«Hart aber Fair» Nazan Eckes' Aufstieg ist die Ausnahme

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Nazan Eckes hat es nach ganz oben geschafft. Bild: RTL

Von news.de-Volontär Ayke Süthoff
Im Grunde waren sich die Gäste bei Frank Plasberg in Sachen gesellschaftlicher Aufstieg einig: Er ist nahezu unmöglich - Ausnahme Nazan Eckes bestätigt die Regel. Trotzdem diskutierten sie heftig, und nur Bayerns Kultusminister kennt keine Probleme.

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Viele Deutsche haben das Gefühl, dass die Gesellschaft in immer undurchlässigere Klassen aufgeteilt wird. Die Mittelschicht will nichts mit der Unterschicht zu tun haben, die Oberschicht nichts mit der Mittelschicht. Und die Unterschicht ist fernab des gesellschaftlichen Lebens - eine Parallelwelt aus Hartz-IV-Empfängern. Von Aufstieg weit und breit nichts zu sehen.

Viele geben bei solch schlechten Aussichten komplett auf, schlafen bis 10 Uhr, machen ab 11 Uhr die Glotze an und um 12 Uhr das erste Bier auf. Das fürchtet zumindest der Unternehmer Stephan Schwarz, Chef von 3100 Mitarbeitern einer Berliner Reinigungsfirma und einer der Gäste bei Frank Plasbergs Montagstalk Hart aber Fair. Das Thema der Sendung lautet: «Der blockierte Aufstieg - Gesellschaft mit beschränkten Chancen?»

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Schwarz ist nicht der einzige, der das Fragezeichen durch einen Punkt ersetzen würde. Alle in der Runde stimmen ihm zu, von Nazan Eckes über Christian Rach bis hin zu Karl Lauterbach - sozialer Aufstieg ist in Deutschland kaum möglich. Sogar der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle gibt das zu, verweist allerdings darauf, dass die Situation in seiner Heimat ganz anders sei. Aber dazu später mehr.

Nazan hat es nach ganz oben geschafft

Zuerst geht es um den sozialen Aufstieg von RTL-Moderatorin Nazan Eckes. Die schaffte es dank des ehrgeizigen Vaters trotz einer Empfehlung für die Hauptschule aufs Gymnasium. Die Grundschullehrer hatten die Empfehlung wohl nach sozialer Herkunft und türkischem Namen geschrieben, dass Nazan hervorragende Noten vorweisen konnte, spielte kaum eine Rolle. Sie schaffte trotzdem das Abitur und ist heute eine der bekanntesten Gesichter im deutschen Fernsehen. Was für ein Aufstieg - wie aus dem «Bilderbuch der Sozialdemokratie», findet Plasberg.

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Doch der Sozialdemokrat Lauterbach widerspricht. Schon damals sei der Aufstieg der kleinen Nazan und ihrer Gastarbeiter-Familie eine Ausnahme gewesen, diagnostiziert der Arzt und SPD-Politiker. Heute sei so etwas noch schwieriger. «Die Gesellschaft macht dicht, deswegen werden solche Aufsteiger-Geschichten immer seltener», sagt er. Es herrscht Einigkeit über ein Problem in der deutschen Gesellschaft. Aber wie löst man dieses?

Sternekoch Christian Rach hat verschiedene Lösungsansätze. Erstens: «Man muss sich bemühen. Sich mühen heißt, selber was tun.» Zweitens: «Wir müssen an die Lehrerausbildung herangehen und diese verbessern», sagt der Koch und stößt damit die Diskussion an. Stephan Schwarz ist voll und ganz seiner Meinung, will aber das ganze Schulsystem verbessern. «Die Hauptschule wird zur Resteschule», warnt er und lobt die Umstellung auf eine allgemeine Sekundarschule, wie es in Berlin geschehen ist.

Herdprämie, Bildungspaket oder frühkindliche Förderung?

Bildungsexperte Spaenle sieht dagegen die Ausbildung neuer Lehrer überhaupt nicht als Problem und lobt das bayerische Projekt einer Mittelschule statt der Hauptschule. Und Lauterbach tritt mit Vehemenz für mehr frühkindliche Bildung ein - schließlich entscheide sich schon in den ersten drei Lebensjahren, welchen Weg Kinder später an der Schule einschlagen würden. Es wird fleißig gestritten, von der Hauptschule kommen die Diskutanten zu Sinn und Unsinn des Bildungspakets und einer Herdprämie, wie sie die CSU will.

Schwarz fordert mehr Engagement der Wirtschaft an den Schulen, Rach fordert mehr Einsatz der Lehrer und «Pünktlichkeit, Geradlinigkeit und Ehrlichkeit» von Schulabsolventen und Spaenle mehr Bayern in Deutschland. «Wir in Bayern...», beginnt er jeden zweiten Satz und nervt damit gehörig. Für ihn scheint es weder Probleme im eigenen Bundesland zu geben, noch interessiert er sich für die der restlichen Bundesrepublik. Ein deutscher Kultusminister, der nicht die Größe besitzt, über den eigenen bayerischen Tellerrand zu blicken - das ist erschreckend. Noch dazu war er im letzten Jahr Vorsitzender der Kultusministerkonferenz. Für ganz Deutschland. Aber solang es in Bayern läuft, macht er sich um Deutschland keine Gedanken.

Kein Wunder, dass ihn die restlichen Gäste im Verlauf der Sendung zunehmend ignorieren, soll er doch vom gelobten Bundesland reden. Und noch jemand klinkt sich aus der Debatte aus: Nazan Eckes. Sie scheint gelangweilt oder überfordert mit den vier Männern, jedenfalls macht sie gegen Ende der Sendung den Eindruck mit offenen Augen zu schlafen. Vielleicht träumt sie vom unaufhaltsamen Aufstieg eines jungen türkischen Gastarbeiters, der ihr Vater werden sollte.

Bestes Zitat: «Die Gene bestimmen über die Hälfte der Intelligenz.» (Karl Lauterbach, SPD)

cvd/news.de

Leserkommentare (5) Jetzt Artikel kommentieren
  • Müller
  • Kommentar 5
  • 13.09.2011 13:48
Antwort auf Kommentar 4

Ich kann es schon nicht mehr hören, was soll ich selbst in die Hand nehmen? Ich glaube sie gehen an der Realität vorbei. Wenn mir alles in die Wiege gelegt wird, dann kann ich leicht darüber reden. Wenn ich mit eigener Leistung und Anstrengung leider nur ein 1.8 Abitur schaffe, habe ich in Bayern keine Möglichkeit auf realem Wege mir meinen Studienplatz selbst zu suchen, muß sehen was übrig bleibt - denn Wartesemester sind finanziell nicht drin und schon garnicht an einem anderen Studienort - leider nicht finanzierbar!!!!!!!!!!!!

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  • chaos
  • Kommentar 4
  • 13.09.2011 12:37
Antwort auf Kommentar 2

Wer zu schlecht ist kommt auch nicht so einfach über die Geriochte zum Studium, aber wer reich genug ist, hat genug Zeit für Wartesemester. Es gilt doc, nimm dein Leben selbst in die Hand, dann steht dir alles offen.

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  • chaos
  • Kommentar 3
  • 13.09.2011 11:34

Natürlich ist es schwierig, den sozialen Aufstieg zu schaffen. Ich habe leider das Gefühl, dass Herr Lauterbach immer noch stark beleidigt ist, weil er von den Lehrern nicht die gymnasiale Reife zugesagt bekommen hat. Mal über den Tellerrand zu blicken und zu gucken, was in anderen Ländern passiert(e) ist aber nicht seins, statt die Lehrer besser auszubilden eine frühkindliche Vorschule, warum denn keine Vollzeitkitas, nicht solche in NRW(auch in anderen BL), wo Kinder von früh bis Mittag zum spielen abgegeben werden, sondern welche, wo auch wirklich Bildungsangebot passiert.

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