«Maischberger» Der Millionär, der keiner sein will

In Deutschland gibt es 900.000 Millionäre. Und die werden trotz Krise immer reicher. Warum also nicht etwas von ihrem Vermögen abgeben - per Gesetz? Bei Maischberger wird über die Reichensteuer diskutiert und ausgerechnet ein Millionär in Shorts sorgt für Akzente.

Dicke Hornbrille und Rauschebart - so stellt man sich nicht unbedingt einen millionenschweren Unternehmer vor. Doch Klaus Zapf, der zu Weihnachten auch gut und gerne als Aushilfssanta anheuern könnte, zieht Shorts und Sweatjacke schwarzen Designeranzügen nun einmal vor. Die trägt lieber Millionärskollege Guido Seitz, der gestern Abend unter anderem mit Zapf, Society-Lady Ute Ohoven und Schlagersänger Howard Carpendale bei Sandra Maischberger über Reiche und deren Abgaben diskutierte.

So verheißungsvoll der Titel Millionär, zahl mehr! Müssen wir die Reichen schröpfen? anmutete, so schnell verlief sich die Diskussion im Nirgendwo. Dabei hätte gerade Zapf, der als Deutschlands ungewöhnlichster Millionär eingeführt wurde, so einiges beitragen können - hätte Maischberger ihn länger und öfter zu Wort kommen lassen. Der Wahlberliner gründete 1975 als damals 23-Jähriger ein Umzugsunternehmen, das bis heute zur größten Möbelspedition Deutschlands angewachsen ist und ihn reich machte.

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Trotzdem lebt Zapf nicht auf großem Fuß. Anders als Kollege Seitz, der sein Geld mit Fast-Food-Ketten verdient und sich davon so einigen Luxus leistet, schicke Autos liebt und ein Faible für teure Uhren hat, zieht Zapf es vor, in einer kleinen Hausmeisterwohnung in Berlin zu hausen. Laut eigenen Aussagen reichen ihm 300 Euro im Monat zum Leben. In der Unternehmensküche falle hin und wieder etwas für ihn ab. «Das Geld gehört immer der Firma», sagt Zapf, und werde zum Großteil reinvestiert. Am Ende komme es immer zurück, glaubt er.

Mit Klagen Großkonzerne ärgern

Für Zapf Umzüge hat sich das bewahrheitet. Die Spedition unterhält elf Niederlassungen in Deutschland und macht jährlich bis zu 40 Millionen Euro Umsatz. Den Firmenvorsitz hat der Gründer 2007 allerdings abgegeben, um sich einer ungewöhnlichen Leidenschaft zu widmen, die bei Maischberger leider viel zu kurz kam. Denn Zapf, der an der Freien Universität Berlin Jura studierte, aber nicht abschloss, ist Profikläger gegen Aktiengesellschaften und macht anderen Unternehmern damit das Leben schwer.

Er kauft sich in die Gesellschaften ein und fechtet als Mitaktionär Entscheidungen etwa über Übernahmen oder Fusionen an, die darauf abzielen, den Vorständen hohe Boni zu bescheren. Das Geschäft liegt für die Zeit der Anklage auf Eis, weshalb die Aktiengesellschaften meist einen Vergleich mit dem Kläger anstreben. Nicht selten auch zu dessen finanziellem Vorteil. Deshalb muss sich Zapf den Vorwurf gefallen lassen, sich als sogenannter Berufskläger mit seiner Firma Pomoschnik Rabotajet GmbHRussisch: Der Helfer arbeitet. selbst zu bereichern. Er wurde dafür auch schon einmal verklagt.

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Wenn man ihn bei Maischberger so sitzen sieht, fast ärmlich wirkend, mag man ihm glauben, dass es ihm nicht ums Geld geht, sondern um Gerechtigkeit. Vorstände dürften sich nicht andauernd selbst bereichern, sondern müssten ihrer sozialen Verantwortung nachkommen. «Die Unternehmen müssen der Gesellschaft etwas zurückgeben, von der sie profitieren», sagt Zapf. Anders als seine Mitdiskutanten bei Maischberger, die sich in Debatten um die Höhe des zu versteuernden Privateinkommens und der Reichensteuer selbst verlieren, hält er strengere Steuerregelungen für Unternehmen für ungleich wichtiger.

Eine gerechte Steuerverteilung - aber wie?

Die Angst, dass der deutsche Binnenmarkt darunter leiden und die Wettbewerbsfähigkeit sinken könnte, weil Konzerne abwandern, will Zapf nicht teilen. «Die kommen eh alle zurück. Das ist wie mit dieser Teddybärbude. Wie heißt die noch gleich? ... Steiff! Die kam auch wieder.» Doch statt den zotteligen Millionär ernst zu nehmen, krittelt Maischberger mit ihren anderen Gästen, darunter auch ein CDU- und ein SPD-Politiker, lieber weiter an Zahlen herum. Reichensteuer ab 100.000 oder 250.000 Euro Jahreseinkommen? Spitzensteuersatz von 42 auf 49 Prozent anheben?

TV-Quoten

Zu einem Ergebnis kommt man nicht. Die Diskussion driftet stattdessen so weit ab, dass über Carpendales Greatest-Hits-Tournee als Zuflucht in die Nostalgie gefachsimpelt wird. Nur bei einem sind sich alle einig: Eine gerechte Besteuerung muss her. Wie diese aussehen soll, bleibt offen. Die Mühen von «Deutschlands fleißigster Bettlerin» Ute Ohoven, die in 20 Jahren Charity-Tätigkeit 40 Millionen Euro gesammelt haben soll, sind da zwar bemerkenswert, aber nicht ausreichend.

Auf die Frage, wie viele Menschenleben in Afrika einer ihrer funkelnden Ohrringe retten könnte, betont die Weitgereiste, dass sie in den vergangenen zehn Jahren über eine Million Menschen gerettet habe. Das Recht auf schöne Dinge stünde ihr da wohl zu, auch wenn das gerade in Deutschland viele Neider auf den Plan rufe. Neid kennt Zapf nicht. «Damit wird argumentiert, um diejenigen, die die Verhältnisse als ungerecht empfinden, zu diskreditieren», sagt er. Da kommt selbst Ohoven kurz ins Grübeln und stellt fest: «Er ist wahrscheinlich der Reichste im Herzen.» Ihre Charity-Gala würde Zapf trotzdem nicht besuchen.

Bestes Zitat: «Wenn die Kuh geschlachtet wird, gibt sie keine Milch mehr.» (Ute Ohoven hält eine zu hohe Reichensteuer für wirtschaftlich höchst gefährlich.)

Hier können Sie Menschen bei Maischberger online nachschauen.

cvd/news.de

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Leserkommentare (15) Jetzt Artikel kommentieren
  • wegner petra
  • Kommentar 15
  • 26.08.2012 18:52

wenn sie so nett wären könnten sie mir ja etwas schicken dann kann man sich ja etwas freun im leben wenn sie es nicht brauchen

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  • peter
  • Kommentar 14
  • 12.11.2011 10:56

ich teile bei weiten nicht zapf seine meinung zu der reichensteuer - aber er ist ein authentischer zeitgenosse-sowas finde ich sehr respektvoll. im gegensatz zu solchen nasen wie dieser schlagerfuzzi.

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  • Franziska Falk
  • Kommentar 13
  • 04.11.2011 12:10

Ein einfach schlecht recherchierter Artikel. Schade wenn sich vermeindliche "Autoren" auf veraltete Wikipedia Einträge verlassen. Zapf hat schon seit Jahren 14 Standorte Deutschlandweit anstatt wie genannt 11.

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