«Die Trixxer» Robin Hood mit blondem Haar

Vier charmante Gauner berauben Reiche und geben die Beute an Menschen in Not weiter. Klingt nach Robin Hood, heißt aber Die Trixxer. Und die Akteure laufen nicht in Strumpfhosen herum. Wenn es dem Publikum gefällt, macht RTL sogar eine Serie daraus.

Der Zuschauergeschmack kann bisweilen unberechenbar sein. So manche Serie, die von den Sendern mit großen Erwartungen entwickelt und ins Programm gehoben wurde, versackte bereits mit der ersten Folge im Quotentief. RTL ist deshalb dazu übergegangen, von neuen Serienkonzepten erst einmal einen 90-minütigen Pilotfilm zu produzieren und die Publikumsreaktionen abzuwarten, bevor das Projekt tatsächlich in Serie geht.

Im vergangenen Herbst testete der Kölner Privatsender so gleich zwei neue Formate - mit unterschiedlichen Ergebnissen: Der Actionfilm World Express kam nicht so gut an. Also wird aus dem Stoff keine Serie. Besser lief, trotz ungünstigen Sendedatums und ziemlich dämlichen Titels, K1 - Touristen in Gefahr. Aus dieser Vorlage entstehen wenigstens vier 45 Minuten lange Folgen.

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Heute Abend folgt nun der dritte Streich: Ab 20.15 Uhr müssen sich Die Trixxer 90 Minuten lang bewähren. Ein erster 45-Minüter, noch in Duden-gerechter Trickser-Schreibung, war bereits 2008 gedreht und intern getestet worden. Darauf beschloss man bei RTL: Riskieren wir einen Piloten dieser möglichen Krimiserie «mit hohem Spaßfaktor». Obwohl die Grundkonstellation gar nicht so spaßig ist.

Gauner legen Gauner rein

Die Heldin Maja, gespielt von der einstigen Großstadtrevier-Kommissarin Anja Nejarri, bekommt jedenfalls das kalte Kribbeln, wenn sie von Großgaunereien erfährt, an die das Gesetz nicht so recht herankommt. «Das kann ich privat gut nachvollziehen», sagt die Schauspielerin. «Da packt mich in solchen Fällen ebenfalls die kalte Wut.»

In Die Trixxer nutzt ein vierköpfiges Team ausgebuffter Gauner sein kriminelles Handwerk, um in Robin-Hood-Manier notleidenden Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen. In dem von Dennis Satin inszenierten Pilotfilm soll einer Gruppe Senioren geholfen werden, die ein gleichermaßen windiger wie finsterer Immobilienhai (Markus Boysen) um drei Millionen Euro gebracht hat.

Im Mittelpunkt steht die einstige LKA-Mitarbeiterin Maja, die inzwischen ihre eigene Firma gegründet hat und in immer neuen Verkleidungen brilliert. «Ein Fressen für jede Schauspielerin», sagt Darstellerin Anja Nejarri. An ihrer Seite: Majas Vater (Reiner Schöne), eigentlich selbst ein Edelganove, den die Tochter auf den halbwegs rechten Weg zurückgeführt hat, der nicht ganz durchsichtige Coffee-Bar-Besitzer Sebastian (Gregor Törzs), an dessen breiter Schulter Maja vielleicht mal ihr erschöpftes Köpfchen legen könnte, sowie als naseweiser Spaßmacher der Youngster Len (Mirko Lang).

Gewisse Grenzen will man bei diesem wie in nächsten möglichen Fällen allerdings wahren: «Ein Medikamentenbetrug, bei dem Menschen zu Schaden kommen, wäre zum Beispiel kein für unsere Serie geeigneter Fall», sagt Produzent Jan Richard Schuster. So laute der Grundsatz der Serie: Diese «Gauner legen Gauner herein»-Geschichten müssen immer auch heiter, mit einem Schuss burlesker Komik zu erzählen sein.

Gedreht werden diese in Berlin, und das in feinster Umgebung. Denn «die wahren großen Gauner sind eben nicht die Hütchenspieler auf der Straße. Die finden sich eher in Chefetagen und Nobel-Salons», betont Schuster. Eine Pointe der Besetzungsliste in dieser ersten Geschichte: Christoph Wackernagel. Einst RAF-Mitglied, dann Schauspieler und bei RTL der reaktionäre, verbiesterte Polizist in Abschnitt 40. Hier tritt er als zerzauster alter Friedenskämpfer auf, der im Trixxer-Spiel ausgerechnet einen Bundeswehr-Oberst mimen und am Ende sich wie anderen eingestehen muss: «Es hat Spaß gemacht.»

Tatsächlich gelingt es dem Trixxer-Team, dem heimlichen Waffenschieber Brahms eine Luxusyacht anzudrehen, die sich dann aber als ein schrottreifer Klapperkahn entpuppt. Diese Schmach will der Geschäftsmann nicht auf sich sitzen lassen, und so müssen die Trixxer nicht nur um ihr Leben fürchten, sondern ihren Widersacher ein weiteres Mal übers Ohr hauen.

Ein Paris-Hilton-Double als lebender Blondinenwitz

Wer sich in der angloamerikanischen Serienlandschaft ein wenig auskennt, wird in dieser Krimikomödie so manche Anleihe wiedererkennen. Etwa bei der BBC-Reihe Hustle - Unehrlich währt am längsten oder der US-Produktion Leverage. Dass geschicktes Klauen auch eine große Kunst sein kann, beweist also nicht zuletzt die Trixxer-Crew selbst.

Wenn man an das Tempo, den Witz und Esprit der Serienvorbilder denkt, wirkt Die Trixxer allerdings wie ein recht fades, lahmes und letztlich auch sehr biederes Plagiat. Hip und originell geht anders. Und auch wenn man von den logischen Löchern in der Story einmal absieht, mag sich weder wirklich Spannung aufbauen, noch will man über die Späßchen tatsächlich lachen.

Höhepunkt des flachbrüstigen Humors: Ein Paris-Hilton-Double (Anna Julia Kapfelsperger) stöckelt als lebender Blondinenwitz samt Schoßhündchen durch die Handlung. Das wäre auch schon vor drei Jahren nicht mehr komisch gewesen, als Die Trixxer erstmals von RTL in Angriff genommen wurde. Zudem wusste Regisseur Satin vom Schauplatz Berlin nur allzu bekannte Klischee-Stadtansichten einzufangen. Ob die Produzenten damit vielleicht aber genau den Geschmack der Zuschauer getroffen und einen neuen Serienhit geschaffen haben? Die Quoten werdenzeigen.

Persiflage
Der typische Tatort in 123 Sekunden
Video: youtube.com/user/walulissiehtfern

Titel: Die Trixxer
Regie: Dennis Satin
Darsteller: Reiner Schöne, Anja Nejarri, Mirko Lang, Gregor Törzs, Markus Boysen
Sendetermin: Donnerstag, 29. Dezember 2011, 20.15 Uhr, RTL

wie/kat/news.de/dpa/dapd

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