Thriller im TV Tobias Moretti auf Verrätersuche

Amigo - Bei Ankunft Tod (Foto)
Als BKA-Chef Fredo Kovacs (Jürgen Prochnow, rechts) dem gesuchten Amigo (Tobias Moretti) eine Falle stellt, nimmt der ihn kurzerhand als Geisel. Bild: ZDF

Jahrzehnte nach einem Mord holt die Vergangenheit Amigo Steiger ein. BKA-Ermittler spüren ihn in Neapel auf. Rache, Liebe und schmerzliche Verluste verbinden sich im ZDF-Film Amigo - Bei Ankunft Tod zu einer explosiven Mischung.

Die deutsche Sicht auf den linksextremistischen Terror der 1970er Jahre beschränkte sich in jüngerer Vergangenheit meist auf Spielfilme wie Der Baader-Meinhof-Komplex - dabei wird mitunter vergessen, dass Täter wie Opfer immer noch Teil bundesrepublikanischer Realität sind und ihre Konflikte weiterhin mit sich herumtragen.Oft verschwindet dabei auch aus dem Blick, dass Länder wie Italien unter ähnlichen Phänomenen leiden mussten. Regisseur Lars Becker setzt mit seinem Film Amigo - Bei Ankunft Tod einen Kontrapunkt. Er schlägt eine Brücke zwischen Neapel und Hamburg, schafft eine Verbindung zwischen alten und neuen Wunden.

«Die anderen Zeiten holen uns ein», heißt es einmal im Film - eine passende Losung für den etwas anderen Krimi, den das ZDF heute Abend zeigt. Kriminalautor und -regisseur Becker (NachtschichtTatort) geht darin der jüngeren europäischen Geschichte und ihrer Relevanz für die heutige Zeit auf den Grund.

Uwe Ochsenknecht
Der etwas andere Frauenschwarm

Amigo Steiger (Tobias Moretti) hat sich nach seiner Zeit in der linksmilitanten Szene um die RAF herum in Italien als einfacher Bauer niedergelassen, wird aber jäh aus seiner scheinbaren Ruhe herausgerissen, als ein Spezialkommando unter der Führung von Fredo Kovacs (Jürgen Prochnow) seine Verhaftung erzwingen will. Die Aktion misslingt, Amigo kann flüchten. Es folgt eine Verfolgung zwischen Hansestadt und Süditalien.

Becker fächert zu Anfang eine Vielzahl von Handlungssträngen auf: Amigos alter Weggefährte, der Verleger Alexander Bosch (August Zirner), wird aufgrund eines kritischen Islambuches bedroht. Fritz Declair (Uwe Ochsenknecht) wiederum - ehemaliger linksextremer Kumpan der beiden und heute Jurist - ist mit der Verteidigung von Boschs straffälligem Stiefsohn Rio (Kostja Ullmann) beschäftigt.

Im Laufe des Films knüpft Becker die verschiedenen Schauplätze wieder zusammen, und die Charaktere erfasst der Sog der nichtverarbeiteten gemeinsamen Vergangenheit. Weitere Verstrickungen in die terroristischen Aktivitäten werden offen gelegt, und die Jagd auf Amigo Steiger wird zur Darstellung existenzieller Lebenslügen.

Der versierte Filmemacher Becker versteht es mit seinen hochrangigen Darstellern, eine packende Geschichte zu erzählen, Figuren zu entwickeln und das Thema der Vergangenheitsbewältigung aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten. Der ständige Wechsel der Handlungsebenen, Orte und Figurenkonstellationen gibt dem Film eine zügige Dynamik, die einen über anderthalb Stunden fesselt.

Jedoch übernimmt sich der Film mit der komplexen Themenstellung ein wenig und kann nicht alle Facetten angemessen darstellen, manches wirkt gehetzt und oberflächlich. Dennoch ist Amigo - Bei Ankunft Tod ein spannender Krimi, ohne dabei gängige Genrekonventionen zu strapazieren.

Am späteren Abend geht es im Zweiten weiter mit einem weiteren Thriller: Marshal Tommy Lee Jones jagt in dem US-Actionstreifen Auf der Flucht den Häftling Harrison Ford.

Bestes Zitat: «Was soll ich sagen? Dein Vater war bei der RAF und hat Leute umgebracht?» (Maxime auf die Frage, ob ihr Sohn wisse, wer sein Vater sei=

Titel: Amigo - Bei Ankunft Tod
Regie: Lars Becker
Darsteller: Tobias Moretti, Jürgen Prochnow, Florian David Fitz und andere
Sendetermin: Montag, 10. Oktober 2011, 20.15 Uhr, ZDF

Um 22.15 Uhr zeigt das ZDF den Thriller Auf der Flucht mit Harrison Ford

car/news.de/dpa

Leserkommentare (0) Jetzt Artikel kommentieren
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige