Ökothriller bei RTL Killerstrudel vor der Nordseeküste

RTL-FIlm (Foto)
Tom Jäger (Hannes Jaenicke) und Marie Niklas (Bettina Zimmermann) in voller Fahrt. Bild: RTL/Wolfgang Ennenbach

Von news.de-Mitarbeiter Lutz Granert
In der Nordsee verschwinden Schiffe spurlos. Gaseinlagerungen unter dem Meeresboden verursachen einen Strudel, der alles verschlingt. Hannes Jaenicke und Bettina Zimmermann kommen in einem Ökothriller dem Bermuda-Dreieck Nordsee auf die Spur.

«Riesige Gasblase könnte Nordsee-Kutter versenkt haben: Ein britischer Fischkutter soll in der Nordsee von riesigen Gasblasen versenkt worden sein. Die Stelle ist als Hexenloch berüchtigt.
Wissenschaftler der Universität Sunderland vermuten, dass die Fischer auf hoher See einen Tod wie im Horrorfilm fanden: Ohne dass ihr Schiff leck schlug oder kenterte, wurde es plötzlich vom Meer verschluckt und sank wie ein Stein auf den Grund. Ein ähnliches Phänomen habe möglicherweise zum spurlosen Verschwinden so vieler Schiffe im Bermuda-Dreieck geführt.» So berichtete die Nachrichtenagentur dpa am 30. November des Jahres 2000.

Mehr als zehn Jahre später plant die Bundesregierung, unterirdische Lagerstätten für Kohlendioxid (CO2) zu erproben, und sieht dain eine Waffe im Kampf gegen den Klimawandel. Doch das Vorhaben ist vorerst gescheitert: Am Freitag fand der Gesetzentwurf der Regierung keine Mehrheit im Bundesrat. Vor allem in Nord- und Ostdeutschland, wo potenzielle Speichergebiete liegen, gibt es massiven Widerstand. Kritiker fürchten ein unkontrolliertes Entweichen des Gases. Soweit die Realität.

«Bermdua-Dreieck Nordsee»
Das passiert im Ökothriller

RTL ergreift in dem Thriller Bermuda-Dreieck Nordsee zu beiden Themen Partei und appelliert nicht zuletzt in einem pathetischen Off-Kommentar an das ökologische Gewissen. Die Profitgier und Gewissenlosigkeit eines Energieanbieters wird in dem Film angeprangert, die Mitglieder einer Umweltschutzorganisation sind die wahren Helden im Kampf um die Natur. Doch bevor diese Botschaften am Ende der satten 138 Minuten Laufzeit in einem Off-Kommentar präsentiert werden, muss der Zuschauer einen absurden Plot durchstehen, der mit stumpfen Klischees nicht geizt.

Auf einer Bohrinsel des Energieunternehmens Global Senergy soll in wenigen Tagen mit der Einlagerung von CO2 in scheinbar leeren Gasfeldern unterm Meeresboden begonnen werden. Sarah (Josefine Preuß), Spionin für die Umweltschutzorganisation Green United, deckt jedoch merkwürdige Vorfälle auf, die mit dem spurlosen Verschwinden zahlreicher Schiffe in der Nordsee in den vergangenen Tagen zu tun haben. Bevor sie diese Informationen jedoch weitergeben kann, wird sie von Sicherheitsmännern der Firma festgesetzt. Nun ist es an ihrem Stiefvater Tom (Hannes Jaenicke) und der hellhörigen Ex-PR-Mitarbeiterin Marie (Bettina Zimmermann), eine Katastrophe, bei der nach der Explosion einer Gasblase ein riesiger, alles verschlingender Strudel droht, abzuwenden.

Klimawandel
«Jaenicke allein reicht nicht»
Video: Unitec

Hannes Jaenicke gibt als Mann der Taten, der mit raubeiniger Attitüde einen deutschen Bruce Willis zwar nicht die Welt, aber die Besatzung eines Luxusliners retten muss, der Richtung Strudel steuert. Bettina Zimmermann spielt seine adrette, aber auch biestige Gefährtin, die nach der Entlassung bei ihrem ehemaligen Arbeitgeber wie selbstverständlich tiefer gräbt. Natürlich hält das einfallslose Drehbuch für beide eine unglaubwürdige Liaison bereit, die sie beim ersten Kuss unfreiwillig komisch mit «Flieg' los – oder ich schreie» kommentiert. Auch ein Mythos vom verschlingenden «Hexenloch» in der Nordsee, ein brüllender und mordender Security-Mitarbeiter und das durch Methan-Einschlüsse im Meeresboden erzeugte Katastrophenfilm-Szenario in den letzten 20 Minuten des Films wirken unfreiwillig komisch, da vollkommen überkonstruiert.

Mit 5,7  Millionen Euro Produktionskosten ist das Event-Movie Bermuda-Dreieck Nordsee nicht gerade ein Schnäppchen. Umso erstaunlicher, wie wenig Geld anscheinend in das überladene und überkonstruierte Drehbuch gesteckt wurde. Doch was beim Inhalt gespart wurde, kam der aufwändigen Inszenierung zugute. Zahlreiche Luftaufnahmen, eine Kamera, die ständig in Bewegung ist, schnelle Schnitte, gut choreografierte Actionsequenzen und die penetrante, streicherlastige Musikuntermalung erinnern durchaus an Hollywood.

Doch leider weisen auch die pathetischen Zeitlupen bei den US-Filmen eines Michael Bay unter ihrer Funktion der emotionalen Manipulation des Zuschauers keine tiefere Bedeutung auf. Etwas Entschlackung und mehr Sachlichkeit fernab der schicken Optik hätten Bermuda-Dreieck Nordsee durchaus gut getan. Das ist bei einem solch politisch brisanten Thema wie der unterirdischen Einlagerung von Kohlenstoffdioxid, das hier aufgegriffen wird, nicht nur schade, sondern ärgerlich.

Bestes Zitat: «So hat's auf der Titanic auch angefangen. Da haben die Funker auch gepennt.» (ein Umweltaktivist über den Luxusliner MS Dreampool, der nicht zu erreichen ist.)

Titel: Bermuda-Dreieck Nordsee
Regie: Nick Lyon
Darsteller: Hannes Jaenicke, Bettina Zimmermann, Josefine Preuß, Gudrun Landgrebe, Karoline Eichhorn und weitere
Sendetermin: Sonntag, 25. September 2011, 20.15 Uhr, RTL

car/news.de

Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • Ritchi
  • Kommentar 1
  • 25.09.2011 16:45

Schön zu sehen, dass auch umweltengagierte Leute die CO2-Verpressung angreifen. Wer kam bloß auf diese absurde Idee? 1. CO2-Verpressung reduziert den ohnehin jämmerlichen Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken nochmals erheblich. 2. CO2-Verpressung erhöht den Verbrauch von nicht erneuerbaren Ressourcen, obwohl eine Verbrauchssenkung unser höchstes Ziel sein sollte. 3. Verpresstes CO2 ist nicht weg, es kann jederzeit wieder in die Atmosphäre entweichen (bei KKWs verschwindet der radioaktive Abfall nach vielen vielen Jahren, CO2 baut sich nicht von selbst ab). 4. Strom wird noch teurer.

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