«Dr. House» Sherlock Holmes im Arztkittel

Er ist der Meisterdetektiv unter den TV-Medizinern: Dr. House. Ab heute Abend muss der arrogante Zyniker seinen Scharfsinn in 14 neuen kniffligen Fällen beweisen. Die Parallelen zu dem Privatermittler Sherlock Holmes werden dabei nicht zu übersehen sein.

In Großer Mann, was nun?, der ersten Episode der nunmehr siebten Staffel, muss der brillante Diagnostiker Gregory House wieder einmal all die mysteriösen Symptome wie Beweise zusammenfügen, um die seltene Krankheit zu entschlüsseln.

Dabei steht Dr. House ganz offensichtlich in der wissenschaftsoptimistischen Tradition eines Sherlock Holmes: Er ist der unumstößlichen Überzeugung, dass es für jedes Rätsel eine Lösung gibt, die sich logisch ableiten lässt. Und auch in Arroganz sowie Exzentrik steht der scharfsinnige Infektionsexperte des Plainsboro-Krankenhauses seiner kriminalistischen Literaturvorlage in nichts nach.

Dr. House-Schöpfer David Shore hat sich gleich in mehrfacher Weise von Sir Arthur Conan Doyles fiktivem Meisterdetektiv inspirieren lassen, der wiederum lose auf der realen Person des schottischen Arztes Dr. Joseph Bell basiert. «Durch die Lügen und Geheimnisse der Patienten sollte man auf die Diagnose kommen», erklärt David Shore. Die ursprüngliche Idee war, einen Krimi in ein medizinisches Umfeld zu versetzen.

Der eine kokst, der andere schmeißt Pillen

Nur dass Gregory House' Wirken darin besteht, tödlichen Krankheiten statt mörderischen Verbrechern den Garaus zu machen. Wie Sherlock Holmes löst er Probleme, an denen sich die anderen Ärzte und Ermittler die Zähne ausbeißen. Beide versuchen, sich nach Möglichkeit nur die besonders mysteriösen Fälle rauszusuchen, die sie wirklich interessieren. Sie sind in der Lage, dank detaillierter Beobachtungen selbst die schwierigsten Zusammenhänge zu erkennen und benutzen unkonventionelle Methoden, um die Puzzleteile zusammzusetzen. Dabei scheren sie sich nicht sonderlich um Regeln, Vorschriften und Gesetze.

Lockt sie kein interessantes Rätsel aus dem Sessel, sitzen sie faul und gelangweilt in der Gegend herum: Holmes liest die Todesanzeigen in der Zeitung, House sieht sich im TV eine fiktive Krankenhaus-Soap an. Hier zeigt sich einmal mehr der obsessive Charakter des Dr. House, der nur noch in den Problemfeldern seiner Profession verkehrt, selbst seine Freizeit mit Arztserien gestaltet.

Gleichzeitig werden beide Figuren stets als intellektuelle Universalgenies in Szene gesetzt. Um besser nachdenken zu können, setzt sich House an das Klavier, greift in späteren Folgen zudem zur E-Gitarre. Während Sherlock Holmes die Geige erklingen lässt. Ebenso teilen Arzt und Detektiv die dunklen Seiten: Während sich Holmes in den Romanen dem Morphium und Kokain hingibt, ist House bekennend abhängig von dem Schmerzmittel Vicodin, und erhebt seinen Medikamentenmissbrauch vom Laster zum nötigen Ausdruck zelebrierter Exzentrik. Er braucht die Tabletten, um zu funktionieren. Ach ja, und «gut schmecken» würden sie ihm auch. Vor allem nimmt er die Pillen aber, um die Schmerzen in seinem Bein zu betäuben. Das Leiden teilt er in dem Fall jedoch mit Holmes' Kompagnon Dr. Watson.

Holmes und House sind überaus eigenwillige Charaktere, um nicht zu sagen arrogante Rüpel, denen es egal ist, wenn sie andere Menschen vor den Kopf stoßen. Die Drecksarbeit machen sie ungern selbst. Wozu hat man schließlich die Polizei oder ein ganzes Team von Ärzten an seiner Seite? Der Freundeskreis hingegen ist deutlich begrenzt. Doch immerhin haben beide einen wahren treuen Freund an ihrer Seite: Dr. Watson und Dr. Wilson.

Selbst Moriarty tritt bei Dr. House in Erscheinung

Abgesehen von grundlegenden Parallelen zwischen den beiden im Geiste vewandten Charakteren sowie der Tatsache, dass ihre Namen ähnlich klingen und so ziemlich das gleiche bedeuten - spricht man den Nachnamen des Londoner Detektives doch «Homes» aus, was im Deutschen unter anderem «das Zuhause», «das Eigenheim» und ebenfalls «das Haus» bedeutet -, zitiert die Fernsehserie Dr. House des öfteren das erklärte literarische Vorbild.

So soll bereits in der Pilotfolge der Name der Patientin Rebecca Adler auf Irene Adler aus dem Holmes-Abenteuer Ein Skandal in Böhmen verweisen. In einer späteren Episode erzählt House' bester Freund Wilson - schließlich werden andere Menschen meist nur mit dem Nachnamen angesprochen - eine Geschichte, in der sich Gregory House in eine Frau namens Irene Adler verliebt. Wie Sherlock Holmes wohnt er ebenfalls in einem Appartement mit der Nummer 221b. Allerdings teilt er sich dies nur zeitweise mit Wilson, während Watson Holmes' dauerhafter WG-Partner ist.

In einer Folge tauchen sogar Sir Arthur Conan Doyle und seine Detektivfigur auf: Wenn House - im Übrigen von dem gebürtigen Briten Hugh Laurie verkörpert - nach seinen Schlüsseln und Schmerzpillen greift, die auf dem Buch The Memoirs Of Sherlock Holmes liegen. Ein anderes Mal hält er ein Buch von Dr. Joseph Bell in der Hand.

Und selbst Sherlocks genialer Gegenspieler, der schurkische Professor James Moriarty, bekommt seinen Auftritt im Plainsboro-Krankenhaus: Im Finale der zweiten Staffel wird Gregory House von einem Mann namens Jack Moriarty niedergeschossen.

Bekannterweise hat er überlebt. Sonst könnte heute Abend im deutschen Fernsehen ja auch nicht die siebte Staffel einer der erfolgreichsten, oftmals preisgekrönten TV-Serien starten.

Die neuen Folgen von Dr. House laufen immer dienstags, 21.15 Uhr, bei RTL.

«Dr. House»: Seine fiesesten Sprüche

car/news.de

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