Senta-Berger-Film Der Mord bleibt ungesühnt

ARD-Film "In den besten Jahren" (Foto)
Senta Berger spielt in dem TV-Film In den besten Jahren die Witwe eines RAF-Opfers. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Grandiose schauspielerische Leistung von Senta Berger: Im TV-Drama In den besten Jahren spielte sie gestern die Witwe eines Polizisten, der von einem RAF-Terroristen erschossen wurde. Der Film hat ein reales Vorbild.

Für die Bild-Zeitung ist sie die «Königin des deutschen Fernsehens»: Senta Berger, die vor zwei Jahren mit Frau Böhm sagt Nein den wohl besten TV-Film zum Thema Wirtschaftskriminalität in Deutschland vorgelegt hat und dafür den Grimme-Preis und den Bayerischen Fernsehpreis als beste Schauspielerin bekam. Die in der Krimireihe Unter Verdacht (die nächste Folge läuft am Freitag, 16. Dezember, 20.15 Uhr, bei Arte) unter anderem die mörderischen Missstände bei der europäischen Grenzsicherung aufgedeckt hat. Und die gestern Abend im Drama In den besten Jahren eine Frau spielte, die die Trauer um ihren Mann selbst nach 40 Jahren nicht bewältigen kann und deren Geschichte belegt, dass das Kapitel Rote Arme Fraktion (RAF) für die Angehörigen der Opfer dieser linksextremistischen terroristischen Vereinigung längst noch nicht beendet ist.

Senta Berger
Vom sexy Fräuleinwunder zur Grande Dame
Senta Berger (Foto) Zur Fotostrecke

Senta Berger spielt in dem Film Erika Welves, die Witwe eines Polizisten (Matthias Koeberlin), der, so gab es das Drehbuch des Autors und Regisseurs Hartmut Schoen vor, zu Anfang der 1970er Jahre von einem RAF-Terroristen bei einer Personenkontrolle kaltblütig erschossen wird. Den Mord auf der Landstraße zeigte eine der ersten Szenen des Films in der Rückblende, die Haupthandlung war im Hier und Heute angesiedelt.

Die Zeit ist stehengeblieben

Für die Witwe des Opfers ist die Zeit aber just in dem Moment stehengeblieben, als ihr die Todesnachricht überbracht wurde. Unerträglich und irreal erscheint ihr das Leben, selbst 40 Jahre nach der Tat, über die sie nie hinwegkam, die sie unverschuldet ereilte. Und dann musste sie auch noch erleben, dass der Mörder ihres Mannes als Kronzeuge gegen seine ehemaligen Kumpanen Haftverschonung und eine neue Identität erhielt. «Der war dann frei und hat doch meinen Mann getötet», sagt Erika Welves in einer beklemmenden Szene des Films. «Der hat auch noch Geld bekommen, um ein neues Leben beginnen zu können. Um sich zu schützen von seinen Ex-Kumpanen von der RAF - und vor Ihnen», erzählt der Journalist (Felix Eitner), der ihre Geschichte öffentlich machen will.

Vorbild für den Terroristen des Films ist jener aller Wahrscheinlichkeit nach bis heute unter anderem Namen lebende Gerhard Müller, der am 22. Oktober 1971 in Hamburg den ersten Polizistenmord der RAF beging. Das Opfer war Norbert Schmid, der nur 32 Jahre alt wurde. Müller sagte nach seiner Festnahme gegen Andreas Baader und Gudrun Ensslin aus und wurde dafür ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen, den juristischen Vorläufer der Kronzeugenregelung. Diese wurde erst 1989 als Gesetz eingeführt, 1999 beendet und 2009 in anderer Form erneut eingeführt. Danach können Straftäter auf Strafmilderung hoffen, wenn sie erheblich zur Aufklärung von Straftaten beitragen oder neue Verbrechen durch ihre Aussagen verhindert werden.

Müller kam nach sechseinhalb Jahren vorzeitig aus dem Gefängnis frei, bekam neue Pässe und angeblich auch ein Startkapital in Höhe von 500.000 Mark für eine Existenz in den USA. Er soll laut einer Aussage seiner früheren Strafverteidigerin Leonore Gottschalk-Solger aus dem Jahr 2007 inzwischen tot sein, vermutlich hat er Selbstmord begangen.

Es gab V-Leute in der RAF

Senta Berger bekennt im ARD-Interview zum Film, dass sie sich um «das Schicksal der sogenannten kleinen Leute», die «der RAF zum Opfer» fielen, «nur am Rande» gekümmert habe: «Wir kannten keinen Lebensweg, keine Lebenssituation der Ermordeten.» Vieles aus der RAF-Zeit sei noch nicht aufgearbeitet. «Fast keines der RAF-Mitglieder wurde des Mordes überführt, sondern nur wegen Mittäterschaft verurteilt. Manche Akten waren verschwunden, von anderen Seiten herausgerissen oder geschwärzt; wir wissen, dass es V-Leute in der RAF gab», sagt die 70-jährige Schauspielerin im Interview mit Spiegel Online.

Berger sieht «einen traurigen aktuellen Bezug» und verweist auf «frappierende Mängel in der Verfassungsschutzarbeit, die jetzt bei den Untersuchungen zur Zwickauer Zelle offenbar werden». Spiegel Online sagt sie: «Ob der linksradikale Untergrund von einst oder der rechtsradikale der Gegenwart - hier wie dort gab es offensichtlich den Einsatz von V-Leuten, der der lückenlosen Aufklärung im Weg steht. Dass der Staat auch Drecksarbeit machen muss, ist mir klar. Aber hier tun sich doch Dimensionen auf, die mich zweifeln lassen. Das macht mich wütend. Ich will dem Staat, den ich liebe, trauen können.»

cvd/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • jotis
  • Kommentar 1
  • 15.12.2011 19:29

Da hat die Berger ja sooo Recht. Mir geht es gar nicht um den Staat, den ich liebe,(sowas gibt's nicht); ich wünsche solches Vertrauensverhältnis schon zu dem Staat, in dem ich lebe. Sonst müsste man ja dauernd hinter-sich-sehen üben. Aber da ist diese BRD restlos überfordert, denn sie ist ja vom ersten Tag an auf "Verarsche" (der Nicht-NS-Unterstützer) aufgebaut. Schließlich muß sich ja irgendwer mit dem dreckigen Wasser waschen lassen, wenn es Konrad Adenauer (nach eigener Aussage) mangels sauberen Wassers nicht weggegossen hat.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
Schauspielerinnen
NENNEN SIE UNS IHREN LIEBSTEN TV-STAR

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige