Drama im TV Hilfe, ich hab' das falsche Baby!

Im falschen Leben (Foto)
Marie (Sonsee Neu, links) und Sandra (Anna Maria Mühe) erfahren, dass sie die «falschen» Babys aufziehen. Bild: MDR/Christiane Pausch

Anna Maria Mühe und Sonsee Neu erleben den Albtraum aller Mütter: Ihre Babys werden nach der Geburt im Krankenhaus vertauscht. Erst ein Jahr später erfahren die beiden von dem Dilemma - zu sehen heute Abend im Ersten.

Zwei Säuglinge werden gleich nach der Geburt vertauscht. Das klingt nach Grimms Märchen, ist aber heutige Wirklichkeit. «Nicht irgendwo in Asien oder Afrika, nein, hier im angeblich so durchorganisierten Deutschland, und man sagt, die Dunkelziffer solcher Vorkommnisse sei beträchtlich», sagt Schauspielerin Sonsee Neu, selbst Mutter zweier Kinder, staunend. Im ARD-Film Im falschen Leben muss sie ein solches Schicksal durchleiden.

Als Marie Siebknecht ist sie gerade Mutter der kleinen Nora geworden, Mama und Papa strahlen. Alles stimmt in ihrer Welt, Eheglück, Einkommen und nun auch noch die Elternfreuden. Bis die schockierende Nachricht eintrifft: Ihr Kind ist sehr wahrscheinlich gar nicht ihr Kind.

«Im falschen Leben»
Emotionale Höllenfahrt

Nora, per Kaiserschnitt auf die Welt gekommen, wurde mit dem Neugeborenen einer anderen Kaiserschnitt-Patientin vertauscht. «Das eigentlich Schlimme für die Eltern ist ja der Gedanke: Wo ist denn nun unser ‹richtiges› Kind? Das muss doch irgendwo sein», wie die Regisseurin Christiane Balthasar meint. Sie inszenierte den Film nach einem Buch von Regine Bielefeldt, die einen authentischen Fall zum Vorbild hatte.

Das «andere» Kind heißt Maja, und anders als bei Nora ist ihre Umwelt ganz und gar nicht in Ordnung: Der Kindsvater, ein leicht verlotterter Bar-Besitzer, wollte das Kind nicht, die Mutter studiert noch und muss nun sehen, wie sie sich und ihre Kleine irgendwie durchbringt. Umso schwerer fällt Marie der Gedanke, dieser Frau nun Nora zu überlassen. Der Kampf um die Kinder beginnt.

Hätte es nicht auch bei einer lautlosen Kindesübergabe bleiben können, wie sie sich einmal schon anbahnt - und bei realen Fällen meist praktiziert wird? Sonsee Neu: «Ich verstehe die Maria, dass sie ihre vermeintliche Tochter nicht hergeben will und der ‹richtigen› Mutter sogar vorschlägt, deren Kind zu adoptieren. Denn gerade im ersten Jahr hat man miterlebt, wie solch ein kleiner Erdenwurm zu einem richtigen kleinen Menschen heran sprießt, hat sein erstes Lachen gesehen, ein erstes ‹Mama› gehört. Das will man sich doch unbedingt bewahren.»

Christiane Balthasar hat das spektakuläre Thema dennoch leise inszeniert, vielleicht, sagt sie lachend, «weil ich selbst schon hochschwanger war und mir der Sinn wenig nach knalliger Action stand». Die Figuren sind ohne schrille Schwarz-weiß-Malerei gezeichnet, ihre Darsteller bieten entsprechend dezentes Kammerspiel: Anna-Maria Mühe als die andere Mutter, Maxim Mehmet als Ehe-unwilliger Erzeuger, der sich aber dennoch beim ersten Geburtstag seiner Tochter zu einem Besuch mit Geschenk und Glückwünschen aufrafft sowie Marias Mann Holger, ganz stolzer Papa, gespielt von Andreas Lust - und eben Sonsee Neu.

Das Ende ist spröde, ohne gewaltsam aufgesetztes Happy-End. «Anderes verträgt auch diese Geschichte nicht», meint die Regisseurin, «wäre da ein Friede-Freude-Eierkuchen-Schluss gewesen, hätte ich sie nicht gemacht».

Bestes Zitat: «Nora ist nicht Ihr Kind, das ist eine Tatsache. Und mit dieser Tatsache müssen Sie, muss auch meine Behörde und muss auch Nora jetzt umgehen lernen.» (Mitarbeiterin des Jugendamtes)

Titel: Im falschen Leben
Regie: Christiane Balthasar
Darsteller: Anna Maria Mühe, Sonsee Neu, Andreas Lust, Maxim Mehmet
Sendetermin: Mittwoch, 16. November 2011, 20.15 Uhr, Das Erste

car/news.de/dpa

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