Aufgebrachte Fans Bei «Stromberg» müllert's gewaltig

Stromberg (Foto)
Stromberg alias Christoph Maria Herbst übertreibt es mit der Werbung, finden viele seiner Fans. Bild: Pro7

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Immer wenn der kleine Hunger kommt, greifen Stromberg und seine Kollegen neuerdings zu Milchreis. Die Fans sind aufgebracht und haben die Medienaufsicht eingeschaltet. Die prüft jetzt, ob die Macher der Pro7-Serie zu weit gegangen sind.

Stromberg hat eine neue Schwäche. Doch die heißt nicht etwa Jenny, sondern hat etwas mit dem kleinen Hunger zu tun: Das Büroekel vom Dienst löffelt in der aktuellen Staffel verdächtig oft Milchreis einer ganz bestimmten Marke - und plaudert auch gerne darüber. Nicht nur serviert er den Vorstandskollegen zum Einstand «lecker Milchreis» im Fertigbecher, er stellt das Dessert dem neuen Azubi auch als «Top-Alternative zum Kantinenfraß» vor und wundert sich, dass Berthold «Ernie» Heisterkamp (Bjarne Mädel) noch eine Erdbeer-Variante abgestaubt hat. In der letzten Folge der fünften Staffel steht Stromberg alias Christoph Maria Herbst schließlich vor einigen Milchreisbechern und fragt, immerhin mit etwas Selbstironie: «Kann ja Werbung machen - was meinst du, was die zahlen?»

«Stromberg»
Seine schlimmsten Sprüche
Stromberg (Foto) Zur Fotostrecke

Des Rätsels Lösung: Die Stromberg-Produktionsfirma Brainpool TV hat einen Vertrag mit der Molkerei Alois Müller Milchreis und nicht nur die Fans der Serie fragen sich, wie viel Geld da wohl geflossen ist. In verschiedenen Internetforen und Blogs äußern sie ihren Frust über die penetrante Werbung, die sich durch die ganze Staffel zieht und selbst auf der gerade erschienenen DVD-Box zu sehen ist. «Was habt ihr nur mit Stromberg gemacht?», fragt Blogger Florian Meyer auf scherzinfarkt.net und beschwert sich, «dass die komplette Capitol-Belegschaft in einem fort Milchreis frisst, alle paar Folgen der kollegiale Austausch der Becher auch noch in die Handlung eingebunden wird». Der Blogger spricht von einem «Schleichwerbe-Overkill», der ihm «mächtig auf den Sack» gehe.

Es handelt sich um legale Produktplatzierung

Mit dieser Kritik steht er nicht alleine da. «Ich fühle mich, als hätte ich mich an Milchreis überfuttert, ohne seit langem einen gegessen zu haben», klagt ein Kommentator auf scherzinfarkt.net. «Hoffentlich setzt sich das im TV nicht durch, es hat meiner absoluten Lieblingsserie schon einen harten Knacks versetzt.» Als «Running Gag» sei die Sache mit dem Milchreis vielleicht eine nette Idee, schreibt ein User auf promipranger.de. «Aber der Milchreis rennt sich leider sehr schnell tot. Es nervt!!!»

Richtig nervig wird es in der sechsten Folge (zu sehen am 13. Dezember), wenn Stromberg-Darsteller Christoph Maria Herbst den Müller-Milchreis direkt in die Kamera hält und sagt: «Was die Finanzen angeht, da machen wir jetzt Schleichwerbung. Das darf man jetzt ja.» Parallel hierzu erscheint die Einblendung: «Die Capitol stellt hierzu fest: Es handelt sich nicht um Schleichwerbung, sondern um legale Produktplatzierung.»

Tatsächlich ist Product Placement (Produktplatzierung) in Deutschland nicht verboten: Seit April 2010 ist diese Art der Werbung unter starken Auflagen erlaubt. So müssen die entsprechenden Platzierungen in den TV-Sendungen deutlich gekennzeichnet sein. Daran hält sich Pro7 in den aktuellen Stromberg-Folgen. «Stromberg wird im Internet immer kontrovers diskutiert. Und das ist gut so. Wir weisen das Product Placement - wie vom Gesetzgeber vorgeschrieben - aus», teilt der Privatsender mit.

