«Wetten, dass..?» Das Ende der Ära Gottschalk

Thomas Gottschalk (Foto)
Das Ende ist da: Am heutigen Samstag wird Thomas Gottschalk zum letzten Mal Wetten, dass..? moderieren. Bild: dpa

Ohne Tränen und große Dankesworte? Heute Abend moderiert Thomas Gottschalk zum letzten Mal die ZDF-Unterhaltungsshow Wetten, dass..?. Was macht den Entertainer zum Nonplusultra der deutschen Fernsehlandschaft?

Ohne Übertreibung: Thomas Gottschalks letzte Wetten, dass..?-Show wird in die Fernsehgeschichte eingehen. Seit Langem ist er der Kaiser der deutschen TV-Unterhaltung; gerade wurde er im Ersten zum beliebtesten Showmaster gekürt. Gottschalk hat den Erfolg und den Rang der letzten großen Samstagabend-Unterhaltung gegen alle Stürme gehalten. Wetten, dass..? und er sind ohnehin eins, aber die Abschiedsshow wird natürlich eine einzige Hommage an Thomas Gottschalk.

Dennoch geht der Showmaster gelassen in seine letzte Wetten, dass..?-Sendung. «Ich werde es einfach nur genießen», sagte Gottschalk am Freitag in Friedrichshafen am Bodensee. «Und ich werde mir den Moment nicht dadurch verderben, dass ich mit schwerem Herzen vor die Kamera trete.» Seinen Abschied bei Wetten, dass..? sehe er professionell. «Es ist das Showgeschäft. Der Zirkus geht weiter, auch wenn einer der Artisten mal das Pferd wechselt.» Tränen oder große Dankesworte werde es nicht geben.

«Wetten, dass..?»
Gäste für die Ewigkeit

«Ich habe meinen Beruf nie ernst genommen»

Wie das Ende der Live-Sendung heute Abend aussehen wird, ist nach Angaben des ZDF-Sprechers Peter Gruhne völlig offen: Wie soll der Sender sein schon zum Denkmal gewordenes «bestes Pferd im Stall» nach fast 25 Jahren und 151 Sendungen gebührend verabschieden? Er ist der Verlassene: Gottschalk informierte den Intendanten Markus Schächter und Programmdirektor Thomas Bellut vor Weihnachten 2010 - wenige Wochen nach dem schrecklichen Unfall des Wettkandidaten Samuel Koch - über seinen Entschluss.

Für seinen Abschied habe er keine große Rede oder Ähnliches vorbereitet, sagte Gottschalk. «Ich habe meinen Beruf nie sehr ernst genommen, weil es kein ernstzunehmender Beruf ist.» Zudem befinde er sich nicht in der Situation, in der er denke, das Beste in seinem Leben sein nun mit Wetten, dass..? vorbei.

Wetten, dass..?
Was für ein Abschied!
Video: news.de

Gottschalk wäre nicht Gottschalk, würde er nicht Bezeugungen tiefster Verehrung mit einem flotten Spruch den Ernst austreiben und große Gefühle weg lachen. Er konnte und hat sich auch immer vor allem anderen auf seine Spontaneität verlassen. Das allein erklärt jedoch nicht, warum er über alle Maßen vom Publikum geliebt, bewundert, ja vergöttert wird.

Daran konnte auch nicht die Filmsatire Late Show von Helmut Dietl etwas ändern. Drehpartner Harald Schmidt sagte damals (1999) über Gottschalk: «Ich habe früher lange darüber gerätselt, wie er das macht, weil ich auch so reich werden wollte wie er. Aber diese Gnade der Ausstrahlung ist weder erklärbar noch zu kopieren.»

In Senf gebadet

Kandidaten-Check
Das sind Gottschalks mögliche Erben

Gottschalk sagte einmal: «Ich habe immer gespürt, dass ich gemocht werde.» Das war seine Waffe gegen die Kritiker in den Medien, die Anstoß nahmen zum Beispiel an oberflächlichem Geplauder auf der Wettcouch oder seiner körperlichen Annäherung an weibliche Gäste. Aber wenn Gottschalk seine unnachahmlichen Pointen abfeuerte und für Sternstunden mit Robbie Williams oder Michael Jackson sorgte, dann kriegte er sie alle.

Markus Schächter wurde zum Gottschalk-Fan, als Maria Schell als Wetteinsatz anbot, mit Placido Domingo zu singen, daraufhin Fluglärm von draußen erscholl und Gottschalk sagte: «Das ist Placido Domingo auf der Flucht.»

Gottschalk selbst scheute keine Herausforderung, wenn es um seine Wettschuld ging. Er ließ sich von unten bis oben in Senf tauchen, betätigte sich als Handwerker bei einer Familie, sprang in Boxershorts vom 7,5-Meter-Brett im Münchner Olympiabad, sang in Mozarts Zauberflöte im Chor der Komischen Oper Berlin, verbrachte eine Nacht in einer Zelle des Bremer Gefängnisses und besuchte im Weihnachtsmann-Kostüm ein Wiener Bordell. Er hätte auch im Bundestag geredet, wenn ihn dessen damaliger Präsident Wolfgang Thierse nicht gebremst hätte.

Kandidaten-Check
Das sind Gottschalks mögliche Erbinnen

Der Letzte seiner Art

Prophetisch klingt immer noch, wie sich Gottschalk schon im Jahr 1996 in die Fernsehgeschichte einordnete: «Ich bin das erste Kind des Farb- und das letzte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens. Eine Figur wie mich wird es im TV-Geschäft nicht mehr so leicht geben. Ich hatte Glück, mit Wetten, dass..? eine ganze Nation in die Fänge zu kriegen.»

Seinen Abschied hatte er sich bis zu dem Unfall Kochs immer anders vorgestellt. So sagte er 2008: «Mein Schicksal liegt in der Hand der Zuschauer. Erst wenn die einschlafen, werde auch ich amtsmüde.» Doch das Publikum hat nicht genug von Wetten, dass..?, sonst würden nicht annähernd zehn Millionen Zuschauer einschalten. Die Wettshow wird den künftigen Moderatoren angepasst, und Gottschalk wechselt den Kanal: Er meldet sich am 23. Januar um 19.20 Uhr mit Gottschalk live und Gästen im Ersten Programm der ARD.

Heute Abend darf er allerdings noch einmal zeigen, was er kann. Eingeladen hat Thomas Gottschalk zu seiner letzten Wetten, dass..?-Ausgabe Dirk Nowitzki, Jessica Biel, Til Schweiger, Karl Lagerfeld, Günther Jauch, Iris Berben, Lenny Kravitz und Meat Loaf. Und noch eine Besonderheit beschert das ZDF seinem Publikum: Die Übertragung aus Friedrichshafen startet bereits um 19.25 Uhr - mit dem Countdown zur eigentlichen Sendung. Darin erinnert Yvonne Ransbach zusammen mit Michelle Hunziker, Günther Jauch und Til Schweiger an die emotionalsten Momente der Show-Geschichte.

Wetten, dass..?: Samstag, 3. Dezember 2011, ab 19.25 im ZDF

rto/boi/cvd/news.de/dapd/dpa

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • Krause
  • Kommentar 3
  • 04.12.2011 19:03

schön,daß dieser quatschkopf endlich aufhört. die show wird eh immer schlechter,seitdem dieser typ verunglückt ist,gitbs keine spektakulären wetten mehr... langweilig!

Kommentar melden
  • SonyaFan
  • Kommentar 2
  • 04.12.2011 15:50

Was mich an der ganzen Sache wütend macht ist dass sie Lippe gar keine Chance gegeben haben.Ich schaue mir jedenfalls keine Sendung mehr mit Gottschalk an.Er war ein Grapscher und oft liess er die Gäste nicht ausreden.Warum wohl will keiner seinen Platz?Wei alle wussten was mit Lippi gelaufen war.G.hatte zu voreilig seinen Abschied angekündigt und siehe da nach nur einer einzigen Sendung konnte der Lippert wieder gehen.Und dann fragt er diesen nochmal?War das verarsche?Nein für mich soll er ganz in seine USA gehen.

Kommentar melden
  • HHA
  • Kommentar 1
  • 03.12.2011 10:23

Es sollte auf keinen Fall eine vom TV her bekannte Person sein. Am besten eine aus einem "Provinztheater". Da gibt es garantiert vielen guten Nachwuchs. Und die ganze Sendung darf kein auf Gottschalk zugeschnittenes Format haben. Etwas Neues muss her. Ansonsten bleibt bei jeder Sendung der ewige Vergleich mit G..

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
Wetten, dass...?
WER SOLL NACHFOLGER VON THOMAS GOTTSCHALK WERDEN?

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige