Christian Berkel Der Kriminalist unter den TV-Kommissaren

Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck, Berlin
Er hat mit Quentin Tarantino und Spike Lee gedreht. Christian Berkel gehört national wie international zu den gefragtesten deutschen Schauspielern. Seit 2006 ist er Der Kriminalist. Gestern startete die sechste Staffel. News.de traf ihn zum Interview.

Gestern Abend war er Kriminalist Bruno Schumann. Wir haben Christian Berkel beim Dreh getroffen.

Herr Berkel, Ihr Kommissar Schumann ist ja schon etwas anders als andere Ermittler. Was macht ihn Ihrer Ansicht nach besonders?

Christian Berkel: Das Spezielle ist natürlich die Viktimologie, also seine Methode. Das heißt, dass er versucht, sich immer vom Opfer ausgehend dem Täter zu nähern. Er sucht nach dem wunden Punkt in der Biografie des Opfers. Diesen besonderen Ansatz habe ich eigentlich während der Suche nach Eigenarten für eine Figur für mich gefunden: Wie kann man dem Zuschauer etwas erzählen, was er so noch nicht kennt? Man kann ja nicht das Genre neu erfinden, aber man kann eine Farbe hinzufügen.

Und dann kommt es auch meiner eigenen Arbeitsweise ganz nahe. Ich versuche auch sehr stark, mich in etwas einzufühlen. Dabei versuche ich auch, so wenig wie möglich zu zensieren. Ich packe also erst einmal alles, was kommt in diesen Rucksack, um dann genug im Gepäck zu haben und bei der Analyse im entscheidenden Moment hoffentlich den Treffer zu landen. Das geht mir beim Spielen genauso.

In Bezug auf Sie selbst oder auf die Figur?


Berkel:
Nein, nein. Auf die Figur. Das heißt, auf beide. Denn es geht dann ja auch immer wieder um beide. Wenn ich eine Figur spiele, muss ich gucken, wie viel vielleicht sogar schon von mir in dieser Figur enthalten ist? Wie viele Parallelen gibt es zu meiner eigenen Geschichte? Wo muss ich mich stark dieser Figur nähern, weil ich ganz anders bin? Wo muss ich recherchieren? Das ist immer eine Mischung: Das Berufliche einer Figur, ihr Privates und meine Persönlichkeit - das muss ich alles zusammenbringen.

Wie viel steckt denn von Ihnen in Bruno Schumann?


Berkel:
Ich würde sagen, das ist schon einiges. Was ich am Anfang meinte, mit dieser Art zu arbeiten, die liegt mir sehr. Ich habe auch ganz bewusst nach so etwas gesucht. Denn ich glaube, wenn man eine Reihen- oder eine Serienfigur spielt, muss man dem Publikum etwas Authentisches bieten. Ein solcher Charakter kann nicht so sehr über Verstellung funktionieren, das spürt der Zuschauer. Wenn ich einen 90-Minüter mache oder einen Kinofilm, kann ich auch ganz weit von mir weggehen. Das macht der Zuschauer mit, wenn es gut inszeniert ist. Aber bei einer Serie, die er jeden Freitag einschaltet, will er sich mit der Figur des Kriminalisten identifizieren und spürt, wenn etwas nicht identisch ist.

Entspricht die Figur Ihren Vorstellungen?

Berkel: Ja. Und das Schöne an der Arbeit ist, dass wir immer weiter daran rumfeilen. Wir lehnen uns nie zurück und sagen: Och ja, das haben wir jetzt doch ganz gut hingekriegt, so machen wir das jetzt weiter. Sondern es gibt immer wieder lange Gespräche über die Bücher - mit den Autoren, mit den Regisseuren. Um zu sehen, was man da noch rauskitzeln kann. Ich brauche das aber auch, damit ich jeden Morgen motiviert zur Arbeit komme. Ich will keinen Trott.

Was machen Sie lieber: Eine Serie wie
Der Kriminalist drehen oder dann doch mit Regisseuren wie Quentin Tarantino und Spike Lee Kinofilme?

Berkel:
Also ... (lacht) wenn ich es mir aussuchen kann, würde ich mal sagen: Ich möchte sehr gern beides machen. Weil das eine das andere auch bereichert. Was für mich ein Riesengewinn ist beim Kriminalisten - dieses über einen langen Zeitraum tägliche Drehen, wo man immer mehr unterschiedliche Mittel ausprobieren kann. Ich weiß das von früher: Wenn man drei, vier Filme im Jahr dreht, steht man unter einem ganz anderen Druck. Man weiß: Ich habe jetzt diesen einen Film und wenn ich es vergeige, dann war's das. Da ist man oftmals vorsichtiger. Geht manchmal eher auf Nummer sicher, wenn es schlecht läuft. Ich habe es allerdings gern, wenn ich einfach etwas riskieren kann, wovon ich im Voraus nicht genau weiß, ob es funktioniert oder nicht. Ich glaube, letzten Endes hängt Erfolg also ganz stark davon ab, ob man bereit ist, ein Risiko einzugehen.

Die sechste Staffel der ZDF-Krimireihe Der Kriminalist ist gestern gestartet. Die erste Episode Unter Druck können Sie hier online nachsehen.

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Wir waren beim Dreh dabei. Lesen Sie hier, warum Der Kriminalist in einer Kreuzberger Moschee ermittelt.

krc/car/news.de

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