Lisa Martinek «Problemmütter sind reizvoll»

Lisa Martinek (Foto)
In der ZDF-Krimireihe Das Duo spielt Lisa Martinek die Kommissarin Clara Hertz an der Seite von Charlotte Schwab. Bild: ZDF

Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck
Lisa Martinek war mehrfach für den Deutschen Filmpreis nominiert und auf der Theaterbühne als Göttin Helena im Faust zu sehen. Seit 2006 spielt sie die Kommissarin Clara Hertz in Das Duo. News.de spricht mit der Schauspielerin über alleinerziehende Mütter - während im Hintergrund ihre kleine Tochter brabbelt.

Es ist der elfte Fall für Lisa Martinek und Charlotte Schwab. Gemeinsam ermitteln die beiden heute Abend, ab 20.15 Uhr, wieder als Das Duo im ZDF. Diesmal geht es in der Krimireihe um Liebe und Tod im Bankenmilieu.

Eine Bankangestellte wurde ermordet. Während ihrer Ermittlungen stoßen die Lübecker Kommissarinnen Clara Hertz und Marion Ahrens schnell auf eine Reihe potenzieller Verdächtiger in der Bank, aber auch im privaten Umfeld der Toten. Besonders pikant ist allerdings, dass Clara Hertz mit dem Direktor des Geldinstituts vor Monaten eine kurze Affäre hatte, die nicht ohne Folgen blieb: Die Kommissarin ist schwanger.

Sie lernt den Vater des Kindes in seiner Arbeitsumgebung neu und anders kennen. Und muss sich immer wieder fragen, wie ihre Zukunft aussieht, ob sie sich ein gemeinsames Leben mit diesem Mann vorstellen kann? So stellt sich statt «Wer ist eigentlich der Mörder?» häufig die Frage «Werden sie sich kriegen?» - eher Kriterium für eine Romanze denn für einen Krimi.

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Frau Martinek, der neue Fall des Duos bietet nicht zum ersten Mal eine Kombination aus Kriminalfall und Geschlechterkampf. Liebe und Tod verknüpft eng das Berufliche mit dem Privaten. Wie wichtig ist denn das Privatleben der Ermittler?

Lisa Martinek: Das müssen die Macher eines Formats früh entscheiden. Bei dem neuen Frankfurter Tatort-Team hat man jetzt zum Beispiel von vornherein ganz klar gesagt: Auf gar keinen Fall zeigen wir irgendetwas vom Privatleben, es geht nur um das Verbrechen. Ich finde, das ist absolut möglich. Trotzdem kriegt man ja immer ein bisschen was mit. Das ist einfach so, ein Mensch ist ein Mensch. Beim Duo hatten wir uns von Anfang an dafür entschieden, dass das Privatleben immer etwas mitreinspielt. Nur muss es eben mit dem Fall zu tun haben, die Geschichte weiterbringen. Es macht keinen Sinn, eine Kommissarin zu sehen, die zuhause mit ihren Kindern spielt und nachdenkt. Dann Schnitt: Man befindet sich wieder im Büro und sie ermittelt. Es ist aber wirklich irrsinnig schwer, dies zu verweben.

Beim Duo haben Sie quasi die Not zur Tugend gemacht, indem Sie Ihre tatsächliche Schwangerschaft in die Handlung integriert haben.

Martinek: Ja. Und da der Fall so aufgebaut ist, dass der Vater des Kindes zu den Verdächtigen gehört, hat sich das automatisch verwoben. Dann macht das auch wirklich Sinn und gefällt mir auch.

Es stand also eigentlich nicht im Drehbuch, dass ihre Figur, die Clara Hertz, schwanger wird? Um nach neun Jahren einen neuen Aspekt in die Krimireihe einzubringen.

Martinek: Nee, eher umgekehrt (lacht). Ich bin schwanger geworden, wollte aber weiterdrehen. Es war allerdings ein willkommener Aspekt, genau genommen ein Glücksfall. Alle haben sich gefreut. Es gibt ja auch Produktionsfirmen, die eine Schwangerschaft als Katastrophe empfinden. Beim Duo hat man gesagt: Das ist ja jetzt interessant, lasst uns mal kurz überlegen. Dann wurde eine Woche beratschlagt, auch mit dem ZDF, und nun bekommt die Clara Hertz eben ein Kind.

Hat sich die Schwangerschaft auch auf die Dreharbeiten ausgewirkt? Haben Sie die Dinge als tatsächlich werdende Mutter anders wahrgenommen.

Martinek: Dadurch dass ich mich im gleichen Zustand befunden haben wie die Clara, war das alles sehr authentisch, war ich ihr sehr nah.

Wie schwierig ist es, da die vernünftige Grenze zu finden, dass der Kriminalfall nicht zu sehr in den Hintergrund rückt und die Handlung unübersichtlich wird?

Martinek: Da braucht man einfach gute Drehbuchautoren, das können wir Schauspieler eigentlich gar nicht mehr lenken. Letztendlich spielen wir das, was wir im Buch lesen. Insbesondere wenn man Teil einer Reihe wie Das Duo ist, hofft man auf gute Autoren und kämpft für solche. Im zweiten Schritt ist dann natürlich auch die Regie wichtig. Aber Dreh- und Angelpunkt sind die Bücher. Man muss einfach eine gute Idee haben. Das könnte insofern ein Problem werden, dass jetzt Autoren gefordert sind, die Lust haben müssen, nicht nur Geschichten mit den beiden Kommissarinnen zu erzählen, sondern auch mit einem Baby. Und das geht ja weiter. Die Clara Hertz hat jetzt nun mal einen Sohn, der auch mitwächst. Den kann man ja nicht wegschreiben. Und das ist, glaube ich, schwieriger, als alle Beteiligten am Anfang gedacht haben.

Wird der Vater eine Rolle spielen?

Martinek: Nee, wird er nicht. Wir erzählen definitiv eine alleinerziehende Mutter. Die aber voll im Job ist. Das ist sozial ein sehr interessanter Aspekt und geht ja auch sehr viele Leute an. Es gibt schließlich sehr viele Frauen in unserer Gesellschaft, die dies betrifft. Nur, wir dürfen nicht erzählen: Uih, das ist aber ganz leicht. Denn das ist es nicht. Wir haben bereits einen Fall gedreht, wo die Clara wieder angefangen hat, zu arbeiten, wo das Kind sehr klein ist. Allerdings taucht dies meiner Meinung nach zu wenig auf. Also, man muss das Baby nicht unbedingt sehen. Es geht vielmehr darum, den Konflikt zu verdeutlichen, die Probleme, die sie als Alleinerziehende hat. Ich weiß das ja nun durch meine eigene Tochter: In dem Moment, wenn man wieder anfängt zu arbeiten, hat man einfach das Problem der Organisation. Und die Mutter sehnt sich nach ihrem Kind, will plötzlich gar nicht mehr da sein, wo sie ist, sondern lieber nach Hause gehen. Diese Konflikte, die eine Mutter immer unweigerlich hat, wollen wir zeigen. In den Fall, den wir jetzt im November drehen, wurde das Kind wieder sehr stark eingewoben.

In Liebe und Tod bekommen sie gleich zweimal gesagt, dass ein Kind seinen Vater braucht. In der Rolle entscheiden Sie sich jedoch ganz klar dafür, das Kind allein groß zu ziehen. Wie stehen Sie als berufstätige Mutter persönlich dazu?

Martinek: Da sind natürlich stets die Umstände von Bedeutung. Ich wollte immer innerhalb einer Familie mein Kind großziehen, das finde ich eben schöner. Aber es gibt nun einmal Umstände, in denen Frauen schwanger werden, ihr Kind bekommen wollen, aber nicht mit dem Kindsvater zusammenleben können. Die eine mag dies als unglücklich empfinden und die andere vielleicht sogar als glücklich, weil sie sich sagt: Mich interessiert das Kind vielmehr als die Familie schlechthin. Das bleibt jeder Frau selbst überlassen. Es ist ganz schwer, darüber zu urteilen. Wobei ich natürlich finde, dass es für das Kind wirklich wichtig ist, einen Vater zu haben. Aber das kann man ja auch haben, ohne mit ihm zusammenzuleben.

Sie haben bereits zwei andere Mutterrollen gespielt: Einmal sind Sie zur Edelprostituierten geworden, um Ihre Kinder ernähren zu können, das andere Mal hatte Ihre Tochter ein extremes Drogenproblem. Ist es ein besonders reizvolles Thema, problembehaftete Mütter zu spielen?

Martinek: Sicherlich. Also ich habe keine Lust, jetzt nur noch Mütter zu spielen. Aber es ist natürlich ein reizvolles Thema, weil es hochemotional ist. Nun, da ich selbst Mutter bin, empfinde ich es sogar noch stärker als zuvor. Es gibt nichts wichtigeres als ein Kind. Und wenn dieses Kind in Schwierigkeiten steckt, ist es automatisch ein Riesendrama und eine hochbrisante Rolle, die sehr viele Facetten hat. Und das ist als Schauspieler natürlich einfach interessant.

Titel: Das Duo - Liebe und Tod
Regie: Peter Fratzscher
Buch: Eva Zahn und Volker A. Zahn
Darsteller: Lisa Martinek, Charlotte Schwab, Roman Knitzka, Nina Kunzendorf, Martin Feifel, Philipp Moog
Sendetermin: Samstag, 29. Oktober 2011, 20.15 Uhr, ZDF

car/news.de

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