«Maischberger» Eine Schlampe zwischen Gockel und Feministin

Zu einem Talk über Emanzipation gehört Alice Schwarzer wie das Salz in der Suppe. Mit Lady Bitch Ray als vermeintlicher Schlampe, Sonya Kraus als Männerfantasie und Wolfgang Grupp als männlichem Steinzeitexemplar war die Runde perfekt besetzt.

Lady Bitch Ray (Foto)
Lady Bitch Ray ging kontrovers zu Werke. Bild: news.de-screenshot (zattoo.com/ARD)

Sandra Maischberger startet ihre Sendung mit einer Märchenstunde, so scheint es zumindest. Alice Schwarzer präsentiert Geschichten aus längst vergangenen Zeiten. Nichts, was nicht auch in ihrer Biografie Lebenslauf stehen würde, beispielsweise, dass die erste Liebe der Alice Schwarzer ein Mann war, ein Franzose mit dem Namen Bruno. Schwarzer erläutert, wie sie wurde, was sie ist, von der Presse verschrien als «Schwanz-Ab-Schwarzer», «Männerschreck» und dergleichen mehr.

Diese warmen Werbeworte sind als Ouvertüre für eine Diskussion gedacht, die sich dem Stand der Emanzipation annehmen soll. Die Rollen sind dabei nahezu perfekt besetzt. Für (fast) jedes Klischee findet sich ein Gast. Neben der bereits erwähnten Schwarzer, jener unantastbaren, aber stets gutmütigen Koryphäe des Feminismus, platziert sich Journalistin Gisela Marx als zweite Hardlinerin.

Perfekte Rollenverteilung

Bei der Rolle der vermeintlichen Schlampe entschied sich die Maischberger-Redaktion für Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray. Die hat mit ihrer derben Art bestimmt bei so manchem ARD-Zuschauer für den einen oder anderen Schreckmoment gesorgt. Wolfgang Grupp, der einzige Mann in der Damenrunde, ist hingegen nur aus einem Grund eingeladen: Er soll für Krawall sorgen. Mit seiner poltrigen Art vertritt er die Devise: Frauen gehören an den Herd. Und weiter: Schon von Natur aus seien Unterschiede und Geschlechterrollen klar vorgegeben.

Er versucht das positiv aussehen zu lassen, indem er behauptet, das wäre sowieso der härtere Job. Den härtesten Job hat er allerdings heute allein. Und das trotz eines Egos, das das Fernsehstudio locker füllen könnte. Doch allein gegen fünf Frauen redet sich Grupp den Mund fusselig. Jedes Mal, wenn er das Wort «Abhängigkeit» ausspricht, tönt ihm der empörte Frauenchor entgegen, den drohenden Finger durch die Luft schwenkend. Bei Herrn Grupp wird der  Geschlechterkampf eben schnell zum Geschlechterkrampf. Dafür ist er ja auch da.

Eine Blondine verplappert sich

Doch die Runde wäre nicht komplett, wenn nicht eine echte Blondine anwesend wäre, die von sich selbst sagt: «Ich bediene Männerfantasien.» Die Rolle soll TV-Moderatorin Sonya Kraus übernehmen. Macht sie aber nicht. Dafür plappert sie ein kleines Geheimnis aus und sorgt somit für einen Höhepunkt, der leider komplett untergeht. Die Maischberger-Redaktion hat sie bei ihrer Einladung tatsächlich darum gebeten, in einem ihrer typischen (knappen) Pro7-Outfits zu erscheinen.

Alice Schwarzer: Flintenweib und Feministin

Alles nicht so wild, es hätte der Anschaulichkeit gedient, meint die Gastgeberin. Kraus' kecke Antwort: «Das ist doch nicht meine Quote!» Ist es schon soweit bei den ARD-Talkshows, dass mit knappen Kleidchen das Publikum gebunden werden soll? Einen Versuch wäre es allemal wert.

Wenigstens Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray hat das Negligé angezogen, rückt das Dekolleté zurecht und stellt in diesem Augenblick fest: «Es ist überhaupt nicht akzeptiert, wenn eine Frau sexy und erfolgreich ist. Ich will die Pornografie verweiblichen, will offen über ihre Geschlechtsorgane reden.» Das ist ein perfekt inszenierter Auftritt.

Dass am Ende das Fazit steht: «Frauenbilder sind so vielfältig, wie die Frauen selbst», gerät da zur Nebensache. Von einer gekünstelten Talkrunde war, da niemand (bis auf Frau Kraus) aus seiner Rolle fiel, nicht mehr zu erwarten. Zumindest inhaltlich. Der Unterhaltungsfaktor hingegen stieg in ungeahnte Höhen.

Bestes Zitat: «Ich bin die Erfinderin der Klitoris.» (Alice Schwarzer kontert Lady Bitch Ray)

cvd/news.de

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Leserkommentare (4) Jetzt Artikel kommentieren
  • Co Jones
  • Kommentar 4
  • 29.09.2011 01:33

Eine Klasse Sendung fand ich. Die Mutter der Klitoris, wohl eher die Großmutter, oder sahen die schon immer so aus, diskutiert mit einer Klitoris, pardon mit einer, die über ihre Klitoris diskutieren möchte und sich darüber definiert. Hätte Alice Schwanzab es noch geschaft das Wort Autobahn einzubauen, wäre ihr höchste Fernblindweihen zu teil geworden. So war es nur eine peinliche Prostitution auf Krawall gebürsteter Weiber und mittendrin eine überforderte Moderatorin und deplazierter Burladinger Unternehmer. Grupp hätte durch Hagen ersetzt gehört, dann wäre das ganze oral abegschlossen worden

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  • Maria 55
  • Kommentar 3
  • 28.09.2011 21:34
Antwort auf Kommentar 1

Hi Martin, bis auf der starken Frauquote 1:4 hast du recht, inhaltlich war die Sendung leider sehr schwach. Von Fr. Maischberger bin ich eigentlich besser Sendung gewöhnt. Stellt sich de Frage was sind unser Kinder uns Wert. Wollen wir so ein leben wie Fr; Schwarzer oder Fr. Merkel wo Karier über alles zählt oder ein Leben mit Inhalt und Verantwortung wo eigene Kinder dazu gehören. Ich glaube wenn der Lebensabend kommt sind solche Typen wie Schwarzer und Merkel Menschlich arm dran, das wiegt auch nicht die viele Kohle auf

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  • Buntstift
  • Kommentar 2
  • 28.09.2011 20:56

Schwarzer ist schon längst mega-out. Ihr zum Verkauf ihres neuen Buches eine minutenlange Plattform zu bieten, ist eine Unverschämtheit der ARD. Jounalistisch ist Schwarzer eine absolute Fehlbesetzung - Beispiel Kachelmann-Prozess. Grupp bleibt Grupp, vom Outfit bis zur patriarchaischen Einstellung. Ihn einzuladen heisst zu wissen, "was kommt". Der Rest der "Damen" bot uns einen Vorgeschmack auf die vielbeschworene "Frauenquote". Derartige Querschlägerinnen werden uns künftig in Unternehmen und natürlich auch in den Medien vermehrt "begegnen". "Fetzige Unterhaltung" ist also garantiert.

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