«Beckmann» Wie weit dürfen sie gehen, um Maddie zu finden? 

Madeleine McCann seit drei Jahren verschwunden (Foto)
Die Eltern der vermissten vierjährigen Maddie, die Briten Kate und Gerry McCann, sind überzeugt, dass ihre Tochter gefunden wird.  Bild: ddp

Ina BongartzVon news.de-Redakteurin
Moralische Gratwanderung: Was darf man tun, um das Leben eines Kindes zu retten? Reinhold Beckmann diskutierte darüber mit den Eltern der vermissten Maddie McCann und mit dem Kommissar, der dem Kindermörder Magnus Gäfgen im Verhör Schmerzen androhte. 

Man könnte eines gleich vorweg vermuten: Nun haben sie ein Buch über das Verschwinden ihrer Tochter geschrieben. Das soll sich verkaufen. Darum gehen die McCanns auf Promotour, auch in Deutschland - am Abend waren sie zu Gast in der Talkshow von Reinhold Beckmann. 

Die McCanns gehen auf Promotour, weil sie die Aufmerksamkeit aller Öffentlichkeit wollen, um ihre Tochter wiederzufinden. Denn die McCanns sind überzeugt davon, dass Madeleine noch lebt und irgendwann wieder zu ihnen zurückkehren wird. Darum schildern Gerry und Kate McCann nun auch im deutschen Fernsehen, was sie seit dem Verschwinden ihrer kleinen Tochter im Portugalurlaub Mai 2007 durchlitten haben. Eine dramatische Geschichte voller Selbstvorwürfe und entmutigenden Rückschlägen.

Mysteriöses Verschwinden
Verschwörungstheorien rund um Maddie

Beckmann will die Frage diskutieren: Wie weit darf man gehen, um das Leben eines Kindes zu retten? Wenn es nach den McCanns geht, bis ans Ende der Welt. Ihr Kind hat höchste Priorität. Sie werden erst aufhören, wenn Maddie wieder bei ihnen ist. Egal, wie viel Geld es kosten und wie lange es dauern wird. Diese Überzeugung haben sie in den vergangenen vier Jahren gelebt, haben eine beispiellose Medienkampagne gestartet. Von vielen wurden sie dafür kritisiert. Doch die großen Kulleraugen der dreijährigen Madeleine McCann kennt deswegen die ganze Welt.

Videos von der lachenden Maddie 

Auch im Talkstudio ist Maddie allgegenwärtig. Der Monitor im Hintergrund zeigt ihr Porträt in XL, später wird sogar ein Video von dem kleinen Mädchen gezeigt, wie es tanzt und lacht. Die McCanns sitzen Reinhold Beckmann am Tisch gegenüber, und besonders Kate McCann sind ihr jahrelanger Kummer und ihre Verzweiflung anzusehen. Sie hält die Hand ihres Mannes, der viel gefasster wirkt. Doch für die Zuschauer ganz deutlich sitzen dort zwei Menschen, für die ihr glückliches Leben seit vier Jahren schlichtweg nicht mehr existiert. 

Trotzdem bleibt Beckmann analytisch: «Sie schreiben in ihrem Buch auch über ihre Eheprobleme seit der Entführung. Warum wollen sie Ihre Privatsphäre nicht schützen? Wie können Sie diese extreme Öffentlichkeit gegenüber ihren beiden anderen kleinen Kindern verantworten?»  Kate McCann erklärt, wie sehr sie die Hilfe der Öffentlichkeit brauchen, um Hinweise auf Maddies Verbleib zu bekommen: «Natürlich wäre es schön, wenn wir dies alles nicht tun müssten. Aber wir sind schon lange keine Privatpersonen mehr.»

Wie war das damals mit der Folterandrohung gegen Magnus Gäfgen?

Auch Hauptkommissar Ortwin Ennigkeit, den Reinhold Beckmann nun zur Gesprächsrunde bittet, hat ein Buch geschrieben. Nicht, weil er wie die McCanns ein dringendes Ziel verfolgt, sondern wohl eher als Verarbeitungsstrategie. Er war es, der 2002 im Fall des entführten Bankierssohn Jakob von Metzler ermittelte und auf Anweisung seines Vorgesetzten dem Verdächtigen Magnus Gäfgen im Verhör Gewalt androhte - und dafür wegen Nötigung verurteilt wurde.

Ennigkeit ist offenkundig nach wie vor empört über die damaligen Ereignisse. Immer wieder hebt er die Hände mit gespreizten Fingern, reißt die Augen weit auf und sagt: «Mensch, uns lief die Zeit davon.» Er und sein Team waren davon überzeugt, der elfjährige Jakob würde noch leben. Die Androhung von Schmerzen sahen sie als letztes legitimes Mittel, Gäfgen zum Reden zu bringen, wo der Junge versteckt war. Was sie nicht ahnten: Zu diesem Zeitpunkt war Jakob bereits tot.

Auch wenn Ortwin Ennigkeit erklärt, beruflich habe sich seit dem Fall Metzler für ihn nichts geändert, ist es ganz offensichtlich, wie sehr ihn dieser Fall nervlich belastet hat. Fahrig, nervös, fast ein bisschen unsortiert manövriert sich Ennigkeit durch das Gespräch. Sein Buch heißt Um Leben und Tod. Darum ging es damals 2002. Davon war er überzeugt. So sehr, dass er sagt: «In einem ähnlichen Fall würde ich es wieder genauso machen.»

Bestes Zitat: «Wenn man die Medienmaschine anwirft, kommt man manchmal unter deren Räder.» (Reinhard Müller, Jurist und FAZ-Journalist, darüber, warum die McCanns üble Beschimpfungen und Verdächtigungen durch die britischen Boulevardmedien aushalten mussten)

cvd/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
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  • Kommentar 5
  • 17.09.2011 11:44

Mit solchen Richtern wie in Frankfurt wird Deutschland zur Karikatur eines Rechtsstaates! Die Polizei (der Staat) hat in Notwehr (bzw. Nothilfe) gehandelt, als es Gäfken Schmerzen androhte. Es wurden keine Schmerzen zugefügt (obwohl er sie verdient hätte). In solchen Fällen fehlt einfach eine gerechte Bestrafungsmöglichkeit! Der Ruf nach der Todesstrafe ist hier absolut verständlich!!

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  • Alexander Voronin
  • Kommentar 4
  • 17.09.2011 10:24

Pirat007: Solche Deppen wie Pirat007 bestimmen in Zukunft unsere Politik. Hauptsache dem Schutz wird genüge getan, dem DATENSCHUTZ! Menschen, gibt es die überhaupt für einen echten Piraten! Menschen und Menschenleben zählen nicht! Warum auch, Hauptsache, die Daten werden geschützt. Für Menschen- und Kinderschutz ist da kein Platz mehr. "Ich kann gar nicht so viel essen wie ich kotxen möchte!" Verschont uns von solchen Politikern!

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  • Quitt Kommt
  • Kommentar 3
  • 16.09.2011 19:01

Gäfgen sollte nicht entschädigt, sondern nochmals härter bestraft werden. Er sollte voll durchleiden müssen, was er seinem Opfer angetan hat. Man sollte ihm die Chance geben an einen Strick heranzukommen, damit er sich selbst gerecht richten und "aufhenken" kann. Er sollte zumindest den Mut dazu aufbringen, wenn es schon aus guten Gründen bei uns keine Todestrafe mehr gibt. Er wurde nicht gefoltert, und ihm wurde auch keine Folter angedroht. Das ist rechtsverdreherischer Unfug. Der Kommissar müsste rehabilitiert und ausgezeichnet werden.

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