«The Voice» Nena zwingt die eine und nimmt dann die andere

Also doch nicht nur Ponyhof? So unglaublich talentierte Talente, so couragierte Coaches, so phantastisches Publikum. Ja, bei The Voice of Germany ist alles irre Friede, Freude, Eierkuchen. Wirklich?

«The Voice of Germany»  (Foto)
Nena sorgte für eine Entscheidung, die nicht so durchschaubar und nachvollziehbar war, wie all die anderen an diesem Abend. Bild: dpa

Das Ganze erinnert sehr an die niedlichen Seelöwen im Zoo, wenn Fütterungszeit ist und ihnen der Fisch zugeworfen wird. Sie klatschen wie wild mit ihren Flossen und fordern mehr. Mehr! Mehr! Noch mehr! Bei Deutschlands kuscheligster Castingshow, bei The Voice of Germany, ist es fast genauso. Die Coaches, Xavier Naidoo, Nena, Rea Garvey und The BossHoss, kriegen gar nicht genug von ihren tollen Kandidaten. Lobhudelei von allen Seiten - übereinander, miteinander, von einander, für einander.

Ach, wie freundlich Fernsehen doch sein kann. Das würde den Zuschauern allerspätestens nach drei Sendungen wahrscheinlich sehr auf die Nerven gehen.  Dieses kuschelwuschelweiche Du-bist-so-toll-Entertainment wäre auf Dauer einfach nur öde. Auch in der zweiten Battleshow herschte Freundlichkeit  - aber zum Glück haben sich die Macher nun wohl doch entschieden, einen Weichspülgang zurück zu schalten. 

«The Voice of Germany 2011»: Echte Talente und blinde Juroren

Xavier Naidoo als Weichspüler

Acht Duelle waren zu singen, die Coaches mussten sich je zweimal gegen einen ihrer Kandidaten entscheiden. Und natürlich haben sich Nena, Xavier Naidoo, The BossHoss und Rea Garvey auch diesmal wieder «unfucking fassbar» (Rea) schwer getan, als es ans Entscheiden ging. Xavier Naidoo holte aus dem Duell Katja Friedenberg versus Julius Olschowski die Frauenstimme in die nächste Runde. Nach dem Duett von Stefan Zielasko und Rino Galiano sprach er «Ihr seid beide eine Ohrenweise» und entschied sich für Kandidat Rino. Nein, Xavier Naidoo läuft doch noch auf Weichspüler-Hochtouren.

Wenigstens sorgte Nena für eine Entscheidung, die nicht so durchschaubar und nachvollziehbar war, wie all die anderen an diesem Abend. Es war Battle-Zeit zwischen Lisa-Martine Weller und Marijana Vuckovic.

Die Königin der Neuen deutschen Welle hatte zuvor Nina Kutschera in die nächste Runde und Leslie Jost nach Hause geschickt. Nun hatte sie also zwischen Lisa-Martine und Marijana entscheiden. Die beiden Damen sollten Another Way to Die von Alicia Keys und Jack White singen. Und beide sollten dazu Klavier spielen. Für Lisa-Martine kein Problem. Sie begleitete sich schon während der Blind Auditions selbst mit dem Klavier.

«Du musst aber»

Für Marijana scheint Nenas Wunsch eine Nummer zu groß. Es ist immerhin vier Jahre her, dass sie Klavier gespielt hat. «Ich fühle mich unwohl damit und möchte nicht dazu Klavier spielen», bat sie Nena. Aber die blieb hart: «Du musst aber.» Es werde ihr eine Menge bringen. 

Nena behielt Recht. Marijana spielte und sang hervorragend. Sie ist über sich hinaus gewachsen. Großartiger Auftritt. Nena lobt sie über die Maßen, sie sei ja so stolz auf Marijana - und schickt sie dann nach Hause. Lisa-Martine Weller ist eine Runde weiter. Hoppla. Nicht nett, aber sehr unterhaltsam.

Auch bei Rea Garvey lief diesmal nicht alles ganz nach Plan: Er hatte einen offenbar zu schwierigen Song für seine beiden jüngsten Kandidaten Heiko Schmidt und Lena Sicks ausgesucht. Sie sollten Oh Jonny von Jan Delay singen. Und wo ist das Problem? Ach wie niedlich! Die beiden brachten es einfach nicht übers Herz, folgenden Text zu singen: «Ey gib’n Fick, Alder! Mach Geld. Klau Ideen, piss im steh’n, trag Pelz! Nenn meine Mudder eine miese Schlampe.»  Warum beschweren die sich denn? Ist ja immerhin kein Bushido.

Aber Rea kann’s nicht wie Nena und zwingt seine Kandidaten zu gar nichts. Er bietet ganz freundlich einen anderen Song an. Ja, mit Eisberg von Andreas Bourani sind die beiden Teenies dann sehr zufrieden. Also eindeutig doch Ponyhof und kein Ponyschlachthof. 

Ja, The Voice ist mit Abstand die fairste und liebreizendste Castingshow im deutschen Fernsehen. Aber das ist überhaupt nicht schlimm. Starke Sänger, fairer Umgang und spannende Entscheidungen. So stimmt die Mischung.

Sie haben die zweite Battleshow verpasst? Hier gibt es die Sendung zum Nachschauen.

cvd/news.de

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Leserkommentare (6) Jetzt Artikel kommentieren
  • SonyaFan
  • Kommentar 6
  • 17.12.2011 17:24

Diese ganzen Shows gehen einem so langsam auf den Geist.Das Fernsehen ist schon lange nicht mehr das was es sein soll.Waren das noch schöne Zeiten als Serien liefen statt solch gequirlten Mist.Heute ist für mich der Fernseher mehr da um auszuschalten als einzuschalten.Sorry aber das ist leider so.Und mit der Lautstärke sowieso.Warum bis August warten bevor die mit der Sch... aufhören dass die Werbung immer so brüllen muss.Nein schönes Fernsehen war einmal.Man kann nur hoffen dass mal ein Chef den Mut hat und zu seinen Wurzeln zurück findet.

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  • der Seher
  • Kommentar 5
  • 17.12.2011 15:54

Auf alle Fälle wird hier ein Geschäft eher mit Qualität als mit peinlichen Darbietungen gemacht. Muss ja nicht immer sein, dass unsere Unterhaltung nur aus "unter die Gürtellinie gehenden Sprüchen" besteht. Es gibt eine Menge Leute, die mit guter Musik besser bedient sind und sich dabei gut fühlen.

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  • Buntstift
  • Kommentar 4
  • 17.12.2011 15:14

Muss man alle Entscheidungen "nachvollziehen" können? Es singen Menschen und es entscheiden Menschen! Solange der Stil dieser Castingshow dermaßen fair ist und die Kandidaten in einer handvoll Sendungen mehr Qualität zeigen, als Bohlens "Superstars" in allen Staffeln, ist das für den Zuschauer ein Grund wieder einzuschalten. Mich wundert es, wieviel Leute aller Altersgruppen um mich herum über diese Sendung reden - und das durchweg positiv. Da sollten sich ähnliche Sendungen mit ausgesuchten Sing-Sang-Kandidaten und Feuerwerkskörpern in den hinteren Extremitäten eine Scheibe abschneiden.

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