Leo Rojas Von der Fußgängerzone zu Bohlens «Supertalent»

Das Supertalent (Foto)
Panflötist Leo Rojas ist Supertalent 2011. Bild: RTL/Stefan Gregorowius

Juliane ZiegengeistVon news.de-Volontärin
42.000 Kandidaten, unzählige Castings und drei langatmige Liveshows hat es gebraucht, um Das Supertalent 2011 zu finden. Ausgerechnet Panflötist Leo Rojas ist es geworden. Doch weder sein Auftritt noch der Finalabend können wirklich begeistern.

Im RTL-Castingkosmos nichts Neues: Auch die fünfte Staffel von Das Supertalent gewinnt ein Musiker. Nach Tenor Ricardo Marinello, Mundharmonika-Spieler Michael Hirte und Sänger Freddy Sahin-Scholl hat sich in diesem Jahr der Ecuadorianer Leo Rojas mit seiner Panflöte den Titel geholt. Nur 2009 war es einem Nicht-Musiker gelungen, die Siegesprämie von 100.000 Euro einzustreichen. Damals gewann Dompteur Yvo Antoni mit Hündin PrimaDonna.

Und damals, ja, da war auch noch vieles besser. Denn das diesjährige Supertalent-Finale, das laut Juror Dieter Bohlen das «fantastischste» und «geilste» werden sollte, ist eine zähe Veranstaltung. Von den zehn zur Wahl stehenden Kandidaten liefern die Sänger im Vergleich zu anderen derzeit sehr erfolgreich laufenden Musikcastingshows eher durchschnittliche Leistungen ab, zwischen die sich mal mehr und mal weniger sehenswerte instrumentale, akrobatische und tänzerische Acts mischen. Zumal man einige von ihnen schon deutlich besser erlebt hat.

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Ohne ihnen Unrecht tun zu wollen, stellen sich beim jeweils dritten Auftritt der Finalisten nach Casting und Halbfinale mitunter immense Ermüdungserscheinungen ein, die durch die gefühlt hundert Schnelldurchläufe und Votingaufrufe nur noch verstärkt werden. Hinzu kommt eine Jury, die alle Darbietungen fast ausnahmslos über den grünen Klee lobt, und ein Marco Schreyl, der einmal mehr unter Beweis stellt, dass er keine guten Interviews führen kann oder will.

Punk Perreten verliert die Nerven

Einziges, wenn auch trauriges Highlight, ist der Auftritt des Schweizers Jörg Perreten. Der Punk mit Irokesenschnitt spielt am Klavier eine eigene Version von Nothing Else Matters von Metallica. Das hätte groß werden können, endet jedoch in einem Totalausfall. Was man beim ersten Verspieler noch als Ausrutscher abtun oder als beabsichtigte Dissonanz hätte wahrnehmen können, wiederholt sich leider so oft, dass man vor lauter Mitleid gar nicht mehr hinhören und -sehen möchte. Dem sichtlich immer nervöser werdenden Perreten hilft da selbst unterstützender Zwischenapplaus aus dem Publikum nicht.

Von Bohlen gibt es dann - zwar berechtigt, aber unschön verpackt - derbe Kritik: «Sowas hat im Finale nichts zu suchen. Du warst echt schlecht.» Der Kandidat rennt daraufhin von der Bühne, noch bevor Co-Moderator Daniel Hartwich seine Telefonnummer abspulen kann. Ob übertrieben oder nicht - im Vergleich zum sechsjährigen Ricky Kam, der ebenfalls aus der Schweiz kommt und mit seinem Klavierspiel am Ende Platz drei macht, war Perretens Auftritt tatsächlich äußerst durchwachsen.

Das trifft auch auf den gesamten Showabend zu. Der gipfelt darin, dass Charly, «der süßeste Affe der Welt», das Publikum die letzten zehn Minuten bespaßen soll. Schon in den Castings war er mit Trainerin Nicole aufgetreten und hatte eine Banane verdrückt. Das tut er aufs Neue. Was das soll? Keine Ahnung. Die Zeit bis zur Entscheidung verkürzt sich dadurch jedenfalls nicht merklich, genauso wenig wie die Lobhudeleien von Schreyl und der Jury auf die Kandidaten. Letztere sieht Sänger Sven Müller und Panflötist Leo Rojas vorn.

Nach dem Supertalent ist vor DSDS

TV-Quoten

Dieser macht schließlich das Rennen und kann sich dank RTL nun ein Haus in seiner Heimat leisten. Auf der Bühne gibt es auch eine Umarmung von Michael Hirte, der es aus ähnlich bescheidenen Verhältnissen vom Straßenmusiker zum Supertalent 2008 schaffte und den mittlerweile fünffach Platin dekoriert. Wie damals mit der Mundharmonika dürfen wir uns bald wohl auf ein Revival der Panflöte in deutschen Fußgängerzonen gefasst machen.

Den RTL-Zuschauern bleibt indes nicht viel Zeit zur Regeneration vom Castingmarathon. Schon am 7. Januar 2012 beginnt die neue Staffel Deutschland sucht den Superstar, die passenderweise in den Werbepausen des Supertalent-Finales angeteasert wird. Dann gibt es neue Peinlichkeiten, Bohlen-Sprüche und Talente - oder das, was RTL als solche bezeichnet. Bis dahin dürfte auch Leo Rojas Single und Album herausgebracht haben und im Schwesterformat vorstellen können, um noch einmal 15 Minuten Ruhm zu tanken. Die Halbwertszeit vieler Castingsieger ist ja bekanntermaßer kurz.

Bestes Zitat: «Ich bin sehr guter Dinge, denn das wird heute Abend der Höhepunkt des RTL-Fernsehjahres.» (Daniel Hartwich)

Die Finalshow zum Nachschauen gibt es hier.

cvd/news.de

Leserkommentare (42) Jetzt Artikel kommentieren
  • memed sejfula
  • Kommentar 42
  • 24.03.2012 23:31

ja er hat es werdint zu gewonnen und ich glaube das er seine rechte in deuschland bekommen darf ja er ist deushlands supertalent also nicht das er fans fon deutschland hat ich selber komme aus macedonien und habe alle auftrite fon in gesehen also spitze danke

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  • Czabla
  • Kommentar 41
  • 25.12.2011 16:43

Hat wenigstens kein Reichen getroffen !

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  • cora
  • Kommentar 40
  • 21.12.2011 11:30

Die beste Leistung hat meiner Meinung nach die italienische Sängering Desiré erbracht. Das Panflöten- Gedudel kann man doch in jeder Fussgängerzone hören.....

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