Produzent und Stromberg-Erfinder Ralf Husmann verteidigt die Werbung im Interview mit dem Branchendienst kress-Report. «Was James Bond recht ist, muss Bernd Stromberg billig sein. In Kinoproduktionen sind Produktplatzierungen schon längst üblich, und in Zeiten, in denen ganze Kontinente auf der Suche nach neuen Finanzierungsmöglichkeiten sind, gilt das umso mehr für eine kleine Fernsehproduktion», wird Husmann zitiert.

«Stellt euch nicht so an!»

Auch wenn alles rechtens zu sein scheint, sind die Fans aufgebracht - zumal in der neuen Stromberg-Staffel nicht nur regelmäßig der süße Nachtisch aus Plastikbechern gelöffelt, sondern auch für den Spielzeughersteller Hasbro geworben wird. Mit den Spielzeugwaffen der Marke (Typ Nerf Blaster) beschießen sich die Capitol-Mitarbeiter gegenseitig mit Schaumstoffmunition, was noch halbwegs in den Plot integriert ist. Seltsamerweise gibt es die Pistolen aber im offiziellen Onlineshop der Serie zu kaufen.

Das alles hat zumindest zwei Zuschauer so sehr auf die Palme gebracht, dass sie die Medienanstalt Berlin-Brandenburg eingeschaltet haben, wie die Münchner Zeitung tz berichtet. Die Medienaufsicht bestätigt das und prüft jetzt, ob die Produzenten der Serie mit der Produktplatzierung zu weit gegangen sind.

Ob der Frust der Fans zu sinkenden Einschaltquoten führt, bleibt abzuwarten. Die fünfte Staffel war Anfang November mit 2,06 Millionen Zuschauern stark gestartet, erlebte dann einen Einbruch (insbesondere wegen des Fußballländerspiels Deutschland gegen Niederlande) und hatte in der vergangenen Woche mit 1,43 Millionen Menschen wieder akzeptable Zuschauerzahlen.

Die Zuschauer der heutigen Folge können sicher sein, dass wieder Milchreis gelöffelt wird und Stromberg den Chef raushängen lässt. Diesmal trifft es Jenny (Milena Dreißig), die mit dem Vorzimmer-Job überfordert ist und wieder in die alte Abteilung zurück versetzt wird. Da gibt jetzt Ulf (Oliver Wnuk) das Ekel.

Im Übrigen können einige Fans Verständnis für Strombergs Vorliebe für Milchreis aufbringen: «Stellt euch doch nicht so an wegen ein paar platzierten Produkten. Auf der Arbeit kleben eure Kollegen die Produktnamen ja auch nicht ab, wenn sie sich ihre Schokoriegel in die Birne schieben. Wacht auf, es ist fast 2012», schreibt Hans auf scherzinfarkt.net.

Stromberg, dienstags, 22.10 Uhr, Pro7

Welcher deutschsprachige Schauspieler hat den größten Sexappeal? Stimmen Sie ab im news.de-Fotovoto!

zij/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Donald Duck
  • Kommentar 1
  • 29.11.2011 17:12

... über was sich manche menschen doch gedanken machen is unglaublich ... gibt es nix wichtigeres, als nen oft gezeigten, bescheuerten reisbecher im fernsehen ? nöööö. daaa kann man die klappe aufreissen! aber dass uns die politiker verarschen von wegen steuererleichterung und die ölmultis uns beim benzinpreis die kohle klauen oder dass es 111 unnötige subventionen gibt, die uns 35 mrd euro kosten - das interessiert keinen. da halten alle die füße still. aber sich wegen nem reisbecher beschweren ... lauter deppen!

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
Schauspielerinnen
NENNEN SIE UNS IHREN LIEBSTEN TV-STAR

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige