«Tatort» Die Kommissarin aus dem Porno-Kino

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Mit 16 stand sie nackt vor der Kamera und sorgte für einen Skandal: Eva Mattes, die gestern im Tatort eine Mordserie aufklärte, hat auf der Bühne und im Film viel gewagt und viel gewonnen. News.de präsentiert zehn Fakten über die Schauspielerin.

1. Der Tatort mit der Butterblume: Bald kann sie ihr Zehnjähriges feiern. Im Herbst 2001 wurde Eva Mattes gefragt, ob sie Tatort-Kommissarin werden wolle. Das hat sie kalt erwischt. «Mein Image war doch eher dadurch geprägt, dass ich keinen Mainstream machte, nicht im populären Fernsehprogramm vorkam», schreibt Eva Mattes in ihrer kürzlich erschienenen Autobiografie Wir können nicht alle wie BertaDen Titel „Wir können nicht alle wie Berta sein“ hat Eva Mattes Henrik Ibsens Drama „Die Wildente“ entlehnt. Berta gibt es nicht wirklich, über sie wird nur gesprochen. Sie gilt als Beispiel für jemanden, der sein Leben meistert. sein. Andererseits habe sie sich auch nie um ein «wie auch immer geartetes Image» gekümmert. Also sagte sie zu und spielt seit 2002 die Kommissarin Klara Blum.

Bodensee-«Tatort»
Eine Muse und viele Mordverdächtige

Dabei ist die Schauspielerin für den Tatort alles andere als prädestiniert: Sie hat eine Knallphobie. Vor Schüssen und lauten Geräuschen hat sie große Angst. Bei Dreharbeiten müssen die Schüsse deshalb nachträglich auf die Tonspur gezogen werden. Doch selbst wenn nur die Regieanweisung «Schuss» fällt, schreckt sie schon auf. So ruft der Regisseur jetzt in Konstanzer Tatorten bei Schusswechseln das Wort «Butterblume».

2. Eine Geburt wie ein Drama: Am 14. Dezember 1954 kam Eva Mattes als Tochter der Filmschauspielerin und Tänzerin Margit Symo und des Komponisten und Dirigenten Willy Mattes im bayerischen Tegernsee auf die Welt. Ein Wunder. Denn der Arzt hatte ihrer Mutter (sie war bereits 42) geraten, sie abzutreiben. Der Vater fand sie hässlich, die Hebamme, die unter Depressionen litt, erhängte sich nach ihrer Geburt.

Tatort-Ausstellung
Den Ermittlern auf der Spur

3. Theater und Film statt Schule: Eva Mattes begann mit zwölf Jahren Theater zu spielen, eine Schauspielschule besuchte sie nie. Ihren Durchbruch und zugleich ersten handfesten Skandal hatte sie 1970 als 15-Jährige. Da spielte sie in Michael Verhoevens o.k., einer Parabel auf den Vietnamkrieg, ein Mädchen, das von Soldaten vergewaltigt und umgebracht wird. Auf der Berlinale wollte der Jurypräsident den Film aus dem Wettbewerb ausschließen; aus Protest zogen alle anderen Filmemacher ihre Werke zurück. Die Berlinale war am Ende. Und die Mattes in aller Munde. «Keine Schönheit, aber ein schauspielerisches Urvieh», urteilte ein Kritiker damals über Mattes' Spiel im Film.

4. Depressionen und Fressattacken: Mattes' früher Ruhm hatte seinen Preis. Ohne ihre Mutter und Schwester - der Vater hatte die Familie verlassen, als Eva Mattes drei Jahre alt war - zog sie im Alter von 17 Jahren nach Hamburg, wo sie am Deutschen Schauspielhaus engagiert wurde. Dort fühlte sie sich oft einsam, verfiel in Depressionen und litt unter Fressattacken. Nur die Arbeit hielt sie am Laufen – und ihr ständiges Verliebtsein, in das sie bei jedem Dreh unweigerlich verfiel (siehe Punkt 6).

