Erfolgsserie Der Sex-Appeal der «Mad Men»

Sie waren in den 1960er Jahren die Könige von New York: die coolen Werbemänner aus der Madison Avenue. Mit der amerikanischen Erfolgsserie Mad Men wurde ihnen ein filmisches Denkmal gesetzt. Inzwischen beeinflusst die Serie sogar Kunst und Mode.

Als im Juli 2008 die erste Episode von Mad Men in den USA lief, begann eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Die erste Staffel schauten sich 900.000 Menschen an. Das ist in einem Land mit mehr 300 Millionen Einwohnern, aber über 100 TV-Sendern, ein beachtlicher Erfolg. Mit der zweiten Staffel konnte dieser Erfolg sogar noch verdoppelt werden. Bis zum Finale der vierten Staffel stiegen die Quoten stetig an.


In Deutschland startet heute die zweite Staffel. Dass Mad Men hierzulande auf dem Spartenkanal ZDFneo läuft, hatte zum Start der Serie im vergangenen Herbst für heftige Kritik gesorgt. Nur 80.0000 Deutsche sahen 2010 die Premiere. Immerhin konnte dank Mad Men die Durchschnittsquote des ganzen Senders verdoppelt werden.

«Mad Men»: Blender mit Stil

Während die Deutschen auf die Serie noch etwas verhalten reagieren, ist die Begeisterung der Amerikaner für Mad Men nicht mehr zu stoppen. Der amerikanische Sender AMC, der die Serie ausstrahlt, hat die Merchandising-Maschine schon längst angeschmissen. Natürlich gibt es DVDs, Bücher und CDs zur Serie. Aber auch Modekollektionen, Werke über die Philosophie der Mad Men und Kunstbände.

Rezepte aus den 1960er Jahren und Mad-Men-Avatare

Dyna Moes Buch Die ganze Welt von Mad Men, das nun auch in Deutschland erschienen ist, ist so ein Kunstband. Die Illustratorin begann vor einigen Jahren nach jeder neuen Folge Mad Men, die im Fernsehen lief, eine Szene der Episode zu zeichnen und ins Internet zu stellen. Diese Zeichnungen wurden ein riesiger Erfolg. Die New Yorker Künstlerin erfand die Website MadMenYourself, auf der Internetnutzer sich ihren eigenen Mad-Men-Avatar schaffen können.

Im Oktober vergangenen Jahres erschien dann der Bildband Mad Men The Illustrated World (Die ganze Welt von Mad Men), das innerhalb weniger Tage beim Onlineversand Amazon ausverkauft war. In Die ganze Welt von Mad Men bezieht sie sich auf einzelne Episoden der Serie, gibt Ratschläge, wie ein Büro einzurichten ist, welches Gericht eine Frau ihrem Mann zu kochen hat oder wie man eine Krawatte bindet. Und das alles im Kontext der 1960er Jahre.

Jesse McLean, der ebenfalls 2010 ein Buch zur Serie veröffentlichte, Mad Men - Die Könige der Madison Avenue, erklärt die Faszination für Mad Men so: «Wenn ich mir Mad Men anschaue, genieße ich eine gut geschriebene Serie, die in einer faszinierenden Zeit spielt - nah genug am Heute, um relevant zu sein, weit genug in der Vergangenheit, um ein wenig exotisch zu wirken.»

Die Männer nehmen sich, was sie wollen - die Frauen haben sich zu fügen

Der Beginn der 1960er Jahre, während der Mad Men spielt, ist eine Zeit zwischen Festhalten an alten Werten und dem Aufbruch in ein neues Zeitalter. Die Mad Men, die Werbefachleute, die meistens in schicken Büros auf der New Yorker Madison Avenue saßen, verkörpern diese Zeit perfekt. Sie leben in der Regel ein Leben, das sich an den Idealen der 1950er Jahre ausrichtet: Sie haben eine Frau, die kocht, wäscht, putzt und Kinder erzieht, die auf ihren Mann wartet, wenn dieser spätabends von der Arbeit kommt.

Das Ideal der perfekten Familie wird aufrechterhalten, auch wenn es nur Fassade ist. Die Mad Men haben Affären mit Schauspielern, Künstlerinnen oder mit ihren zahlreichen Sekretärinnen. Auch das gehört zu den altmodischen Ansichten der frühen 1960er Jahre. Die Männer nehmen sich, was sie wollen, und den Frauen bleibt nicht anderes übrig, als sich dem zu fügen. Doch die Zeiten beginnen sich zu ändern. Der liberale John F. Kennedy wird Präsident, Martin Luther King hält seine berühmte «I Have A Dream»-Rede und die Frauen übernehmen plötzlich wichtige Positionen in der Firma.

Zigarette und Alkohol als stilvolle Selbstverständlichkeit

Und genau zwischen altmodischer Weltsicht und Aufbruch in ein neues Zeitalter liegt die Welt von Mad Men. Die Hauptfiguren spiegeln die Ambivalenz der aufregenden 1960er Jahre perfekt wider und geben dabei nicht zuletzt ein sexy Bild dieser Zeit ab.

Keiner der Mad Men würde einen Anzug tragen, der nicht maßgeschneidert ist, nie würden sie auf Pomade im Haar und Zigarette in der Hand verzichten. Alkohol während der Arbeit war damals noch kein Grund für eine Abmahnung, sondern eine stilvolle Selbstverständlichkeit. Und die Frauen? Perfekt gestylt - vom auftoupierten Beehive, über den rot glänzenden Mund bis zum figurbetonten Cocktailkleid, das nicht wirklich etwas zeigt, aber so viel erahnen lässt.

Tradition und Fortschritt, Prüderie und Sex - das Spiel mit den Extremen macht Erfolg und Sex-Appeal der Mad Men aus. 

Auf ZDFneo startet heute um 22.30 Uhr die zweite Staffel von Mad Men.

Das Buch Die ganze Welt von Mad Men von Dyna Moe ist im Eichborn Verlag erschienen.

zij/news.de

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