Grimm-Märchen im TV Mit Aschenputtel auf Ferkeljagd

Juliane ZiegengeistVon news.de-Volontärin
«Es war einmal ...» wird neu interpretiert. Neben Märchenfilmklassikern gibt es dieses Weihnachten gleich fünf moderne Adaptionen zu sehen, vom beliebten Aschenputtel bis zum eher unbekannten Eisenhans. News.de hat die ARD- und ZDF-Premieren für Sie bewertet.

«Es war einmal ...»
Ihr Programmguide für märchenhafte Weihnachten

Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Und deshalb gehört es schon zur Tradition, dass an Heiligabend und den Feiertagen alle Jahre wieder Neuverfilmungen der Grimm'schen Erzählungen über den Bildschirm flimmern. In der ARD-Reihe Sechs auf einen Streich sind seit 2008 insgesamt 22 liebevoll inszenierte Märchen entstanden, von denen in diesem Jahr vier neue Filme ausgestrahlt werden. Noch früher hatte das ZDF begonnen, Märchenklassiker für das Fernsehen aufzupolieren. 2005 war Rotkäppchen an der Reihe, zuletzt Aschenputtel mit Simone Thomalla in der Rolle der bösen Stiefmutter. Für 2011 entschied sich der Sender für eine weitaus unbekanntere Erzählung.

News.de hat sich die fünf Märchenpremieren der Öffentlich-Rechtlichen in diesem Jahr angesehen und für Sie ein Ranking erstellt:

Platz 1: Aschenputtel

Es zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Grimm-Märchen überhaupt. Folglich ist es ein Wagnis, die Geschichte zu verfilmen, gerade weil sie unweigerlich mit dem Kultfilm Drei Haselnüsse für Aschenbrödel verglichen wird, der auf einer tschechischen Variation des Grimm'schen Originals basiert. Dem bleibt die ARD-Verfilmung, die Das Erste am ersten Weihnachtsfeiertag um 15 Uhr zeigt, in ihren Grundzügen treu: Aschenputtel wird von ihrer Stiefmutter böse schikaniert und findet Trost am Grab ihrer Mutter, wo sie mit einer weißen Taube spricht und sich ihre Wünsche erfüllen.

Doch anders als in der Buchvorlage ist Aschenputtel hier kein schüchternes Mäuschen, sondern frech und schlagfertig. Das mag nicht jedem gefallen, funktioniert aber dank des frischen und mutigen Spiels von Aylin Tezel sehr gut. Die lernt ihren Prinzen (Florian Bartholomai) nicht erst auf dem königlichen Ball, sondern schon zuvor im Wald kennen und hält ihn fälschlicherweise für einen Jäger. Er hilft dem tollpatschigen Mädchen dabei, die entlaufenen Ferkel wieder einzusammeln, und kokettiert mit ihr beim Bogenschießen. Solche Szenen, die an das Haselnuss-Aschenbrödel erinnern, sowie die von Barbara Auer herrlich überzogen gespielte Stiefmutter ringen dem Zuschauer viele Schmunzler ab. Und auch der nötige Kitsch kommt dank des obligatorischen Happy Ends in dieser modernen Neuverfilmung nicht zu kurz.

Platz 2: Jorinde und Joringel

Die Geschichte zweier junger Liebenden eröffnet den Märchenreigen der ARD und läuft 14 Uhr am ersten Feiertag noch vor Aschenputtel im Ersten. In unserem Ranking landet Jorinde und Joringel dahinter. Das liegt vor allem daran, dass sich die beiden Hauptdarsteller hier nicht so perfekt ergänzen. Zwar gibt sich Llewellyn Reichmann alias Jorinde alle Mühe, mit Nachwuchsschauspieler Jonas Nay (Homevideo) alias Joringel mitzuhalten, doch verbringt sie die meiste Zeit damit, einfach nur zu grinsen oder erschrocken dreinzuschauen.

Mehr zu bieten hat da Nay, der als Taugenichts vom Hof seiner Liebsten gejagt wird, mit ihr in den verwunschenen Wald flüchtet und sie schließlich aus den Fängen einer verbitterten Zauberin befreien muss. Katja Flint spielt die selbstgefällige Hexe, die noch immer ihrer alten Liebe, einem von Uwe Kockisch verkörperten Raubritter, hinterhertrauert, mit gebührender Arroganz und Grazie. Wie weit die Liebe Joringels zu Jorinde geht, der für ihre Rettung sogar seine Lebenszeit aufgibt und rasend schnell altert, lässt sie genauso staunen wie den Zuschauer.

Platz 3: Die zertanzten Schuhe

Dieses ist ein eher unbekanntes Grimm-Märchen. Jeden Morgen wachen die zwölf Königstöchter mit kaputten Schuhen auf. Ihr Vater ist verzweifelt, was treiben seine Liebsten des Nachts? Ein Soldat soll das Geheimnis lüften, zur Belohnung gibt es eine der Schönen zur Gemahlin. Das Erste zeigt das Märchen am zweiten Weihnachtsfeiertag um 15.20 Uhr in einer abgewandelten Version, die daraus vornehmlich eine Liebesgeschichte macht. Inez Björg David tanzt als einzige Prinzessin nicht aus der Reihe, hat also kein Schuhproblem, bis ein Landstreicher (Carlo Ljubek) ihr den Kopf verdreht.

