Andrea Sawatzki TV-Zicke im Karrieretief

Andrea Sawatzki dreht ab: Im TV spielte sie gestern Abend eine fies-überzeichnete TV-Journalistin am Tiefpunkt ihrer Karriere. Mit news.de spricht die Ex-Tatort-Kommissarin über Let's Dance und darüber, dass man Schluss machen soll, wenn's nicht mehr läuft.

Dem TV-Publikum ist sie als Frankfurter Tatort-Kommissarin bekannt. Den Dienst hat sie vor einem Jahr quittiert. Seitdem zeigt Andrea Sawatzki, wie vielseitig sie ist. Mal ist sie die enttäuschte Ehefrau (Bella Vita), mal die Gerichtsvollzieherin (Mein Bruder, sein Erbe und ich). Gestern Abend trumpfte sie im ZDF-Film Das große Comeback als TV-Zicke auf, die einen abgehalfterten Schlagerstar - gespielt von Uwe Ochsenknecht - im Fernsehen schlecht aussehen lassen möchte. News.de traf die Schauspielerin in München zum Interview.

Andrea Sawatzki: Die Wandelbare

Frau Sawatzki, im ZDF-Film Das große Comeback spielen Sie Ute Meier-Thiel, eine TV-Journalistin, die für einen Auftrag mit ihrem Produzenten schläft und das Leid anderer für die Quote ausschlachtet. Gibt es so jemanden im deutschen Fernsehen?

Andrea Sawatzki: Äh, nein. (lacht) Die Figur ist sehr überzeichnet. Ihr Outfit und ihre Frisur ähneln der Hexe aus 101 Dalmatinern, die dann später in der Verfilmung von Glenn Close gespielt wurde. Trotzdem kann einen Ute Meier-Thiel an die Realität erinnern. Das ist gerade der Reiz: eine Comicfigur darzustellen, die trotzdem ab und zu in ihre Seele blicken lässt. Was an dem Film realistisch ist, ist die Panik vor dem Älterwerden – gerade von Frauen im Mediengeschäft. Und der Schlagersänger Hansi hat Panik davor, nicht mehr attraktiv genug zu sein und deshalb den Job zu verlieren. Der Film zeigt sehr gut, dass man einen Fehler macht, wenn man sich zu sehr daran hängt, noch einmal Erfolg zu haben, wenn man eigentlich schon beim Publikum abgeschrieben ist. Das starre Hinterherrennen hinter dem Erfolg tötet innerlich ab.

Würden Sie denn aufhören und etwas anderes machen, wenn Sie an diesem Punkt wären?

Sawatzki: Ja.

Und was?

Sawatzki: Das verrate ich nicht. (grinst breit) Aber ich bin da gerade in der Vorbereitung. Nicht, weil ich irgendwann nicht mehr drehen will, aber ich versuche alles aus mir herauszuholen, was ich kann in diesem Leben.

Ute Meier-Thiel dreht eine Dokumentation über den Schlagersänger Hansi Haller (gespielt von Uwe Ochsenknecht) und hofft, dass er scheitert. Ist das an echte Reality-Show-Formate angelehnt?

Sawatzki: Ute versucht schon, den Hansi so lächerlich wie möglich zu zeigen. Sie benutzt das Publikum, um für sich Erfolg zu haben. Ich glaube, es ist momentan sehr beliebt bei manchen Zuschauern, dass man andere Menschen beim Scheitern beobachtet. Zum Beispiel in Serien, wo Leute auswandern und es klappt nicht oder diese Restaurant-Ausscheidungsshows...

... oder Let's DanceLet's Dance ist eine TV-Show bei RTL. In der Sendung treten Prominente mit jeweils einem professionellen Tanzpartner in Standard- und Lateintänzen gegeneinander an. , wo sie ja dieses Jahr selbst mitgemacht haben...

Sawatzki: ... oder Let's Dance. Wobei das ja schon nochmal was anderes ist, da geht's ja nun wirklich ums Tanzen. Wenigstens zu Beginn. (lacht)

Haben Sie das bei Let's Dance so empfunden, dass es mehr ums Scheitern als ums Gewinnen geht?

Sawatzki: Ich hatte das vorher nie gesehen und habe das nur gemacht, weil ich sehr gern Tanzen lernen wollte. Ich bin aber zu früh ausgeschieden, um da zu persönlich zu werden und zu weinen oder so.

Das hätte aber für Quote gesorgt. Sie haben mit Doris Dörries Klimawechsel 2010 eine von den Kritikern sehr gelobte Serie gedreht und im Vorfeld gesagt: Wenn die Serie kein Interesse beim Publikum weckt, würden Sie umdenken müssen, was Ihre Bestrebungen in diesem Beruf betrifft. Nun war Klimawechsel nicht gerade ein Quotenrenner. Haben Sie sich Gedanken gemacht?

Sawatzki: Ja, wir waren schon alle sehr enttäuscht. Ich glaube aber, dass man solche Formate langfristig ansetzen muss, damit sich das Publikum daran gewöhnen kann. Dann hätte das funktioniert. Beim Festival des Deutschen Films zum Beispiel wurde neulich eine Retrospektive von mir gezeigt, von sehr vielen Filmen, die ich gemacht habe. Es waren 1000 Zuschauer da und beim Tatort gab es wiedererkennende Murmel-Laute. Bei Klimawechsel aber sind die Leute aufgestanden und haben geklatscht. Da dachte ich: Hä? Wo sind denn die ganzen Zuschauer gewesen? Das war komisch. Ich verstehe immer nicht, wie das mit der Quote läuft. Aber weil so viele Leute haben über die Serie gesprochen haben, wird das vielleicht irgendwann noch einmal mit einem ähnlichen Format versucht.

Glauben Sie wirklich, dass Sender und Produzenten den Mut haben, ein gescheitertes Format zu wiederholen?

Sawatzki: Bei der Lindenstraße zum Beispiel war es auch so, dass es anfangs gar nicht lief. Das hat Wochen gedauert, bis die Leute da eingeschaltet haben. Und die, die es gesehen haben, waren begeistert.

Sie haben kürzlich den Bayerischen Fernsehpreis bekommen.

Sawatzki: Ja, endlich. Der schönste Preis meines Lebens. Den wollt ich schon immer, weil ich aus Bayern komme. In unserem Arbeitszimmer haben wir ein Regal, wo die ganzen Preise stehen. Ich liebe Preise.

Sie arbeiten seit mehr als 20 Jahren als Schauspielerin. Wird man mit der Zeit besser oder ist die Schauspielerei einfach «nur» Talent?

Sawatzki: Ich denke, es ist Talent und die Bereitschaft, ständig Menschen zu beobachten und sich anzureichern mit Eindrücken davon, wie Menschen sich bewegen und wie sie sprechen. Man wird mit der Zeit aber nicht zufriedener mit sich. Ich gucke mir meine Filme einmal an und das war's dann.

Andrea Sawatzki ist am Donnerstag, 13. Oktober 2011, ab 20.15 Uhr in dem ZDF-Film Das große Comeback zu sehen. Darin spielt sie eine Reality-TV-Redakteurin, die eine Reportage über den abgehalfterten Schlagerstar Hansi Haller (Uwe Ochsenknecht) dreht.

Hier geht's zum Interview mit Uwe Ochsenknecht.

car/news.de

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Tvlästerer
  • Kommentar 1
  • 14.10.2011 10:25

Was reizt die Leute eigentlich an Steven Kings fleischgewordenem "Es"?

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