«Mia san mia» Oans, zwoa, Talent gfunda

Nina Eichinger (Foto)
Nina Eichinger moderiert Mia san mia. Bild: BR/Ralf Wilschewski

Von news.de-Redakteur Konrad Rüdiger
Quetschkommoden, Rauschebärte und Verständigungsprobleme: Bayern hat neuerdings seine eigene Castingshow. Inklusive Bier trinkender Jury und einem mutmaßlichen Abstimmungsskandal. Und im Kampf Land gegen Landeshauptstadt verliert München klar.

Blau-weiß ist alles an diesem Abend. 90 Minuten lang beschwört die Castingsendung Mia san mia im Bayerischen Rundfunk (BR) das, was den Freistaat so besonders und eigenwillig macht. Sogar die Lichttechniker sind da ganz konservativ und tauchen das Studio fast durchgängig in die Freistaatsfarben. Ausgeschrieben ist der Bayern-Max als Preis für den Sieger, der in drei Sendungen ermittelt wird. Nicht durch Telefonvotings, sondern durch das Studiopublikum, das größtensteils die Trachten der soeben zuende gegangenen großen Volksfeste aufträgt.

Die Verständlichkeit der Gesangseinlagen ist derweil auch innerbajuwarisch ein großes Problem, das deutlich zeigt, dass es das vielfach beschworene «Mia san mia»-Gefühl über den ganzen Freistaat bei so stark abgegrenzten Regionen gar nicht geben kann. Mehrfach muss die Jury konstatieren, dass man nicht verstanden habe, was denn da nun gesungen wurde. «Den Text kriege ich noch nachgereicht», flapst der Kabarettist Hannes Ringlstetter zu einer Schülerband aus Franken. Ob das Credo «Mia san mia», das der Sendung seinen Namen gab, nun in Abgrenzung gegen Restdeutschland oder Restbayern gemeint ist, kann ja an diesem Abend ruhig offen bleiben.

«Mia san mia»
Bayern sucht den Superstar
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Und auch über die Sprachgrenzen hinweg geht es betont betulich bei der bajuwarischen Talenteschau zu. Hans-Jürgen Buchner, einer von drei Juroren ohne große Entscheidungsgewalt, personifiziert die CSU-Version einer Castingshow am deutlichsten. Kann er mit dem Vortrag der Abiturienten-Reggae-Band offensichtlich nichts anfangen, lobt er überschwänglich den Fakt, dass sie diesen auf Deutsch bestreiten. Oder trägt ein junges Mulitalent auf Bratsche und Klavier Anrührendes vor, lobt er in pastoralem Ton, dass das doch der Beweis sei, dass «der Mensch etwas göttliches ist».

Die Moderatorin Nina Eichinger vertritt da eher die moderne Seite des Freistaats, die Tochter des kürzlich verstorbenen Filmmoguls Bernd Eichinger ist gebürtige Münchnerin und versucht ein wenig Aufgekratzheit zu verbreiten, wo sonst alles in Traditionspflege zu versinken droht. Verhindern kann sie das nicht immer, auch, weil ihr ihre Nervosität einen Streich spielt und sie fast Hallaschkaesk zu sehr an ihren Moderationskarten kleben lässt. Spontane Unterhaltungsmomente müssen also andere liefern.

Und das tun vor allem die unernsteren Auftritte, die vor allem von regional etablierten Künstlern kommen und damit schon mal ein gewisses Niveau mitbringen. So das Wertstoff-Orchester Scrap, die beiden Herren musizieren und blödeln auf zusammengesuchtem Müll und einem hoffentlich fabrikneuen Abflussreiniger-Pömpel. In einer ähnlichen Liga spielen die Passauer Saudiandln, die als niederbayerische Variante der morbiden Varietéanarchotruppe Tiger Lillies mit herb-krachenden Gstanzl daher kommen. Studiofüllende Schlüpfrigkeit mit regionaler Bodenhaftung.

Der Kabarettist Hannes Ringlstetter hat es da in der Jury sehr schwer, denn beide Duos sind ihm höchstpersönlich bekannt. Da die Juroren lediglich Gesprächspartner für Eichinger sind und das Studiopublikum mit klobigen Funkabstimmungsgeräten votiert, ist der vermutliche Skandal nicht am Jurytisch zu suchen. Die Sieger der ersten Ausgabe ist eine Blaskapelle, die hörbar die meisten Unterstützer im Publikum hat und so der Verdacht aufkommt, dass nicht alle Sympathisanten wie von Eichinger betont von der Abstimmung ausgeschlossen waren.

Doch das dürfte weder für einen handfesten Mia-san-mia-Skandal sorgen, noch denjenigen Zuschauern missfallen, die sich an einem Freitagabend für eine heimatverbundene Talentshow interessieren. Und dass die Juroren aus Halbmaßkrügen ihr Bier auf Kosten der Gebührenzahler trinken, wäre nur in Sendungen außerhalb des eigenwilligsten aller drei deutschen Freistaaten eine Notiz wert. So viel blau-weiße Normalität muss eben sein.

Bestes Zitat: «Wenn er Mentalist wäre, stünde vor mir jetzt ein Bier» Hannes Ringlstetter zweifelt an den Fähigkeiten eines selbst ernannten Gedankenlesers.

Die Sendung ist mit ein wenig bajuwarischer Hartnäckigkeit in den Tiefen der BR-Mediathek zu finden.

cvd/news.de

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