Ausgerechnet er soll herausfinden, was bei den zwölf Königstöchtern vor sich geht und sie verraten. Wenn nicht, droht ihm der Galgen. Die Prinzessin zeigt sich deshalb widerspenstig, kann sich dem Charme des gewitzten Puppenspielers aber nicht erwehren. Würde der sich nicht immer wieder in einen Mantel hüllen, der ihn unsichtbar macht, und den Töchtern in eine geheimnisvolle Paralellwelt folgen, könnte der Film auch als einfache, jedoch zahnlose Romanze durchgehen. Den nötigen Pepp verleihen ihm Dieter Hallervorden als grübelnder König und Andreas Schmidt als intriganter Hofmeister.

Platz 4: Die Sterntaler

Es ist das Grimm-Märchen über Nächstenliebe schlechthin: Ein kleines Mädchen, das nichts hat außer sich selbst, zieht allein in die Welt hinaus und verschenkt alles, was sie am Leib trägt, bis schließlich Sterntaler vom Himmel regnen. Einfach herzzerreißend. Meira Durand spielt die elfjährige Mina in der ARD-Verfilmung am zweiten Weihnachtsfeiertag um 14.20 Uhr wie eine ganz Große. Ihr wird sogar noch mehr als im Original abverlangt: Sie muss der Königsfamilie (Thomas Loibl und Juliane König) die Stirn bieten, um ihre Eltern aus deren Knechtschaft zu holen.

Weil die Geschichte des armen Mädchens eigentlich nur ein paar Sätze lang ist, mussten sich die Macher etwas einfallen lassen, um eine Stunde Film zu füllen. Das gelingt mit einigen Wendungen ganz gut. So trifft Mina immer wieder auf einen Halunken, gespielt von Rufus Beck, der ihr das wenige Geld aus der Tasche ziehen will. Und Tatort-Kommissar Axel Prahl hilft sie in der Rolle eines verbitterten und verlassenen Mannes dabei, wieder zu lächeln. Doch dem Mädchen als Gefährten einen sprechenden Hund namens Herr Flix an die Seite zu stellen, ist dem Film nicht zuträglich und macht allenfalls für ganz kleine Zuschauer Sinn. Warum der Vierbeiner nach Schwarzbier verlangt, bleibt ein Rätsel.

Platz 5: Der Eisenshans

Die ZDF-Verfilmung verliert im Ranking gegen die ARD-Konkurrenz. Zwar läutet Der Eisenhans die Märchenweihnacht als erste Neuverfilmung am Heiligabend um 15.30 Uhr ein, mutet dem Zuschauer mit 85 Minuten Länge aber doch etwas zu viel der Zauberwald-Mystik zu. Zumal die Erzählung auch gut in eine Filmstunde gepasst hätte. Sie beschäftigt sich mit der Mannwerdung des Prinzen Johannes, der als Achtjähriger von einem Naturgeist namens Eisenhans (großväterlich interpretiert von Michael Mendl) entführt wird und fernab der gewohnten Privilegien aufwachsen muss.

Als junger Mann (Laurence Rupp) verdingt sich Johannes mit Küchen- und Gärtnerdiensten an einem königlichen Hofe. Sein Geheimnis: Er hat einen goldenen Zeigefinger und goldene Haare, weil er es als kleiner Junge nicht lassen konnte, in den Goldbrunnen des Eisenhans' zu greifen. Die neugierige Prinzessin (Paula Schramm) ahnt, dass der verlorene Prinz kein gewöhnlicher Mann ist. Und wie zum Beweis zieht er in die Schlacht, um den bösen Schwarzen Ritter zu besiegen und das Herz der Schönen zu gewinnen. Erst dann kann er der Prinz sein, der er ist. Leider zieht sich diese Emanzipation, die im übertragenen Sinn viel an Aktualität besitzt, über den Film einfach zu lang.

Mehr Märchen, bitte!

Dennoch: Neben den bewährten Filmklassikern wie Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, Schneewittchen oder Das singende, klingende Bäumchen tut es gut, zur Abwechslung moderne Adaptionen Grimm'scher Erzählungen zu sehen. Erst recht, wenn sie mitunter so prominent besetzt und gelungen realisiert sind wie die Märchen der Öffentlich-Rechtlichen. Die ARD hat bereits eine weitere Staffel angekündigt. Zum 200-jährigen Jubiläum des Hausbuches der Brüder Grimm im nächsten Jahr soll es weitere vier Filme geben. Und was könnte nicht noch alles entstaubt werden: Schneeweißchen und Rosenrot, Die Schneekönigin, Hans im Glück und und und. Vorlagen gibt es dank der fleißigen Geschichtensammler Wilhelm und Jacob ja genug.

Wenn Sie wissen wollen, welche Märchenneuverfilmungen die Öffentlich-Rechtlichen neben den Premieren noch zeigen, klicken Sie sich durch unsere Bilderstrecke.

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cvd/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Susi
  • Kommentar 4
  • 27.12.2013 19:50

Die Erzählungen zu den Märchen und Filmen empfinde ich dieses Jahr eher als unangenehm und schalte dann lieber einen anderen Sender ein. Obwohl ich sehr gern ARD u ZDF anschaue kann man das so nicht anschauen und zuhören. Finde das sehr sehr schlecht

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  • Ich
  • Kommentar 3
  • 26.12.2011 12:44

Nein, ich möchte die alten Märchen zurück

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  • Wahrheit
  • Kommentar 2
  • 26.12.2011 12:42

Auch ist die Härte von damals nicht mehr vorhanden. Der König z.b ( in vielen neuen Märchen ) ist leider nicht mehr Streng und Habgierig sondern mittlerweile Irre, Gutmütig oder süchtig nach Karpfen..... Also ich weiß nicht was sich die Autoren dabei gedacht haben....

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