Öko-Thriller im ZDF Warum Heino Ferch auf Kaffee verzichtet

Die TV-Sender entdecken das Thema Umwelt: Bei RTL kämpfte Hannes Jaenicke kürzlich gegen die unterirdische CO2-Speicherung. Heute warnt Heino Ferch im ZDF, dass das Trinkwasser auf der ganzen Welt endlich ist.

Verschollen am Kap (Foto)
Heino Ferch spielt den ehrgeizigen Manager eines Wasserkonzerns. Bild: ZDF/Boris Guderjahn
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In seinem Glas befänden sich alle sieben Weltmeere, Flüsse und Seen, sagt Heino Ferch und trinkt das gesamte Wasserreservoir der Erde in einem Zug aus. Nur einen Tropfen lässt er übrig – das sei der Rest an Trinkwasser, der uns noch zur Verfügung steht, behauptet er. Ferch spielt in dem Zweiteiler Verschollen am Kap (Montag und Donnerstag, 14. und 17. November, 20.15 Uhr) den Manager eines Berliner Wasserkonzerns. Das ZDF zeigt den Thriller als Höhepunkt einer Schwerpunktwoche mit dem Titel Burnout – Der erschöpfte Planet.

Claas Lohmann alias Ferch hat seinen Boss in einem manipulierten Aufzug kaltgestellt, damit er die flammende Rede mit einem Glas Wasser in der Hand vor der Staatssekretärin und den anderen Gästen selbst halten kann. Krieg um Wasser – weltweit, prophezeit er dramatisch und geißelt dann unsere alltägliche Verschwendung. Für die Produktion eines Pkws würden 400.000 Liter Trinkwasser verbraucht. «Und Ihr Kaffee nachher in der Pause: 140 Liter» – hier hebt Lohmann den Zeigefinger – «pro Tasse».

«Verschollen am Kap»: Das passiert im TV-Drama
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Ferch duscht und schwimmt

Mit der Zeigefinger-Rede und anderen Szenen, in denen Heino Ferch im Pool seines Einfamilienhauses schwimmt, duscht oder einen kräftigen Zug aus der Wasserflasche nimmt, will uns der Film zeigen, wie verschwenderisch wir mit Wasser umgehen. Das wirkt schulmeisterlich. Spannend und sehenswert ist der ZDF-Zweiteiler aber trotzdem.

In Ferchs Rede macht der alarmierende Tonfall sogar Sinn, weil das Fernsehpublikum der vermeintlichen Umweltsorge des ehrgeizigen Managers ohnehin misstrauen dürfte. Wie auch Lohmanns Tochter Karla (Nadja Bobyleva), die im Clinch mit ihrem Vater liegt und ein Jahr lang bei dem Hilfsprojekt African Child in Kapstadt arbeiten will. «Ich werde Gutes tun und das Karma unserer Familie aufbessern», sagt die 19-Jährige ihrem Vater und ihrer Mutter Judith (Barbara Auer), die in der Familie nicht viel zu melden hat.

Trailer «Taste The Waste»: Schockbilder einer Wegwerfnation
Video: Vimeo

Kaum ist Karla in Südafrika angekommen, passiert dort eine Katastrophe. Ein mit Chemikalien gefüllter Lastwagen kippt in einen Trinkwassersee – die Wasserversorgung für unzählige Menschen droht zusammenzubrechen. Der Umweltaktivist Maduna (Tony Kgoroge), der sich mit Karla angefreundet hat, händigt ihr eine gestohlene Wasserprobe aus, woraufhin Karla entführt wird.

Lohmann selbst gerät in Verdacht, an dem Chemieunfall beteiligt zu sein. Denn ein Jahr zuvor hatte er ein skrupelloses Konzept entwickelt: Damit seine Firma die Vorrechte für die Trinkwasserversorgung in Südafrika erhält, sollte der See in der Nähe von Kapstadt verseucht werden. Nur sein Unternehmen könnte die Katastrophe wieder beheben, hatte der Manager damals behauptet. Aber würde der ehrgeizige Mann tatsächlich so weit für seine Karriere und für wirtschaftlichen Gewinn gehen?

Die Idee für einen politischen Thriller, der den Kampf um das immer knapper werdende Trinkwasser thematisiert, hatte Autor Christian Jeltsch bereits vor fünf Jahren. «Meine Recherchen zeigten, dass der Handel mit Trinkwasser immer härter und auch korrupter wird. Immerhin sind nur drei Prozent des gesamten Wasservorkommens der Erde als Trinkwasser geeignet», sagt er im Interview. Und er prognostiziert: «Irgendwann wird es in dieser Welt Krieg um Wasser geben!»

Auch das schwarze Gold geht zur Neige

Wasser ist schon heute knapp, wie heute-Moderator Claus Kleber und seine Kollegin Angela Andersen am Beispiel der Anrainerstaaten von Anden und Himalaya zu Beginn ihrer zweiteiligen Reportage Machtfaktor Erde (Montag, 14. November, 21.45 Uhr, und Dienstag, 15. November, 23 Uhr) beweisen. Aus schwelendem Streit um den Zugang zum kühlen Nass könnten bald gewalttätige Konflikte werden, stellen auch Kleber und Andersen fest. Ihr Beitrag zeigt Hintergründe auf, die nicht minder spannend sind wie der Thriller mit Ferch. Aber sie sind Realität und kein Spielfilm.

Gleiches gilt für Das Blut der Welt (Mittwoch, 16. November, 23.30 Uhr) von Claus Richter und Ex-Spiegel-Chef Stefan Aust. Darin geht es um Öl als Treibstoff, der die Industriegesellschaft am Laufen hält. Doch womöglich geht das schwarze Gold schon in wenigen Jahrzehnten zur Neige, gleichzeitig steigt der Bedarf. Auch Maybrit Illner beteiligt sich mit ihrer Talkrunde an der Themenwoche: In ihrer 500. Sendung (Donnerstag, 17. November, 21.45 Uhr) spricht sie mit Autor Frank Schätzing und CDU-Umweltpolitiker Klaus Töpfer über die zunehmende Ressourcenknappheit auf der Erde.

Schauspieler Heino Ferch wird ebenfalls bei Illner zu Gast sein. Möglicherweise wird er dann von seinem Öko-Leben auf seinem Bauernhof berichten. «Ich lebe mit meiner Familie auf dem Land, mit Pferden, Hunden, Katzen, Ziegen, einem Esel und einem Lama», erzählt er der BZ am Sonntag. «Es gibt keinen Öltank bei uns. Wir nutzen die Energie aus dem Boden», wird er von der Zeitung zitiert. Und weil in der Landwirtschaft sehr genau unterschieden werde zwischen Trink- und Abwasser, plane er seinen Wasserverbrauch sehr genau. «Man möchte ja kaum noch eine normale Tasse Kaffee trinken, wenn man weiß, dass 140 Liter Wasser nötig sind, um diese eine Tasse Kaffee zu gewinnen.»

Bestes Zitat: «Wasser muss einen Wert bekommen, gegen alle Widerstände. Einen berechenbaren Wert. Denn erst was einen Wert hat, lernen die Menschen zu schätzen und zu schützen.» (Claas Lohmann/Heino Ferch)

Titel: Verschollen am Kap (zwei Teile)
Regie: Andreas Senn
Darsteller: Barbara Auer, Heino Ferch, Nadja Bobyjeva
Sendetermin: Montag, 14. November 2011, und Donnerstag, 17. November 2011, jeweils 20.15 Uhr, ZDF

rut/news.de/dapd

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