ZDF-Drama Gerichtsvollzieherin verliebt sich in Klienten

Carla ist mit ihrer Tochter und ihrem Job als Gerichtsvollzieherin überfordert. Als sie sich dann noch in den Mann, bei dem sie zwangsvollstrecken muss, verliebt, gerät ihr Leben komplett aus den Fugen. Ich habe es Dir nie erzählt ist ein großartiger Film.

ZDF-Film (Foto)
Carla (Barbara Auer) wirft Andi ((Roeland Wiesnekker) vor, dass er wieder trinkt. Bild: ZDF

Es gibt Filme, die es dem Zuschauer sehr schwer machen, sich mit den Hauptdarstellern zu identifizieren - zu unsympathisch kommen sie rüber. Eigentlich ein großes Manko für den Erfolg jedes Filmes. Es kann aber auch seine große Stärke sein: Wenn sich aus dieser Abwehrhandlung im Laufe des Geschichte doch noch Empathie oder sogar Sympathie entwickelt, kann der Film einen bleibenden Eindruck hinterlassen – sogar einen viel tiefergreifenderen als bei Filmen, die es den Zuschauern einfacher machen.

Von Einsamkeit aufgefressen

Ich habe es Dir nie erzählt ist solch ein Film, der einen erst einmal nicht so richtig packen will, um einen dann doch noch mit all seiner Wucht zu erwischen. Carla (Barbara Auer) ist auf den ersten Blick alles andere als eine sympathische Person. Sowohl privat als auch beruflich strahlt sie eine Eiseskälte aus. Zu ihrer 14-jährigen Tochter, die sie alleine großzieht, ist sie oft sehr hart. Auch ihren Klienten gegenüber, sie ist Gerichtsvollzieherin, tritt sie harsch auf. Doch im Laufe des Films wird klar, dass Carla am härtesten zu sich selber ist. Sie ist völlig überfordert mit ihrem Leben. Nach außen mimt sie die taffe Frau und Mutter, die aber innerlich von ihrer Einsamkeit aufgefressen wird. Statt sich selbst zu bemitleiden, hat sie einen Schutzwall aufgebaut. Sie lässt niemanden an sie heran – noch nicht einmal sich selbst.

«Ich habe es dir nie erzählt»: Das passiert im ZDF-Montagsfilm

Nur in der Musik, sie spielt Akkordion, scheint Carla ihre Gefühle ausleben zu können. Im
Orchester lernt sie Andi (Roeland Wiesnekker), der neue Hausmeister der Schule ihrer Tochter, kennen und verliebt sich in ihn. Erstmals bröckelt ihre Fassade, mehr und mehr legt sie ihren Gefühlspanzer ab. Doch schon bald muss sie erkennen, dass auch Andi mit etlichen Problemen zu kämpfen hat: Seine Ex-Frau will das alleinige Sorgerecht für seine fünfjährige Tochter Lucy einklagen. Weil er seinen Job als EDV-Fachmann verloren hat, plagen ihm finanzielle Nöte, mit den Unterhaltszahlungen ist er im Rückstand. Zudem ist er Alkoholiker. Zwar ist er seit drei Jahren trocken, aber seine aktuelle Situation lässt die Gefahr eines Rückfalles immer größer werden.

Carla fällt es schwer, Andi zu vertrauen. Als sie von ihrer Tochter fälschlicherweise erfährt, dass er wieder trinkt, baut sie sofort wieder den Schutzwall um sich herum auf und trennt sich von ihm. Als sie dann ausgerechnet als Gerichtsvollzieherin Andi seine Tochter wegnehmen muss, scheint ihr Glück mit Andi endgültig begraben. Und dann muss sie sich auch noch eingestehen, dass sie ihr Leben lang ihre eigene Tochter belogen hat.

Leben zweier gebrochener Menschen

Regisseur Johannes Fabrick ist mit Ich habe es dir nie gesagt ein Drama gelungen, das unter die Haut geht – was vor allem der schauspielerischen Leistung der beiden Hauptdarsteller zu verdanken ist. Beide spielen authentisch und berührend. Der Film driftet nie ins Pathetisch-Melodramatische ab. Es sind die leisen Töne des Films, die einen beeindrucken.

Die große Stärke des Films: Er urteilt nicht über Carla und Andi, schwingt nicht die moralische Keule über sie. Er bildet nur das Leben zweier gebrochener Menschen ab, die in ihrem Leben viele Fehler gemacht haben, aber einfach auch vom Schicksal gebeutelt sind. Im Drama geht es nicht um Schuld, sondern um die Tragik von Lebensläufen und der tiefen menschlichen Sehnsucht nach dem Glück.

Am Ende des Films wünscht man sich, dass Carla und Andi eine zweite Chance erhalten, weil sie einem im Laufe des Films trotz all ihrer Fehler so sympathisch geworden sind.

Bestes Zitat: «Für mich fühlt es sich scheiße an, wenn ich mich in der Badewanne verstecken muss.» (Carla/Barbara Auer)

Titel: Ich habe es dir nie erzählt
Regie: Johannes Fabrick
Darsteller: Barabra Auer, Roeland Wiesnekker, Lilli Lupper
Sendetermin: Montag, 26. September 2011, 20.15 Uhr, ZDF

car/news.de

Bleiben Sie dran!

Wollen Sie wissen, wie das Thema weitergeht? Wir informieren Sie gerne.

Leserkommentare (3) Jetzt Artikel kommentieren
  • ceejay
  • Kommentar 3
  • 27.09.2011 00:10

In der Tat ein hervorragender Film. Aber wieder einmal frage ich mich, wann wohl Ihre Mitarbeiter den Unterschied zwischen Filmankündigung, Inhaltsangabe und Rezension begreifen werden. Wer diese Ankündigung gelesen hat, braucht den Film nicht mehr zu sehen. Weniger wäre auch hier wieder einmal deutlich mehr gewesen!

Kommentar melden
  • Die Redaktion
  • Kommentar 2
  • 26.09.2011 14:35
Antwort auf Kommentar 1

Hallo berniboy, vielen Dank für den Hinweis, wir haben das Datum korrigiert. Herzlichst, Ihre news.de Redaktion

Kommentar melden
  • berniboy
  • Kommentar 1
  • 26.09.2011 13:53

Montag, 29.September 2011, 20.15 Uhr, ZDF ??????????

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig