Maria Furtwängler Verliebte Kommissarin verliert die Kontrolle

Tatort (Foto)
Charlotte Lindholm ist zerrissen, zwischen nahegehendem Fall und turbulentem Privatleben. Bild: NDR/Roland Suso Richter

Von news.de-Redakteurin Ines Weißbach, Hamburg
Sie ist die beliebteste Tatort-Kommissarin, auch weil sie so eine starke Frau ist. Im Fall Schwarze Tiger, weiße Löwen bröckelte allerdings Charlotte Lindholms Fassade. Mit news.de spricht Maria Furtwängler über den krassen Fall und die verliebte Kommissarin.

9,4 Millionen Menschen sahen gestern Abend den Tatort mit Maria Furtwängler. Damit war der Krimi die meistgesehene Sendung und schlug unter anderem das ZDF, das Hape Kerkeling mit dem Jahresrückblick Menschen 2011 ins Rennen um die Einschaltquoten geschickt hatte. Furtwängler suchte diesmal als Kommissarin Charlotte Lindholm einen Kinderschänder, wobei die Geschichte in Zügen an den Fall der als Kind entführten Natascha Kampusch erinnerte. Der Fall hielt nicht nur die Ermittlerin in Atem, sondern auch die Schauspielerin.

Frau Furtwängler, in Charlotte Lindholms aktuellem Fall Schwarze Tiger, weiße Löwen geht es um einen Täter, der Mädchen entführt und in einem Verlies gefangen hält. Regisseur Roland Suso Richter hat ein echtes Verlies bauen lassen. Welches Gefühl hatten Sie bei den Dreharbeiten?

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Maria Furtwängler: Es war eine gute Idee von ihm. Aber wenn man da drin ist und sich auf seine Fantasie einlässt, ist es unfassbar. Die Vorstellung, dass ein Mädchen über Jahre dort eingesperrt ist. Natürlich denkt man dabei auch an die eigenen Kinder.

Hat das den Fall Kampusch in eine ganz andere Perspektive für Sie gesetzt?

Furtwängler: Natürlich, auch wenn es das Studio war, wir waren in einem Verließ, in dem es drückend heiß war und ekelig gestunken hat. Das ist eine unfassbare Form der Folter. Die Einsamkeit, die Verzweiflung und das Nicht-Begreifen: Warum hört mich die Mama nicht?

Hört sich an, als sei dieser Tatort emotional für Sie besonders aufreibend gewesen.

Furtwängler: Das war anstrengend für mich, nicht nur wegen der Dimension des Falles, sondern auch wegen der starken privaten Beanspruchung von Charlotte. Das ist ja ein zweischneidiges Schwert. Als Schauspielerin sehnt man sich danach, in der Rolle der Kommissarin nicht immer nur sagen zu müssen: «Wo waren Sie, was haben Sie gestern gemacht?» Andererseits ist das aber auch sehr bequem. Ich lerne meinen Text und gut ist. Hier spiele ich gleichzeitig den Fall und die Verwirrung einer Frau. Charlotte ist in einer Situation, in der ihre analytische Intelligenz und Kontrolle nicht mehr ganz funktioniert.

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Furtwängler: Auf jeden Fall (lacht). Ihr Privatleben entzieht sich ihrer Kontrolle und das hat Auswirkungen auf den Beruf. Sie verhält sich unkontrolliert, wenn sie eine Verdächtige anpackt und wegschleift. Das hat keine kriminalistische Relevanz, das hat mit Charlottes privatem Frust zu tun. Es macht Spaß, so was zu spielen.

Was kann Sie persönlich zu so einer Überreaktion bringen?

Furtwängler: Ungerechtigkeit ist da mein Thema. Menschen, die die Gefühle anderer nicht wahrnehmen und selbstgerecht sind. Oder Ohnmacht, wenn man sich einer Situation ausgeliefert fühlt und nichts machen kann.

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Charlotte Lindholm ist so eine starke Frau und dann rennt sie diesem Reporter hinterher. Wenig realistisch, oder?

Furtwängler: Auch wenn Charlotte eine starke Frau ist, ist Liebe doch der Punkt, wo man die Kontrolle durchaus verlieren kann und eben nicht mehr cool ist. Wenn man das noch wäre, weiß ich nicht, ob man wirklich verliebt ist. Vielleicht war es Ihnen auch zu backfischig, kann sein. Ich denke, unser Film beschreibt eine sehr realistische Situation.

Es kommt doch noch zum Rendezvous zwischen Charlotte und Jan. Ist es denn nun was Festes zwischen den beiden? Schließlich steht Benjamin Sadler nur als Gast im Vorspann.

Furtwängler: Charlottes Bedürfnis ist, ihn zu haben. Jans Bedürfnis ist es wahrscheinlich, nur Gast zu sein. Das wird ein Konflikt sein und bleiben.

Wann wird Charlotte ihn ihrer Mutter vorstellen?

Furtwängler: Gute Frage, ich hoffe in der nächsten Folge. (lacht)

Wie schnell geht so was bei Ihnen?

Furtwängler: Ich habe damit eher wenig Erfahrung. Aber ich weiß, dass das Urteil einer Mutter besonders für Teenager absolut vernichtend sein kann. Ich versuche zu vermeiden, bei meinen Kinder sofort ein klares Urteil zu fällen. Ich sage eher: «Die ist aber nett.» Auch wenn es vielleicht nicht unbedingt so ist. Ich will meinen Kindern da nicht reinquatschen.

Stimmt es eigentlich, dass Sie nach Hollywood gehen werden?

Furtwängler: Hollywood klingt natürlich toll. Ich habe hier in Deutschland ganz wunderbare Schauspiellehrer, war aber im Sommer bei Workshops von Amerikanern in Berlin und dachte: Wow, die haben spannende Methoden. Jetzt habe ich mir dort ein Projekt gesucht und mache eine Fortbildung. Das ist auch das Reizvollste an diesem Beruf, dass man sich weiterentwickeln kann und muss. Es geht aufs Jahresende zu.

Welche Pläne haben Sie für 2012?

Furtwängler: Wir werden einen zweiteiligen Tatort drehen. Außerdem werde ich Ende nächsten Jahres in Berlin Theater spielen. Das ist neu für mich. Es wird eine Komödie sein, da freue ich mich sehr. Und privat versuche ich, mehr Zeit für mich zu haben.

Maria Furtwängler ist eine der erfolgreichsten deutschen Schauspielerinnen, zumindest wurde ihre Kommissarin Charlotte Lindholm zur beliebtesten gewählt. Seit 2002 spielt die 45-Jährige im Hannoveraner Tatort die taffe Ermittlerin, die mittlerweile alleinerziehende Mutter ist. Furtwänglers Mutter Kathrin Ackermann spielt auch im Tatort die Mutter von Charlotte Lindholm. Maria Furtwängler ist promovierte Ärztin und seit 25 Jahren mit dem Verleger Hubert Burda verheiratet. Sie haben zwei Kinder.

Den aktuellen Tatort können Sie auch im Livestream in der ARD Mediathek sehen.

car/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • H.D.Schroder
  • Kommentar 1
  • 12.12.2011 17:28

Zum gestrigen Tatort: Die "Hintergrundmusik" die meist im Vordergrund stand, war der absolute Horror fürs Ohr. Übertönte die Stimmen sehr oft, sodass die Sprache teilweise nicht mehr zu hören war, ganze Passagen unverständlich blieben. Wie kann man so was zulassen ? Diese permanent hohen Töne vermiesten mir den Krimi derart, dass ich leider bei Halbzeit den Sender wechselte.

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