«Hart aber fair» Die Schwafelrunde geht durch Dick und Dünn

Hart aber fair (Foto)
Dinner For Six hieß es bei Hart aber fair. Bild: WDR/Oliver Ziebe

Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Eine Schwangere mag keine guten Ratschläge mehr hören. Der Rest der Runde verteilt Hiebe gegen die Gesundheitsapostel. Und dann hauen die Gäste bei Hart aber fair gemeinsam rein - im Kampf gegen den Schlankheitswahn.

TV-Quoten

Raucher, Dicke und Alkoholiker sind in den vergangenen Jahren unter zunehmenden gesellschaftlichen Druck geraten. In großen Teilen des öffentlichen Raumes ist das Rauchen zum Tabu erklärt worden. Nichtraucherschutz ist dabei der Steigbügel der Gesundheitsapostel.

Dabei treibt das rauchfreie Klima offenbar auch seltsame Blüten. Da zeigt schon einmal ein Nichtraucherverband die ARD-Vorsitzende Monika Piel an, weil sie ihre Arbeitnehmer nicht ausreichend vor dem blauen Dunst des Ex-Kanzlers Helmut Schmidt bei Günther Jauch geschützt habe.

Die neuen Raucher sind die Übergewichtigen, auf sie prasseln häufig Belehrungen und Diätvorschläge ein und zugleich wird ihnen eingeimpft, dass sie selber Schuld seien an ihren Gebrechen. Zeit also für Frank Plasberg, nachzufragen, ob Pummel an den Pranger gehören und ob sich die Gesellschaft von einer Fitness-Religion missionieren lässt.

Promis mit Übergewicht
Dick im Geschäft

Kronzeuge der Anklage gegen den Pummel-Pranger sind Jürgen von der Lippe und die hochschwangere Schriftstellerin Juli Zeh. Sie argumentieren gemeinsam mit Wissenschaftsjournalist Werner Bartens gegen eine gerade modern scheinende Fitnesselite, der in der Fünferrunde eigentlich nur der Motivationscoach Stefan Frädrich leidenschaftlich angehört.

Der Body-Mass-Index ist ein Instrument der Pharmaindustrie

Die etwas unausgewogene Runde findet so vor allem Kritisches. Werner Bartens zerpflückt grob geschätzt jede zweite kursierende Studie zum Thema Essgewohnheiten, während sich die schwangere Juli Zeh gegen einen enervierenden Strom von guten Ratschlägen zur Wehr setzt. Die Selbstbestimmung kommt ihr zunehmend abhanden, ihre Lässigkeit hat sie sich jedoch bewahrt: Kurz vor Ende der Schwangerschaft weiß sie zumindest noch nicht, was genau Rückbildungsgymnastik eigentlich ist.

Frank Plasberg macht derweil einen Kardinalfehler und lädt seine fünf Gäste zu einem selbstgewählten Mahl, das er genüsslich nach Fett- und Kaloriengehalt seziert. Die Antwort von Werner Bartens ist eindeutig: «Iss' nie mit jemandem, der zu viel über das Essen spricht.» Das kann wiederum Jürgen von der Lippe nicht so stehen lassen: «Außer über die Zubereitung.»

Auch dem Body-Mass-Index, der gern zur Kategorisierung von Normal- und Übergewicht eingesetzt wird, ist in der Runde kein langes Leben beschieden. Ebenso geht es kollektiv den Cholesterienwerten an den Kragen. Beides seien Instrumente der Pharmaindustrie, um Medikamente zu verkaufen, so der unwidersprochene Tenor, dem auch der Gesundheitsapostel Stefan Frädrich beipflichtet. Wehren kann sich die milliardenschwere Lobby der Pillendreher nicht, denn ein Vertreter fehlt in der tafelnden Ritterrunde.

Über die Gegenmittel gegen den Gesundheitswahn ist sich die Runde nicht wirklich einig. Juli Zeh plädiert für Allgemeinbildung, da die größten Gesundheitsprobleme mit Armut und fehlender Bildung zusammenhingen. Werner Bartens will Idealgewicht in Wohlfühlgewicht umbenennen und zeigt zugleich der Dauer-Prävention die Rote Karte: «Wer ständig vorbeugt, kann sich nicht zurücklehnen.» Motivationscoach Stefan Frädrich plädiert aber weiterhin für gesundheitsbewusste Ernährung, die man sich angewöhnen könne wie das Zähneputzen. Wenn das nicht eine versteckte Breitseite gegen die unverantwortlich Kariösen war.

Bestes Zitat: «Ist ja egal, wir sterben eh alle.» Juli Zeh spricht eine harte Wahrheit gelassen aus.

Die komplette Sendung zum Nachschauen.

cvd/news.de

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • JR
  • Kommentar 3
  • 06.12.2011 12:38
Antwort auf Kommentar 1

Gesundheits-, Klima- und Energie(wende)faschismus.

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  • Dirk
  • Kommentar 2
  • 06.12.2011 09:51

Wer Geld mit Diätbüchern und Raucherentwöhnung verdient, wie Stefan Frädrich, kann nicht objektiv sein, sondern bedient seine Interessen. Insofern hätte wirklich noch ein Vertreter der Pharma gefehlt.

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  • Bernd Serder
  • Kommentar 1
  • 06.12.2011 09:29

Es ist schon lange nicht mehr nur Gesundheitswahn, sondern Gesundheitsfaschismus. Es werden Grenzwerte von der WHO so lange verändert, bis die Pharmalobby halbwegs zufrieden ist und kaum noch jemand als gesund gilt. Es werden, wie bei der Passivrauchlüge, Studien gefälscht um Gesundheitsfaschismus durchzusetzen. Es wird langsam Zeit, dass wir Gesundheit wieder als subjektives Wohlfühlen begreifen, nicht als von Lobbyisten gesteuertes Instrument, um verschiedene Industriezweige noch reicher zu machen.

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