ZDF-Krimi Selbstjustiz gegen Pädophile

Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert
Ein 17-jähriger Krimineller wird ermordet aufgefunden. Dabei kommt das grausige Werk eines wütenden Killers ans Tageslicht, der Kinder vor sexuellen Übergriffen schützen will. Im sechsten Fall der ZDF-Krimireihe Unter anderen Umständen ermittelt die Kripo Schleswig heute bei einem Mord im Watt.

TV-Quoten

Der sechste Fall in sechs Jahren: Unter den zahlreichen Krimiformaten im ZDF ist Unter anderen Umständen nicht gerade die populärste. Obwohl mit Natalia Wörner und Ralph Herforth prominent besetzt, vermag die Reihe trotz einiger Schnoddrigkeiten im Team kein unverkennbares Profil zu entwickeln. So verwundert es nicht, dass sich auch der Fall Mord im Watt nicht mehr als solide Genre-Kost zu bieten hat - mit einigen dramaturgischen Schwächen.

In der Nähe von Husum entdeckt ein Muschelsucher die Leiche des 17-jährigen Marek, der ein beeindruckendes Vorstrafenregister vorzuweisen hatte. Festgebunden und bewusstlos eingegraben ins Watt sprechen alle Indizien für einen Mord. Kommissarin Jana Winter (Natalia Wörner) und Matthias Hamm (Ralph Herforth) nehmen sich des Falles an - und bekommen Unterstützung von der Mordkommission Hamburg. Dort wurde vor einem Jahr auf ähnliche Weise ein Anwalt getötet. Beide Opfer hegten pädophile Neigungen und wurden dafür von einem Selbstjustiz übenden Gerechtigkeitsfanatiker bestraft.

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Zu viel Moral, zu wenig Rafinesse

Krimis leben in der Regel von ihrer Spannung, die sich über die Beantwortung der Frage nach dem Mörder ergibt. Dieses Mitfiebern ist bei Unter anderen Umständen: Mord im Watt leider kaum gegeben, obwohl ein kleiner Kreis verschiedener Verdächtiger präsentiert wird. Wer der Täter ist und aus welchen Motiven, weiß der aufmerksame Zuschauer schon nach einer halben Stunde. Dramaturgisch ist das eine unglückliche Entscheidung - eine von vielen in der holprig erzählten Geschichte.

Zu schnell kommt es zum Sex zwischen Winter und ihrem dänischen Kollegen Erik Nielsen (Lars Mikkelsen) von der Hamburger Mordkommission. Diese Nebenhandlung wirkt schlicht zu platt konstruiert. Auch die Pointe mit den Motiven des Täters und seines letztlich einsichtigem Unrechtbewusstseins wirkt zu sehr auf pseudo-moralisch gebürstet.

Die Welt einer Gehörlosen

Interessant ist hingegen der Einblick in die Welt gehörloser Kinder. Nielsens Tochter Rebecka (Anna Maria Mühe) kann sich seit jeher nur mit Zeichensprache verständigen. Auch ein Bruder des ersten Opfers kann nur so kommunizieren. Beide haben indes viel mitzuteilen und leisten letztlich wichtige Arbeit bei den Ermittlungen im Fall. Leider bleibt dieses Motiv nur Vorwand für die rasche Annäherung zwischen Nielsen und Winter - weil sie ja beide so gut mit Kindern umgehen können.

Die Bilder sind etwas kühl, leben von starken Kontrasten und ebenso faszinierenden wie beeindruckenden Aufnahmen des Wattmeers. Auch die unaufdringliche, streicherlastige Musikuntermalung ist gelungen. Während Natalia Wörner eine solide Performance abliefert, fällt Ralph Herforth mit seiner grobschlächtigen und miesepetrigen Art, die sein Schauspiel lustlos wirken lässt, negativ auf. Zwischen Ebbe und Flut schwimmt der Fall Mord im Watt durch allzu vorhersehbare und beliebig ineinanderfließende Gewässer.

Bestes Zitat: «Guten Menschen misstraue ich grundsätzlich. Und dem Mann, dem wächst ja schon ein Heiligenschein!» (Der grantige Kommissar Hamm bei seinen Ermittlungen in einem Gespräch mit einer Kollegin in Dänemark)

Titel: Unter anderen Umständen: Mord im Watt
Regie: Judith Kennel
Darsteller: Natalia Wörner, Ralph Herforth, Martin Brambach, Max von Pufendorf, Lars Mikkelsen, Anna Maria Mühe
Sendetermin: Montag, 7. November 2011, 20.15 Uhr, ZDF

krc/pfj/news.de

Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • aufpasser
  • Kommentar 2
  • 08.10.2013 23:28

Mord im Watt das ist mal wieder ein Beispiel für das harmlose Strafrecht in Deutschland, Der Täter bekommt Beistand die Opfer bleiben allein ich bin für härtere Strafen für diese Kinderschänder! Und Trittin unterstützt das auch noch pfui

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  • Schneewolf
  • Kommentar 1
  • 09.11.2011 10:29

Harte Kritik! Man sollte zuerst einmal selbst ein Drehbuch schreiben, bevor man andere derartig kritisiert, das ist gar nicht so einfach. Zora Holt war mir als Schauspielerin nicht wirklich ins Auge gefallen, ich fand sie nie interessant oder einzigartig, daher war ich gespannt wie die Folge „Mord im Watt“ wird. Ich muss wirklich sagen, dass es mir sehr gefallen hat und ich war positiv überrascht. Natürlich gibt es da und dort Verbessrungen, aber es war doch ihr ERSTES Drehbuch und dafür war es gut gelungen. Ich finde auch nicht, dass Ralph Herforth negativ aufgefallen ist oder gar lustlos.

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