«Günther Jauch» Die Kanzlerin und der Schelm

Günther Jauch mit Angela Merkel (Foto)
Günther Jauch ist für seine schelmische Art bekannt, Angela Merkel eigentlich nicht. Bild: dapd

Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Günther Jauchs Sonntags-Talkshow ist noch jung, und schon ist Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gast. In der Eurokrise gibt sie sich staatstragend und unerschütterlich. Und beim Thema Berlusconi kann sie sich ein Kichern nicht verkneifen.

Für den normalen Bürger fühlt es sich so an, als ginge es seit 2008 stetig bergab und niemand könne helfen. Selbst die Kanzlerin weiß nicht, was sie gegen die ständigen Krisen tun soll. Oder? Der neuerdings wichtigste politische Talker der Nation, Günther Jauch, will das in seiner Sendung am Sonntagabend überprüfen und hat das Glück, dass Angela Merkel sich seinen Fragen höchstpersönlich stellt. «Eine besondere Sendung», kündigt Jauch an und soll Recht behalten.

Er spielt dabei seinen Part sehr geschickt - Jauch versetzt sich in die Rolle des Normalbürgers, stellt sich ein wenig dümmer als er ist, schimpft auf Griechenland und gibt sich kritisch, ohne je aggressiv zu werden. Aber auch Merkel ist gut drauf, sie erklärt geduldig, wieso sie den Rettungsfonds erhöhen muss, sie tritt für Europa und die gemeinsame Währung ein und sie antwortet (meist) offen und direkt. Gute Voraussetzungen für ein gutes Gespräch.

Angela Merkel
Von der Pastorentochter zur Kanzlerin

Für Merkel ist das Klartext

Jauch beginnt forsch: «Können Sie die Krise meistern?», fragt er die Kanzlerin gleich zu Beginn. Da hält sich die Kanzlerin noch zurück und spricht vorsichtig von «besonderen Maßnahmen», die zu ergreifen sind, gibt aber auch zu, dass Deutschland und Europa zu lange über die Verhältnisse gelebt haben und damit nun Schluss sein müsse. Klare Frage, klare Antwort (zumindest für Merkels Verhältnisse).

Also weiter. «Sollten Sie keine eigene Mehrheit bekommen», fragt Jauch in Bezug auf die Bundestagsabstimmung über den Rettungsfonds, «wäre es dann Zeit für Neuwahlen?» Puh, darüber möchte die Kanzlerin dann doch noch nicht sprechen. «Ich bin ganz optimistisch, eine Mehrheit zu bekommen», sagt sie. Thema erledigt.

Aber um Neuwahlen soll es auch nicht gehen, sondern um die Rettung des Euros. Also sprechen Günther Jauch und Angela Merkel über Bürgschaften, über Eurobonds, über den Rettungsschirm und über die deutschen Steuermilliarden, die Jauch verloren sieht, während Merkel guter Dinge ist, alles irgendwann mit Zinsen zurückgezahlt zu bekommen.

Krise, Krise, Krise

Zuversicht ist wichtig in der Krise und die Kanzlerin gibt sich Mühe, vor den durchschnittlich 4,3 Millionen Zuschauern zuversichtlich zu wirken. Und während man ihr so zuhört, muss man Angela Merkel, ganz unabhängig von eigenen politischen Präferenzen, zugestehen, dass sie weltpolitisch in einer verdammt schwierigen Phase Bundeskanzlerin geworden ist. Das wird einem an so einem Abend, wo sie über Finanzkrise, Weltwirtschaftskrise und Staatsschuldenkrise, über Lehman Brothers, Opel und Griechenland spricht, deutlich vor Augen geführt.

