Angela Merkel Auch eine Kanzlerin hat Gefühle

Die sonst so kontrollierte Bundeskanzlerin wird von Günther Jauch mit einer sehr privaten Frage in die Bredouille gebracht. Und auch sonst ist es ein Abend der kleinen Gefühlsregungen. Immerhin kann Angela Merkel auch lächeln.

Angela Merkel (Foto)
Angela Merkel zeigt Günther Jauch ein Lächeln. Bild: dapd
Die 15 Talkshowkönige

Sie ist nicht gerade als die emotionalste Frau bekannt: Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie hat Tausende öffentliche Auftritte absolviert und doch muss man lange suchen, bis man eine unkontrollierte Reaktion von ihr findet. Und dann das: Kurz vor Ende der Sendung fragte Günther Jauch eine seiner ellenlangen Fragen und erwähnte, dass ihr Vater vor drei Wochen gestorben sei. Angela Merkel hatte kurz Tränen in den Augen.

Die Frage hätte so sicher nicht sein müssen. Sie war der Teil, den Jauch aus Stern TV herüber in die politische Diskussionsrunde gerettet hat. Und dass er Merkel im Wissen um diesen privaten Trauerfall eingangs fragt, ob sie «ein glücklicher Mensch» sei, ist zwischenmenschlich ein kapitaler Patzer des ansonsten sehr routinierten Multientertainers Jauch.

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Die menschelnden Fragen sind allerdings auch die einzigen, die die Kanzlerin überhaupt aus ihrer Komfortzone hätten locken können. Getan haben sie es nicht. Da Jauch meist drei Fragen auf einmal stellt, muss sich die Kanzlerin nicht sehr mühen, um einfach nur die ihr genehmste zu beantworten. Im Fall der Frage nach ihrem christlichen Elternhaus ist das ein Loblied auf ihre Eltern, die ihr in schwierigen Zeiten immer den Rücken stärkten.

Doch es ist nicht alles so einfach im Schöneberger Gasometer, wo die Sendung aufgezeichnet wird. Merkel hat erkennbare Mühe, eine von Jauch hervorgekramte olle Kamelle unschädlich zu machen. Gemeinsam mit Peer Steinbrück hatte sie im Oktober 2008 erklärt, dass deutsche Anleger keine Angst um ihre Spareinlagen haben müssten. Jauch will wissen, ob sie die Meinung von Ex-Finanzminister Peer Steinbrück von einem «Ritt auf der Rasierklinge» teilt. Teilt sie nicht, aber es knistert knappe zwei Minuten heftigst unter der Glaskuppel.

Der Abend ist für Angela Merkel ein gutes Stimmungsbild, denn die knapp 300 Zuschauer sind durchaus wählerisch mit ihrem Applaus und reagieren schon mal mit einem pikierten «Hohoho», als Merkel die zuletzt sehr geringe Zahl an einsatzwilligen Wehrpflichtigen mit etwas verqueren Worten kritisiert. Als sie eine 180-Grad-Kehrtwende in Sachen Euro-Rettungsschirm erklären will, stöhnen die Zuschauer in der Kuppel gar hörbar auf.

Der Zuschauer vor dem Fernseher konnte Angela Merkel mit allen kleinen Schwächen sehen, etwas Rechthaberisches hier, ein wenig Eingeschnapptsein da. Auch die Kanzlerin ist ein Mensch wie jeder andere. Da müssen gar keine Tränen als Beweis herhalten.

cvd/news.de

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Leserkommentare (2) Jetzt Artikel kommentieren
  • Wahrheitspapst
  • Kommentar 2
  • 26.09.2011 14:43

Auf die Frage was passieren würde wenn die Verpflichtung aus dem Rettungsschirm den sie dieser Tage gegen die Bürgermeinung durchzeihn will - Tatsachen würde bzw. zur Auszahlung verpflichtet, hat sie nicht beantwortet. Klar Antwort verweigert. Denn sie hätte sagen müssen dass dann die Renten der Deutschen noch mehr und die Sozialhilfe womöglich ganz gestrichen werden müsse. Widerliche PErson diese Lügenalge.

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  • Buntstift
  • Kommentar 1
  • 26.09.2011 13:20

Alles in allem eine "Unterhaltungssendung", in der man die in den Medien breitgetretenen Details als "Kurzfassung" geboten bekam. Jauch kann fragen, Merkel antworten. Neues war von diesem Talk ohnehin nicht zu erwarten. Abarbeiten können sich an Merkel nun die "Standard-Kritiker", denen dann im Zweifel die Jackenfarbe der Kanzlerin zu schrill rüberkam. Europa ist in einer wachsenden Krise. Sieht man sich die Alternativen im Parteienspektrum an und stösst auf Gabriel, Nahles, Steinbrück, Steinmeier, sucht man vergebens nach einem "Kopf", dem man die Lösung der Probleme eher zutraut. Leider!

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