«Dreileben» Vernichtende Quoten für TV-Experiment

Dreileben (Foto)
Bindeglied der drei Filme: Die Flucht des Mörders Molesch (Stefan Kurt). Bild: WDR/Reinhold Vorschneider

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Es war ein Wagnis: Das Erste hatte den kompletten Abend für ein TV-Projekt freigeräumt - und scheiterte kläglich. Nur 2,61 Millionen Menschen wollten Dreileben sehen. Mit einer Wiederholung hatte das ZDF mehr als doppelt so viele Zuschauer. Was ist schiefgelaufen?

Es war eine ungewöhnliche Idee. Eine Idee, hinter der drei der besten Regisseure Deutschlands steckten: Christian Petzold, Dominik Graf und Christoph Hochhäusler gehören ohne Frage zu den ganz Großen ihrer Zunft. Sie stehen für herausragende TV-Ereignisse wie Jerichow (Petzold), Im Angesicht des Verbrechens (Graf) oder Unter dir die Stadt (Hochhäusler). Graf gewann zudem neunmal den Grimme-Preis und wird immer wieder dafür gelobt, dass sich in seinen Filmen Spannung und Tiefgang nicht ausschließen. Doch ihr gemeinsames Projekt Dreileben wird am Ende als ein großer Quotenflop in die TV-Geschichte eingehen.

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Die ARD erzählte gestern Abend von 20.15 Uhr an drei Mal dieselbe Geschichte, aber immer wieder aus einer anderen Perspektive. Doch schon beim ersten Film war das Interesse der Zuschauer gering: Nur 2,61 Millionen Menschen schalteten bei Petzolds Etwas Besseres als den Tod ein, was einem Marktanteil von 8,7 Prozent entspricht.

Wie vernichtend wenig das ist, wird im Vergleich zu anderen Formaten deutlich, die zur gleichen Sendezeit liefen: Die ZDF-Spielfilm-Wiederholung Butter bei die Fische mit Ulrike Kriener kam auf 5,61 Millionen Zuschauer (18,7 Prozent Marktanteil) und war damit haushoher Quotensieger des TV-Abends. Die beiden Folgen von Tine Wittlers Einsatz in vier Wändern - spezial hatten 3,97 Millionen (13,3 Prozent) und 4,45 Millionen Zuschauer (15,4 Prozent).

Der zweite Dreileben-Film Komm mir nicht nach - Regisseur war hier Graf - holte ab 21.45 Uhr nur noch 1,84 Millionen Zuschauer (8,0 Prozent). Und beim letzten Teil Eine Minute Dunkel (Hochhäusler) schauten ab 23.30 Uhr 810.000 Menschen (8,9 Prozent) zu, was allerdings im Vergleich ein guter Wert ist.

Bei den Kritikern top, bei den Zuschauern ein Flop

War das TV-Projekt dem Publikum zu anspruchsvoll oder einfach zu lang? Gut möglich. Sicher befürchteten viele Zuschauer, sie müssten sich bis 1 Uhr nachts durch einen langatmigen Dreiteiler kämpfen und schalteten daher lieber die ZDF-Kuppelkomödie ein. Oder schauten Tine Wittler dabei zu, wie sie Kleinwüchsige bei der Hauseinrichtung beriet. Beides bot dem Publikum TV-Unterhaltung, ohne den Grips anstrengen zu müssen.

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ARD-Programmdirektor Volker Herres hatte bereits vor Ausstrahlung der Trilogie deutlich gemacht, dass er nicht daran glaube, ein Massenpublikum vor die Bildschirme zu locken. Nein, er habe keine Angst vor miesen Quoten, sagte er in einem Interview mit spiegel-online. Dreileben sei ein echtes filmisches Experiment und es sei klar, «dass man mit solchen Kunst-Stücken nicht die Sehgewohnheiten aller ARD-Zuschauer treffen kann». Hier sei in erster Linie die Innovation ausschlaggebend. «Da schauen wir nicht so sehr auf die Zuschauerzahlen», sagte Herres zu spiegel-online.

Zum Ärger des Programmchefs schauen aber die Medien auf die Quoten: «Dreileben floppt deutlich», titelt meedia.de. «Dreileben fällt beim Publlikum durch», heißt es bei horizont.net. Und kress.de schreibt: «Kritiker-Hit wird zum Zuschauer-Flop.» Wie sehr ihn solche Schlagzeilen ärgern, hat Herres heute Morgen per Twitter kundgetan: «Und jetzt erklären manche Kritiker, die uns sonst vorwerfen, zu sehr auf die Quote zu achten, Dreileben zum Flop. Bigotterie pur!»

Jetzt kommt es darauf an, wie die ARD mit der Quotenfrage umgeht. Sie kann künftig auf solche Experimente verzichten, was schade wäre. Herres kann aber auch zu seinem Wort stehen und TV-Projekte wie Dreileben weiterhin stattfinden lassen. Nur könnte es die ARD künftig schlauer angehen und es so machen wie Einsfestival. Der Digitalsender sendet Dreileben häppchenweise - von Mittwoch bis Freitag (31. August bis 2. September) je einen Teil um 20.15 Uhr. 

zij/news.de

Leserkommentare (8) Jetzt Artikel kommentieren
  • Peter Karl Heinz
  • Kommentar 8
  • 31.08.2011 10:45

Es war eine besonders gute Leistung! Weiter so. Nur bitte nicht alles auf einmal!Drei Abende wären besser gewesen! Die einseitige Orientierung auf die Quote lässt das Fernsehen immer mehr verflachen. Bei allgemein schlechtem Angebot besagt sie lediglich, was von dem Schlechten vielleicht noch das Beste war.

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  • CassieNewton
  • Kommentar 7
  • 30.08.2011 23:41

Ich habe nur den 1. Teil der Reihe richtig angeschaut. Das junge, unterschiedliche Paar war recht überzeugend. Die Polin hat mich sehr an die amerikanische Schauspielerin Emily Perkins, bekannt aus den "Ginger Snaps" Filmen, erinnert. Als der 2. Teil anlief, war ich allerdings echt enttäuscht, da dieser nur langsam in GAng kam und mich so gar nicht überzeugte.. Ich habe deshalb schon nach wenigen Szenen abgeschaltet. Dem 3. Teil wollte ich eigentlich noch wegen Ana/Jo eine Chance geben, allerdings kam mir da das Zweite in die Quere: "Trade- Wilkommen in Amerika" war weitaus interessanter.

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  • Alexander Voronin
  • Kommentar 6
  • 30.08.2011 21:05

Drei fantastische Filme! Trotz "Vernichtender Kwoten"! Ich habe zum Glück noch einige Tage Urlaub. Ansonsten wäre es schwierig gewesen. Aufnehmen tu ich nix mehr. Das gucke ich mir sowieso nicht mehr an. Die Filme wurden von Teil zu Teil immer besser. Aber das lag auch daran, dass man Teil 1 erst mit dem Ende von Teil drei richtig verstehen konnte. Teil drei hat mir persönlich am besten gefallen. Aber eigentlich haben alle drei Teile fünf Sterne verdient. Wäre es gelungen, wenn die drei Filme an drei Tagen gelaufen wären. Ich glaube nein. Es war schon richtig so! 5***** Stars!!!!!

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