All diese Krisen hinterlassen auch eine Kanzlerin mal ratlos. Zum Beispiel als Jauch behauptet, die Griechen werden ihre Schulden nicht zurückzahlen können. Da verstummt die Kanzlerin. Was soll man darauf auch sagen? Sie entscheidet sich für ein halbherziges: «Das mag Ihre Ansicht jetzt sein.» Woraufhin Jauch entgegnet: «Ich bin ja nicht ganz alleine.» Einer der Höhepunkte der Sendung und vielleicht das erste Mal, dass Jauch in seiner Talkshow das Versprechen einlöst, für das ihn die ARD geholt hat - seine flapsig-schelmische Art kann ein trockenes, politisches Gespräch auflockern.

Die Kanzlerin kichert

So bringt Jauch die nicht für ihren Humor bekannte Kanzlerin wenig später mit einem Spruch über Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi zum Kichern, das gelingt ihm später noch einmal, als er die Kanzlerin fragt, ob sie sich manchmal die Große Koalition zurück wünscht und ihr vor der Antwort noch mitgibt: «Sie dürfen ruhig schwindeln.»

Leider rutscht die Sendung durch solche Witzchen ganz am Ende etwas zu sehr ins Alberne ab. Erst holt sich die Kanzlerin, angeheizt von Jauchs Sprüchen, ein paar Lacher im Publikum ab. «16 Prozent eines Jahrgangs haben zuletzt noch Wehrdienst geleistet, 25 Prozent Zivildienst. Vom Rest will ich nicht reden, der wird ja nicht für alles untauglich gewesen sein...», sagt Merkel und grinst verschmitzt. Dann muss Jauch noch einen drauf setzen. Als die Bundeskanzlerin über eine abgelehnte Bewerbung beim Bundespresseamt Anfang der 1990er spricht, unterbricht er sie: «Und so hat sich ja dann tatsächlich am Ende doch noch ein Job für Sie gefunden.» Wie gut, dass die Sendezeit da schon so gut wie vorbei war.

Bestes Zitat: «Ich stelle mir immer vor, dass der Berlusconi plötzlich über unsere nationalen Frauenförderprogramme entscheidet.» (Günther Jauch hat Angst vor der Aufgabe deutscher Souveränitätsrechte)

Die komplette Sendung im Stream in der ARD-Mediathek.

cvd/news.de

Leserkommentare (50) Jetzt Artikel kommentieren
  • Longus
  • Kommentar 50
  • 30.09.2011 00:22

R. kann noch so viel schreiben wie er will, aus all seinem geschreibsel spricht die wut des verarschten, der das nicht verkraften kann u. nun dem irrsinn verfallen ist. Er merkt es selber aber nicht mehr.

Kommentar melden
  • Siegfried Kunze
  • Kommentar 49
  • 29.09.2011 16:22
Antwort auf Kommentar 47

Das Zitat war satirisch gemeint,und war auf Ihren spez. Fall zugschitten Ihre Erkärung interessiert mich herzlich wenig, da sie bekannt ist. Sie, der Beförderer positiven Sinns? Das ist doch nur die Selbstdarstellung Ihres krankhaften Größenwahns,nur leere Worthülsen sonst nichts an Ihrer kaputten Ideologie ändert das nichts. Aber fleißig ist der "Heilsbringer", verbreitet sein Gift flächendeckend, aber irgendwann wird auch die größte Giftspritze leer... Ich warte schon auf den nächsten Unsinn. Achtung ist geboten,wenn jemand Achtung verdient, das aber kann ich bei Ihnen nicht sehen!

Kommentar melden
  • loddel
  • Kommentar 48
  • 29.09.2011 15:37
Antwort auf Kommentar 9

Jauch selbst kokettiert damit, dass er ein mittelmäßiger Schüler mit einem entsprechenden Abitur war. Er ist ein überbezahlter Schwätzer, ebenso wie Kerner. Mit Dampfplauderei kann man in D. Millionen scheffeln, ohne wirklich etwas leisten zu müssen.

Kommentar melden
Kommentar schreiben  Netiquettelink | AGB
noch 600 Zeichen übrig
Anzeige
news.de auf Facebook
Follow us on Facebook!
News.de auf Twitter
Follow us on Twitter!
Anzeige