeit diese Schwemme gibt?

von Bülow: Vielleicht hat das mit der Angst zu tun, die derzeit im Fernsehen herrscht. Man setzt lieber auf das Bewährte, als Neues zu wagen. Schauspielerisch ist das Genre zweitrangig. Da zählt die Figur.

Aber Sie werden auch gern in solchen Krimis besetzt.

von Bülow: Nennen Sie mir mal deutsche TV-Schauspieler, die nicht viel in Krimis spielen. Ich habe letztes Jahr drei Tatorte gemacht, die hintereinander ausgestrahlt wurden. Seitdem habe ich das Etikett weg: Das ist der Typ, der immer im Tatort auftaucht. Andererseits ist das völlig okay. Ich spiele viele Charakterrollen und selten den, der am Ende auf dem Pferd gen Horizont reitet und die Frau abbekommt. Manchmal würde ich aber auch gerne was Anderes machen.

Was zum Beispiel?

von Bülow: Ich würde gerne mehr Charakterfiguren spielen, die auch die zentrale Figur in der Geschichte sind. Über Helden oder Leading-Man-Figuren denkt man meistens: «Ich möchte so sein wie der.» Bei Charakterfiguren ist es eher: «Der ist aber ein bisschen komisch.» Es gibt schon Geschichten, wo solche Figuren auch ein Identifikationspotenzial liefern können. Davon gibt es nicht viele pro Jahr, aber ein paar und die würde ich gern spielen. Es müssen aber nicht nur traurige oder düstere Rollen sein. Am Theater gab's früher das Rollenfach Charakterkomiker. Mit der Bezeichnung könnte ich gut leben.

2011 sind acht Filme mit Ihnen gesendet worden. Ihr erfolgreichstes Jahr?

von Bülow: Ich würde eher sagen, dass sich eine Menge Arbeit, die ich auch vorher beim Film gemacht habe, jetzt einlöst. Aber klar habe ich in den letzten beiden Jahren mehr gemacht als je zuvor. Vorher habe ich zehn Jahre eben hauptsächlich Theater gespielt, zu der Zeit übrigens auch noch mehr Heldenrollen. Aber natürlich waren die letzten zwei Jahre für mich gute Jahre.

Gab's denn auch richtig schlechte Jahre?

von Bülow: Immer wieder. Dann gibt es Zeiten, in denen man denkt: «Na, ob das so weitergeht?» So richtig darben musste ich aber Gott sei dank noch nicht. Da gibt es andere, denen es schlechter geht. Für Freischaffende geht's eben mal auf und mal ab.

Sie sind mit Lisa Martinek, die im Film Ihre Schwester spielt, gut befreundet. Gibt es negative Seiten daran, mit Freunden zu arbeiten?

von Bülow: Ich stelle es mir schwierig vor, wenn man mit jemandem zusammenarbeitet, mit dem man in einer Beziehung ist. Professionelle Auseinandersetzungen und private Gekränktheiten lassen sich nicht immer trennen. Ich frage mich manchmal bei Filmpaaren, die zusammen drehen, ob die das tatsächlich so gut hinkriegen, wie sie behaupten. Aber wenn man «nur» befreundet ist, ist es super zusammenzuarbeiten. Gewisse Schüchternheiten, die beim Spielen eigentlich hinderlich sind, fallen da einfach weg.

Henning Asmussen hat eine Verantwortung für die Werft, weil er ein Asmussen ist. Sie gehören zum Adelsgeschlecht derer von Bülow. Bringt das auch eine Verantwortung mit sich?

von Bülow: Ich weiß, dass das eine Assoziation ist, die sich aufdrängt, weil es dieses Bunte-Bild vom Adel gibt. Ich komme aus keiner Reederei und große Schlösser hat es in meinem unmittelbaren Umfeld auch nicht gegeben. Ich bin völlig normal aufgewachsen. Insofern fühle ich mich auch nicht zu etwas verpflichtet. Ich heiße nun mal «von» und das ist auch okay so. Ich trage so viel Verantwortung für mein Handeln wie jeder andere Volljährige auch.

War das schon immer so?

von Bülow: Mit 20 ging ich auf die Schauspielschule und dachte: Es kann ja wohl keine Thema sein, ob ich von Bülow heiße oder nicht. Mit dem Wissen von heute denke ich, es wäre vielleicht einfacher gewesen, das «von» wegzulassen. Denn es entsteht schnell ein Bild: «Ah, der heißt so, der ist wahrscheinlich so und so.» Bevor ich überhaupt den Mund aufgemacht oder irgendwas gespielt habe. Aber ich heiße nun mal so, das hätte ich auch blöd gefunden, das zu verstecken.

Als Vicco von Bülow vor Kurzem gestorben ist, haben Sie da als entferntes Familienmitglied oder als Fan getrauert?

von Bülow: Wir kannten uns ein ganz kleines bisschen und mir ist das natürlich nah gegangen. Ihre Formulierung «als Fan» finde ich ganz schön. Ich würde sagen, ich habe als entfernt verwandter Fan getrauert.

Der Film Die Schuld der Erben ist nach der Ausstrahlung sieben Tage lang kostenlos in der ZDF-Mediathek abrufbar.

car/zij/news.de

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