5. Skandale und Skandälchen: Für Aufregung in Eva Mattes' Schauspielleben sorgten immer wieder Nacktszenen, auf der Theaterbühne oder in Filmen. Zu einer regelrechten Saalschlacht kam es bei Peter Zadeks Othello, wo der Mohr seine schwarze Schminke auf Mattes' fast nackter Desdemona verschmierte. Aber diese Skandale und Skandälchen bezogen sich immer nur auf die öffentliche Person, die Schauspielerin. Von der privaten Eva Mattes wusste man nie viel. Bis im Sommer die Autobiografie erschien, die Eva Mattes auf der gestern zu Ende gegangenen Frankfurter Buchmesse einem größeren Publikum vorstellte.

6. Immerzu verliebt: Als 13-Jährige verliebte Eva Mattes sich in Ilja Richter, aber die Jugendromanze blieb «unausgelebt». Mit 15 war sie während der Dreharbeiten für o.k. «hoffnungslos verknallt» in den Regisseur und Senta Berger-Ehemann Michael Verhoeven, der von dieser Anhimmelei vermutlich nichts ahnte. «Sich in Regisseure zu verlieben ist Teil der Erotik des Berufs», schreibt Eva Mattes in ihrer Autobiografie. Es gehört einfach dazu. Mit einem ihrer Regisseure, Werner Herzog, verband sie eine jahrelange heimliche Liebesbeziehung. «Ich wollte ihn retten, heilen, glücklich machen und war von dem Moment an selbst verloren.» Als sie 1980 ihr erstes Kind – Tochter Hanna – von ihm bekommt, ist er schon fast wieder aus ihrem Leben verschwunden. «Ich brauchte Jahre, um diesen Schmerz zu verarbeiten», bekennt Mattes.

7. Die Theater-Legende: Eva Mattes hat immer mitgemischt, wo sich im deutschen Theater und Film etwas Neues tat. Sie drehte mit Werner Herzog, spielte unter der Regie von Rainer Werner Fassbinders, der sie in eine Art «Porno-Kino» mitnahm, und war eine der wichtigsten Protagonistinnen von Peter Zadek. Das Theaterspielen war ihr schon als 18-Jährige so wichtig, dass sie als Jungfrau von Orleans trotz eines Meniskus-Risses auf der Bühne weitermachte. Als Hannes Jaenicke, der im gestrigen Tatort den Krimiautor Ruben Rath spielte, in einem Interview gefragt wurde, was ihn gereizt habe, in dem Bodensee-Tatort mitzuspielen, antwortete er: «Die Möglichkeit, mit der Theater-Legende Eva Mattes zu drehen.»

8. Ihre verrücktesten Rollen: Eva Mattes war für die Presse in den 1970er Jahren der dunkle Anti-Star in einer Zeit, als vor allem blonde, langbeinige Frauentypen gefragt waren. Und dann spielte sie auch noch so extreme Rollen wie das depperte Bauernmädchen Beppi, das in dem Drama Stallerhof halbblind und nackt über die Bühne des Hamburger Schauspielhauses wankte (was ihr den Presse-Kommentar «monströse Hässlichkeit» einbrachte), oder schockierte das Fernsehpublikum zur besten Sendezeit, indem sie in Fassbinders Film Wildwechsel, wie sie sagt, «fast durchgehend nackt zu sehen war». 1983 schlüpfte Mattes in dem Film Ein Mann wie EVA in die Rolle des inzwischen verstorbenen Fassbinder. Es war die filmische Aufarbeitung seines Todes. Sie tat einiges für diese Rolle: Sie nahm an Gewicht zu, «züchtete» sich unreine Haut und ließ sich stundenlang in der Maske zum Mann «umarbeiten». Dem jüngeren Kino-Publikum dürfte sie als urkomische Vermieterin Annemarie Rotkohl aus den Paul-Maar-Verfilmungen Das Sams und Sams in Gefahr bekannt sein. Die Rolle brachte ihr 2002 das Filmband in Gold als beste Nebendarstellerin ein.

9. Die Eva Mattes, die jeder kennt: Die Schauspielerin ist, ohne dass es die meisten von uns wissen, Teil unserer Kindheit: Sie lieh Pippi Langstrumpf (TV-Serie) ihre Stimme, ebenso Timmy aus der Fernsehserie Lassie. Im Pippi-Kinofilm sprach sie Tommy, den Bruder von Annika. «Überhaupt habe ich häufig Jungs synchronisiert, weil ich so eine brüchige Stimmbruchstimme hatte. Das war für mich ein großer Spaß, ein riesiges Vergnügen», sagt Eva Mattes über diese Zeit.

10. Eva Mattes und ihre Kollegen: Eva Mattes arbeitete für Werner Herzogs Woyzeck 1978 mit dem «Wüterich» Klaus Kinski zusammen, über den sie schreibt: «Er hat gar nicht gebrüllt, er hat hart gearbeitet, hochkonzentriert, suggestiv. Mit ihm zu spielen war, als wäre man an ein Kraftwerk angeschlossen.» Über ihre Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Ulrich Tukur - inzwischen auch ein Tatort-Kommissar - sagt sie: «Mit Uli zu arbeiten ist immer intensiv, aber nie bierernst. Er ist großzügig, charmant und gutgelaunt, er arbeitet wie ein Tier, vergisst aber nie, auch möglichst gut zu leben.» Und über ihren Tatort-Kollegen Sebastian Bezzel, der ihren schnieken, ehrgeizigen Assistenten Kai Perlmann gibt, schreibt sie: «Sebastian hat mich von Anfang an überzeugt. Beim Casting ließ er sich durch mich überhaupt nicht aus dem Konzept bringen. Ich flirtete mit allen (Bewerbern), und alle machten den Flirt mit, nur Sebastian nicht, das fand ich gut.»

cvd/news.de

Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Manfred
  • Kommentar 4
  • 18.10.2011 10:09

Leider ist die Artikelüberschrift absurd. Hat absolut nichts mit dem Inhalt zu tun. Ein(e) Schauspieler(in) schlüpft in eine Rolle und die wird gespielt - mit allen Mitteln. Egal was man/frau spielt - die Rolle schützt einen. - Also interessiert es auch nicht, was man früher mal gemacht hat. Das gehört zum Leben und zur Entwicklung der Persönlichkeit. Komisch ist allerdings, daß man mit Sex und Pornographie die alten Geschichten immer auffrischt und zum Problem macht. Wenn man allerdings früher mal als Mörder auf der Bühne oder im Film fungierte, wird das heute nicht als Aufreiser gewertet.

Kommentar melden
  • ilja R
  • Kommentar 3
  • 18.10.2011 05:22

Bei dem Titel des Artikels hatte ich erst mal an Sybil Kikeli gedacht, die ja, neuerdings auch Tatort Kommissarin, wirklich in Hardcore-Filmen ihre Laufbahn begonnen hat. Aber das hier mit Eva Mattes ist ja wohl was ganz anderes und NUR der völlig in die Irre führdende fast schon zynische Titel. Was die Kommissarinnen allerdings verbindet ist, dass beide keine Schauspiel-Ausbildung genossen haben.

Kommentar melden
  • HenryTT
  • Kommentar 2
  • 17.10.2011 19:18

Genau so ist es, und wenn ich diesen reißerischen Aufmacher (siehe oben) sehe, weiß ich schon wieder alles, was die heutige Medienlandschaft LEIDER ausmacht. Der Schreiber und seine Pornovisionen.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
Umfrage
Hier an weiteren Umfragen teilnehmen!
Tatort
WELCHE KOMMISSARIN SEHEN SIE AM LIEBSTEN?

news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige