Götz George Schimmi will die NPD verbieten

Nacht ohne Morgen (Foto)
Götz George spielte gestern einen Staatsanwalt, der in alten Wunden bohrt. Bild: WDR/Erik Lee Steingroever

Von Nada Weigelt
In dem ARD-Film Nacht ohne Morgen spielte Götz George einen Staatsanwalt, der nach seiner Krebsdiagnose einen Fall nochmals aufrollen will. Im Interview verrät der 73-Jährige, ob Schimanski zurückkehrt und was er von der Zwickauer Terrorgruppe hält.

TV-Star Götz George ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Vor ein paar Tagen hat er sich in einem Interview für ein neues NPD-Verbotsverfahren ausgesprochen. «Man muss die NPD verbieten, auch wenn man Gefahr läuft, dass sie dann im Untergrund arbeitet», sagt der 73-Jährige in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Wenn man sie verbietet, können sie mit ihren Glatzen und Bomberjacken nicht mehr angeben, und darum geht es diesen Typen ja in erster Linie. Intelligenz und Argumente kann man von denen nicht verlangen», sagt der Schauspieler.

George, seit 30 Jahren Kommissar Schimanski, hat im vergangenen Jahr in dem ARD-Film Zivilcourage einen Mann gespielt, der sich mutig gegen Gewalt wendet. Angesichts der Mordserie, die einer rechtsterroristischen Gruppe aus Zwickau zugeschrieben wird, plädiert er dafür, insgesamt konsequenter gegen Gewalt vorzugehen. «Dass heute jemand, der einen anderen zusammengeschlagen hat, kurz dem Staatsanwalt vorgeführt wird und dann wieder auf freien Fuß kommt, das geht nicht.»

Horst Schimanski
Der Bulle aus dem Ruhrpott

Gestern Abend war der Schauspieler im ARD-Psychodrama Nacht ohne Morgen zu sehen. Der Film war mit 5,82 Millionen Zuschauern und 18,7 Prozent Marktanteil die meistgesehene Sendung zur Primetime. Darin ging er als pensionierte Staatsanwalt einem lange zurückliegenden Mordfall in der brandenburgischen Provinz nach. Im Interview verrät George unter anderem, ob er als Schimanski auf den Bildschirm zurückkehrt.

Was hat Sie an Nacht ohne Morgen interessiert?

Götz George: Es ist einfach eine gute Geschichte. Es geht um einen Mann, der am Ende seines Lebens merkt, dass er sich zeitlebens belogen hat. Wir leben ja alle mit Lebenslügen. Da kann einem so ein Film schon sehr helfen, sich mehr auf sich selbst zu besinnen und darauf zu achten, ob man ehrlich mit sich umgeht. Mich hat die Geschichte schon berührt und ich glaube, das überträgt sich auch.

Welche Lebenslügen haben Sie?

George: Ich bin jetzt am Ende meines Lebens und ich denke, ich bin ziemlich verschont geblieben. Ich bin immer einen recht gradlinigen Weg gegangen. Damit habe ich sicher auch immer wieder Menschen vor den Kopf gestoßen, aber ich habe mich nicht verbiegen lassen. Doch das kann man erst am Schluss sagen. Wenn so ein Film kommt, nimmt man das zum Anlass, sich besonders zu hinterfragen.

Es ist der fünfte Film, den Sie mit Andreas Kleinert machen. Was ist das Besondere an seiner Regie?

George: Er ist ein guter Psychologe, er schaut auch hinter die Figuren. Und wir sprechen während der Arbeit viel. Dieser Staatsanwalt, den ich spiele, ist ja ein sehr reduzierter Mensch, der hat abgeschlossen mit sich und der Welt. Und trotzdem entwickelt sich zwischen ihm und der jungen Frau menschlich etwas.

Sie spielen mit zwei starken Charakteren - Barbara Sukowa und Fritzi Haberlandt. Arbeiten Sie lieber mit Männern oder mit Frauen?

George: Das kann ich nicht sagen. Wenn du mit solchen Kalibern spielst, hast du immer den Druck, gut zu sein, immer das Bestmögliche zu liefern. Du willst auf gleicher Augenhöhe sein. Das ist anstrengend, aber auch sehr anregend - egal, ob es Männer oder Frauen sind. Durch die Fantasie und Kreativität der anderen bekommst du ein Feedback.

Sind Sie im Alter zunehmend an schwierigen Themen interessiert?

George: Ich habe mit 22 schon Filme mit Wolfgang Staudte gemacht - Kirmes, ein grandioser Film und eine wunderbare Zusammenarbeit. In 60 Jahren gibt's dann natürlich auch ein paar Knalltüten, die man spielt und auch gern spielt, aber insgesamt waren es fast alles ziemlich handfeste Charakterrollen, die ich zu bewältigen hatte. Das hat mich geformt und erfüllt. Deshalb konnte man mich auch nicht festlegen auf Schimanski.

Apropos Schimanski - gibt's noch einen?

George: Meine Produzentin Sonja Goslicki von Colonia Media, die ja wie der gute Engel über meiner künstlerischen Laufbahn ist, hat ein neues Drehbuch in Auftrag gegeben. Sie sagt, es ist eine gute Geschichte. Aber wir müssen erst das Buch abwarten und dann entscheiden wir in aller Ruhe.

Färben Sie sich eigentlich die Haare?

George: Das ist eine ganz dämliche Frage...

...stammt aber aus dem Film. Fritzi Haberlandt fragt Sie das.

George: Aber das muss man doch wissen von mir! Wenn ich mir die Haare färben würde, wäre alles falsch gewesen, was ich immer gesagt habe - dass ein Schauspieler nicht eitel sein darf. Jeder eitle Schauspieler ist ein schlechter Schauspieler. Nein, nein, im Gegenteil: Ich muss mir inzwischen die Haare weiß färben - für meine Rollen. Det is Scheiße.

Klicken Sie sich hier durch die coolsten Sprüche von Götz George.

Welcher deutschsprachige Schauspieler hat den größten Sexappeal? Stimmen Sie ab im news.de-Fotovoto!

car/cvd/news.de/dpa

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • JÜRGEN PUPPE
  • Kommentar 2
  • 21.06.2012 11:21

Ein Parteienverbot kann nur vom Bundesverfassungsgericht ausgesprochen werden. Die Forderung verschiedener Parteien nach einem Verbot der NPD, halte ich für sittenwidrig und grotesk.Der heutige Mensch ist mittels Schuld,Angst und Indoktrination zu einem ohnmächtigen, sinnentleerten und seelenlosen Konsummenschen geworden,also das Wesen,das man mit "Brot und Spiele" in einer verachtenswerten Vorstellungswelt eingesperrt hält. Daher, vertraue auf des eigenen Volkes Sagung und nicht das Falschwort des Feindgerichts.

Kommentar melden
  • wolfgang Ritter
  • Kommentar 1
  • 02.12.2011 13:10

Hallo Götz, ich bin dein Jahrgang und habe ein kleinen teil der Zeit erlebt aber nur aus Kinderaugen. Was ich später erfahren habe .konnte ich es nicht glauben zu was die Menschen fähig sind.Ein Teil der Menschheit denken ich trage Stiefeln Glatz und habe nichts im HIRN. Des weg hat Herr Geörge mein volle Unterstützung .So offen sollten unsere Politiker auch reden. Sie haben Recht Mit freundlichen Grüßen Wolfgang Ritter

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
Schauspielerinnen
NENNEN SIE UNS IHREN LIEBSTEN TV-STAR

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige