«Zeiten des Aufruhrs» Gefangen im Ehemief

Zeiten des Aufruhrs (Foto)
April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) sind nur scheinbar glücklich. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Michael Heinrich
Kate Winslet und Leonardo DiCaprio sind dort angelangt, wo sie nie hinwollten: in einem tristen Ehealltag. Pro7 zeigt das großartige Melodram Zeiten des Aufruhrs jetzt erstmals im deutschen Fernsehen.

Abgesoffen ist die Romantik. Die Beziehung zwischen April (Kate Winslet) und Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) ist eine leere Hülle, aufrecht gehalten durch Zwänge und Erwartungen der Gesellschaft. Dabei waren sie etwas Besonderes, als sie, frisch verheiratet, das schöne weiße Haus auf dem sanften grünen Hügel in der Revolutionary Road - so lautet der englische Originaltitel - bezogen. Jeder merkte das sofort.

Die großen Pläne ihrer Jugend sind jedoch längst nichts mehr als ein ferner Traum. Frank arbeitet als Vertreter in einem Job, den er hasst. April kümmert sich um die Kinder. Sie trinken Kaffee mit den Nachbarn, führen ein Leben ohne Höhepunkte, während die Beziehung immer neue Tiefpunkte erreicht. Hoffnung flackert auf, als April den Vorschlag macht, nach Paris zu ziehen, um Frank die Zeit zu geben, seine Berufung zu finden. Doch dann wird April wieder schwanger.

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Dass dieser Film so gut ist, verdankt er zuerst der kraftvollen Buchvorlage von Richard Yates. Das 1961 erschienene Werk knüpft an Beziehungsdramen wie Die Katze auf dem heißen Blechdach von Tennessee Williams (verfilmt 1958 mit Paul Newmann und Elizabeth Taylor) und F. Scott Fitzgeralds The Great Gatsby (verfilmt 1974 mit Robert Redford) an. Alle drei: große Bücher und große Filme. Aber warum hat es so lange gedauert, ehe sich mit Sam Mendes – übrigens der Ex-Mann von Winslet – ein Regisseur an Yates' Roman traute?

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Mendes kann man in der Umsetzung nur ein Kompliment aussprechen. Er hat sich der Geschichte auf sehr behutsame Art genähert. Der Stoff ist universell, breitet sich aber schwerfällig auf dem Bildschirm aus. Mendes unternimmt keinen Versuch, die in den 1950er Jahren spielende Handlung in die Gegenwart zu transferieren - muss er auch nicht.

Vieles erinnert an ein Bühnenstück: Die überschaubare Zahl der Schauplätze (Büro/Hotel/Haus), die langsame Kameraführung mit vielen Nahaufnahmen, die Symbolik der Schauplätze und der Ausstattungen sowie das intensive Spiel der Akteure, das sich in ein nicht enden wollendes Crescendo der Wut steigert. Es spricht für die Qualität von Winslet und DiCaprio, dass sie in diesem Umfeld und trotz der langen Anlaufphase der Geschichte das Auditorium fesseln.

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Die bedrückende Atmosphäre zum Ende hin lässt Platz für die Unsicherheit, wie diese unerhörte Begebenheit zu deuten ist. In einem Interview kurz vor seinen Tod lieferte Yates 1992 den Schlüssel: «Ich meinte es als Anklage ... gegen die verbreitete Gier nach Konformität .. das blinde, verzweifelte sich Klammern an Sicherheit ... die Revolutionary Road von 1776 ist zur Sackgasse der 1950er geworden».

Titel: Zeiten des Aufruhrs
Regie: Sam Mendes
Darsteller: Kate Winslet, Leonardo DiCaprio, Kathy Bates
Sendetermin: Sonntag, 25. Dezember 2011, 20.15 Uhr, Pro7

car/news.de

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