Das «Tatort»-Jahr 2011 Sexy, irre und verdammt blutig

Das Jahr geht zu Ende, die ARD-Krimireihe bleibt in Bewegung: News.de präsentiert den irrsten, sexiesten und blutigsten Tatort des Jahres. Und verrät, welche Kommissare es demnächst mit Mord und Mobbing zu tun haben.

Tatort - Der Tote im Zug (Foto)
Ein sexy Team: Die neuen Frankfurter Kommissare Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król). Bild: dpa

Wer Krimis liebt, wird im deutschen Fernsehen gut bedient: Allein der Tatort lief im fast abgelaufenen Jahr 36 Mal, berücksichtigt man nur die Erstausstrahlungen der ARD-Krimireihe. Und kein anderes Format bescherte dem Senderverbund 2011 so hohe Quoten wie der Mord zum Sonntag. Sogar ein Rekord wurde aufgestellt: Die Münsteraner Tatort-Folge Herrenabend des Westdeutschen Rundfunks (WDR) war mit 11,79 Millionen Zuschauern die meistgesehene Episode der Reihe seit 18 Jahren.

Axel Prahl als Hauptkommissar Frank Thiel und Jan Josef Liefers als Gerichtsmediziner Karl-Friedrich Boerne, beide von den news.de-Usern gerade zu den besten Kommissaren gewählt, belegen in der Hitliste der meistgesehenen Tatort-Folgen nicht nur den ersten, sondern auch den zweiten Platz: Für ihr mit Kalauern gespicktes Spiel in Zwischen den Ohren begeisterten sich 10,4 Millionen Zuschauer. Auf Rang drei folgen die Stuttgarter Ermittler Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare), die mit der Folge Das erste Opfer 9,66 Millionen Zuschauer in ihren Bann zogen.

«Tatort»-Ranking: Die Hitliste der Ermittlerteams
zurück Weiter Rechtsmediziner Prof. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) und Hauptkommissar Frank Thiel (Axel (Foto) Zur Fotostrecke Foto: Bild: WDR/Michael Böhme

Und es gab weitere Superlative: So adelte die Bild-Zeitung die Folge Das Dorf des Hessischen Rundfunks (HR) mit der Schlagzeile «Der irrste Tatort aller Zeiten». Wie auch immer: Die Episode mit dem an einem Gehirntumor leidenden Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) hob sich ab vom üblichen TV-Krimi-Einerlei. Das gilt auch für das zweite HR-Team Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król), das seine Feuertaufe mit Bravour bestand. Und das lag nicht nur an den offenherzigen Auftritten von Kunzendorf.

Persiflage: Der typische Tatort in 123 Sekunden
Video: youtube.com/user/walulissiehtfern

Verlogen und abgründig

Wäre der Titel «intelligentester Tatort» zu vergeben, dann hätte ihn sicherlich das Team vom Bodensee mit der Folge Im Netz der Lügen verdient. Die Episode «rückte das Lügen in ein neues Licht», schrieb news.de-Rezensent Christian Vock. «Hier ging es nicht nur um die Frage, wer es denn war – darum natürlich auch –, sondern vor allem um das, was das Lügen ausmacht: um die Unsicherheit, um den Genuss daran, um das Belogenwordensein und um die Angst, dass einem nicht geglaubt wird.»

Den spannendsten und wohl auch blutigsten Fall lieferten der Kieler Kommissar Klaus Borowski, also Axel Milberg, und seine neue Kollegin Sarah Brandt, also Sibel Kekilli. Die «abgründige, ausgefuchste Geschichte» nach Henning Mankell war für news.de-Redakteur Cord Krüger sogar «der Tatort des Jahres».

Doch nicht allen gefällt der sonntägliche Krimi: «Eines geht mir aber wirklich auf die Nüsse: diese Tatort-Sache», schimpfte neulich die TV-Moderatorin und Autorin Sarah Kuttner im Magazin Der Spiegel. «Das ist das neue Ding, was wir coolen Leute seit einiger Zeit schauen müssen. Eine Art neue Spießigkeit. Ich finde diese Krimis furchtbar altbacken und öde. Nichts ist schlimmer als der Satz: Der beste Tatort ist der Münsteraner.»

Klischees und stereotype Ermittler

Auch in der neuen Tele-5-Satiresendung Walulis sieht fern nahmen sich die Macher gleich zu Beginn «den typischen Tatort» in 123 Sekunden vor. Mit allen Klischees: verkrampfte Sozialkritik, die üblichen Verdächtigen («Verbindungen in die Politik, skrupellos, geldgeil») und natürlich die Autofahrten vorbei an Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Stadt, damit man auf jeden Fall sieht, wo der Krimi spielt. Nicht zu vergessen: stereotype Ermittler, die charakterlich möglichst gegensätzlich sind, damit in jeder Folge Streit, aber auch Spaß aufkommt.

Flott zum «Tatort»: Auf diese Automarken setzen die Kommissare

Doch der nächste Tatort kommt bestimmt – und zwar schon am Neujahrstag. Dann haben es die beiden Ludwigshafener Kommissare Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Mario Kopper (Andreas Hoppe) mit Mord und Mobbing in einer Fleischfabrik zu tun. Zudem stehen neue Ermittler in den Startlöchern: Til Schweiger wird demnächst in Hamburg ermitteln und ersetzt den Undercover-Bullen Cenk Batu (Mehmet Kurtulus), die Saarbrücker Kommissare Stefan Deininger (Gregor Weber) und Franz Kappl (Maximilian Brückner) machen nicht ganz freiwillig Platz für Devid Striesow und Elisabeth Brück und in Dortmund zieht mit Jörg Hartmann, Anna Schudt und Aylin Tezel ein völlig neues Team ein. Dann wird es 18 Einsatzorte in Deutschland geben und wohl auch entsprechend mehr neue Folgen, Superlative und Rekorde.

Eines wird den aktuellen Ermittlern jedoch nicht gelingen: einen 34 Jahre alten Quotenrekord zu brechen. Den hält die Tatort-Folge Rot – rot – tot inne, die bei ihrer Erstausstrahlung am Neujahrstag 1978 sage und schreibe 26,57 Millionen Zuschauer hatte, was heute angesichts der privaten Konkurrenz nicht mehr zu toppen ist. Die Episode hat aber noch einen anderen Rekord aufgestellt: Sie ist diejenige Folge der Krimireihe, die nach Angaben der Fan-Website tatort-fundus.de am meisten wiederholt wurde. Am 27. Dezember zeigt der Südwestrundfunk (SWR) die neunte Wiederholung und insgesamt die zehnte Ausstrahlung des Krimis, der zuletzt im Jahr 2002 zu sehen war.

Christian Berkel mit vollem Haar

Die Episode ist durchaus sehenswert – vor allem für jene, die den Chic der 1970er Jahre mögen. Zudem bietet dieser Tatort die Gelegenheit, den 1982 verstorbenen charismatischen Filmstar Curd Jürgens wieder zu sehen. Er spielt darin einen vornehmen Versicherungsmathematiker, der verdächtigt wird, rothaarige junge Frauen ermordet zu haben. Wenige Monate zuvor hatte Jürgens im Kino brilliert, als Bösewicht im James Bond-Film Der Spion, der mich liebte.

Seinen alkoholkranken Sohn spielt übrigens Christian Berkel, der damals gerade 20 Jahre alt war und eine lange braune Mähne hatte. Heute ist er kahlköpfig und frisch verheiratet mit Schauspielerin Andrea Sawatzki, die in 18 Fällen zwischen 2002 und 2010 die Frankfurter Tatort-Kommissarin Charlotte Sänger mimte.

Der Südwestrundfunk (SWR) wiederholt die Tatort-Folge Rot - rot - tot aus dem Jahr 1978 am Dienstag, 27. Dezember 2011, um 20.15 Uhr. Die nächste Tatort-Erstausstrahlung folgt am Neujahrstag, 1. Januar 2012, um 20.15 Uhr mit der Ludwigshafener Folge Tödliche Häppchen.

wam/news.de/dpa

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Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Langweiler
  • Kommentar 5
  • 23.01.2012 22:42

Na dann, Ihr "Kommentatoren 1+2+3", erzählt uns impotenten TATORT Langweilern was es so in der ersten Reihe zu schauen gibt! Dschungelcamp, Bohlen, Wetten dass, Inga Lindström, Germanys Next Topmodell oder Bundesliga?! Eventuell hochintellektuellen Ami-Müll?!? Was ist denn bitteschön noch besser als der "scheißdreck" Tatort? Ah ja, sicher - Sieben Tage Sex... Am 8ten Tag ARTE und ZDF Kultur! Viel Spaß!

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  • Hägar
  • Kommentar 4
  • 28.12.2011 10:39

Ha Ihr Schlaumeier und Besserwisser, zuerst gucken und dann "intelligente" Kommentare abgeben.

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  • EKEL
  • Kommentar 3
  • 27.12.2011 19:43

TATORT ist was für verklemmte, verbockte, erbärmliche Spießer mit ihren Ehefrauen. Wenns im Bett nicht geht, kommen sie vorm Tode gemeinsam zum Höhepunkt. Schuld ist ein Anderer, nicht Impotenz und Frigidität ...Gute Nacht ! Lecker ! Passt so...

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