«Bauer sucht Frau» Der falsche Emsländer bei RTL

Bauer sucht Frau (Foto)
Schweinebauer Uwe ist Niedersachse, aber kein Emsländer, wie von RTL behauptet. Bild: RTL

Von Britta Schultejans
Ein Kandidat der Kuppelshow Bauer sucht Frau sorgte im Landkreis Emsland erst für Freude, dann für Ärger. Denn Schweinebauer Uwe kommt gar nicht aus dem Emsland. Eine Geheimhaltungstaktik, sagt eine Sprecherin der Sendung - zum Schutz der Kandidaten.

Die Freude war groß unter den Emsländern - im Oktober 2011. Denn da wurde die erste Folge der neuen Staffel Bauer sucht Frau bei RTL ausgestrahlt. Und diesmal war einer von ihnen dabei: «der sanfte Schweinebauer Uwe» aus dem «wunderschönen Emsland» - das zumindest behauptete Moderatorin Inka Bause immer wieder aus dem Off. «Es wächst zusammen, was zusammengehört», schrieb der Haselünner Tobias Tappel - und das war nur einer von unzähligen freudigen Facebook-Kommentaren zum Thema. Der Landkreis Emsland im Westen von Niedersachsen mit seiner Hauptstadt Meppen, hart an der holländischen Grenze, ist schließlich sehr landwirtschaftlich geprägt, die Landstraßen im Kreis werden oft von Traktoren dominiert.

Der anfänglichen Euphorie aber folgte schnell Ernüchterung. Erst bemerkten aufmerksame Zuschauer der RTL-Kuppelshow, dass Uwes Auserwählte, die Bayerin Iris, mit einer Regionalbahn anreiste, die im Emsland gar nicht fährt. Dann stellten Privatleute und Lokaljournalisten Nachforschungen an. Ein paar Klicks und ein bisschen googeln führten zu einem gar erschütternden Ergebnis: Der Heimatort von Schweinebauer Uwe liegt keinesfalls im Landkreis Emsland, sondern gut 70 Kilometer östlich der Kreisgrenze im Landkreis Oldenburg.

«Bauer sucht Frau»
Handfeste Landwirte und ein schwuler Jungbauer

«Brav, bieder, besoffen»

Wer jetzt «Na und» denkt, der kennt das Emsland nicht. Deutschlands wohl bekanntester Kriminologe Christian Pfeiffer bescheinigte dem Kreis erst kürzlich, der vorbildlichste im ganzen Land zu sein: kaum Jugendgewalt, viel katholische Kirche, viel Vereinsmeierei - dafür aber ein bisschen zu viel Alkohol. «Brav, bieder, besoffen», fasste der NDR damals zusammen. Und darauf sind die rund 310.000 Emsländer - zumindest zum Teil - auch durchaus ein wenig stolz. Wenn dann jemand als Emsländer ausgegeben wird, der keiner ist, kann das den ein oder anderen Lokalpatrioten schon etwas wütend machen.

Viele Berühmtheiten hat der Kreis noch nicht hervorgebracht. Der ehemalige Bundesinnenminister Rudolf Seiters wohnt in Papenburg, Bundesliga-Torwart Michael Rensing kommt aus Lingen. Und natürlich kennen die meisten den berüchtigten «Apfelkorn» aus Haselünne. Das war es aber auch schon fast mit der Prominenz. Mit dem sympathischen Uwe gab es jetzt neue Hoffnung.

Soviel emsländischen Lokalpatriotismus kann man bei RTL im hunderte Kilometer entfernten Köln natürlich kaum erwarten. Und angesäuerte Fans lästerten schon, dass die da unten im Süden, im Rheinland, Uwes Heimatort einfach mit dem ähnlich klingenden Lingen - der mit rund 51.000 Einwohnern größten Stadt im Emsland - verwechselt haben könnten.

Das ist aber nicht der Grund für die falsche geografische Zuordnung, betont Bauer-sucht-Frau-Sprecherin Maren Mossig weit weg in eben diesem Köln. «RTL will die Bauern schützen und hält sich darum - was den Herkunftsort angeht - immer bedeckt.» Und da nimmt man es wohl im Zweifel auch mit der Wahrheit nicht ganz so genau. Einen Bayern würde man zwar nicht nach Ostfriesland stecken, sagt sie. Einen Oldenburger ins Emsland aber offenbar durchaus.

Josef und Narumol sind Stars

Ein Blick in den noch weiter entfernten Süden der Republik zeigt allerdings, dass das mitunter wirklich Sinn machen kann. Das oberbayerische Dorf, in dem Bauer Josef mit seiner Narumol wohnt, ist inzwischen zu einer Art Wallfahrtsort der Bauer-sucht-Frau-Fans geworden. Ganze Heerscharen von Anhängern und Journalisten schieben sich regelmäßig durch den Ort mit weniger als 2000 Seelen. Es gibt Fanclubtreffen mit Blasmusik und die beiden geben «große Liebesinterviews».

«Josef und Narumol - sicher das kultigste Paar - sind dafür ein gutes Beispiel. Die haben bis heute 23.000 Autogrammkarten unterschrieben - an ihrer Haustür», sagt Mossig und fügt hinzu: «Wir wollen mit Bauer sucht Frau einsame Herzen zusammenführen und keine Stars heranzüchten.» Klingt plausibel.

Allerdings sind in der Vergangenheit immer wieder Mogelei-Vorwürfe gegen die Sendung laut geworden. 2009 machte der angebliche Bauer Maurizio Schlagzeilen, weil er der Bild-Zeitung gestand, gar kein Landwirt zu sein und nicht auf einem Hof, sondern in einer Drei-Zimmer-Wohnung zu leben. Ein anderer Bauer war gar kein Single, sondern hatte nur wegen einer Wette teilgenommen. RTL sei von ihm belogen worden, teilte der Sender daraufhin mit.

Warum die Bauer-sucht-Frau-Macher in diesem Fall selbst nicht bei der Wahrheit blieben und den sanften Schweinebauern Uwe nicht einfach wahrheitsgemäß einen Niedersachsen nannten, das bleibt ihr Geheimnis - und das Emsland muss weiter auf seinen ersten ganz großen Medienstar warten.

ruk/boi/news.de/dpa

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • traveller43
  • Kommentar 4
  • 24.11.2011 22:51

Wenn ein Bundesminister bei seiner Doktorarbeit schummeln darf, ohne bestraft zu werden, dann ist diese geographische Ungenauigkeit noch weniger als ein Kavaliersdilikt.

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  • Petra
  • Kommentar 3
  • 24.11.2011 22:15

Ich verstehe nicht, warum sich solche Macher hochziehen, wo wer herkommt. Damit verdienen die sich eine goldene Nase

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  • Rantanplan
  • Kommentar 2
  • 24.11.2011 20:02

Da hat sich Frau Schultejans in der Stereotypen-Fibel das Kapitel "Emsland" ja seeeeeehr genau durchgelesen. Ganz schön arm für eine dpa-Autorin, sagt selbst ein Buten-Emsländer wie ich.

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