Stephan Luca «Liebe kann man spielen, ein Kletterpaar nicht»

Von news.de-Redakteur Cord Krüger
Im ARD-Film Die Route spielt Stephan Luca einen Bergsteiger. Im Interview mit news.de erzählt er, wieso ihm die Fernsehredaktion des Bayerischen Rundfunks mehr Probleme bereitete als der schwindelerregende Dreh in den Dolomiten.

Vor kurzem waren Sie in Expedition Arche Noah als deutscher Indiana Jones unterwegs, jetzt spielen Sie im Ersten einen Kletterer an der Seite von Maximilian Brückner. Was hat Sie an Die Route gereizt?

Stephan Luca: Mich hat fasziniert, dass es von einer Seilschaft handelt, von Zweien, die eine Leidenschaft teilen. Eine Freundschaft entsteht aber erst, als sich ihre Wege trennen. Das war das schönste beim Lesen des Buches, dass sich aus einer Seilschaft eine tatsächliche Freundschaft entwickelt.

Wie intensiv haben Sie sich auf die Rolle vorbereiten müssen?

Luca: Hier in Hamburg ist das Angebot ja überschaubar (lacht). Ein bisschen konnte ich mich auch auf meine Erfahrung verlassen, die ich als Hobbykletterer gesammelt habe. Kurz nach dem Abitur war ich oft klettern und hab' auch Kletterreisen gemacht. Die Dreharbeiten haben das aber in einen Bereich multipliziert, den ich noch nicht kannte.

Mittwochsfilm «Die Route»
Von der Seilschaft zur Freundschaft

Maximilian und ich wollten so viel wie möglich selbst machen. Wir wurden in eine Kulisse gesetzt, die uns höchsten Respekt abgenötigt hat. Sich drei-, vierhundert Meter hoch an einer Felskante gegenseitig zu sichern und wirklich von seinem Partner abhängig zu sein, das war für uns in dieser Höhe neu.

Auch in den Panorama-Aufnahmen in den Dolomiten, das waren alles Sie?

Luca: Das waren alles wir. Es gibt einen Aufstieg, der von einer Seilbahn aus gefilmt worden ist. Das waren unsere Doubles, die auch den großen Sturz gespielt haben. Mein Kletterdouble ist bestimmt 15 oder 18 Meter ins Seil gefallen. Das war schon heftig. Wir haben nur einen etwas verkürzten Sturz selbst gespielt. Das waren bei mir dann so fünf, sechs Meter.

Der Wechsel zwischen Doubles und Schauspielern ist kaum erkennbar. Es gibt auch keine Wechsel zwischen Außen- und Studioaufnahmen ...

Luca: Das war Maximilian und mir wichtig. Beim Arbeiten in einer Figur versucht man, dieser ja so nah wie möglich zu kommen, um die höchstmögliche Glaubwürdigkeit zu erzielen. Und wenn man Kletterer spielt, hilft es einem als Darsteller, sich eben auch tatsächlich gegenseitig zu sichern. Diese Abhängigkeit voneinander kann man für das Spiel nutzen.

Hätten Sie diese Szenen mit jemandem drehen können, dem Sie weniger vertrauen als Maximilian Brückner?

Luca: Nein, definitiv nicht. Ich kann mit einer Frau ein Liebespaar spielen, auch wenn wir uns überhaupt nicht grün sind - ist auch schon vorgekommen. In Kletterszenen geht das nicht. Da muss das Vertrauen ehrlich sein und auf Bescheidenheit beruhen. Das ist lebensnotwendig.

Was sagt Ihre Versicherung, wenn Sie solche Szenen drehen?

Luca: Die drückt einem die Daumen und betet. Vor allem der Produzent ist aber erleichtert, wenn so ein Drehtag vorbei ist. Vor unseren Produzenten Marcus Roth und Sven Burgemeister ziehe ich den Hut, weil sie uns den Rücken freigehalten haben, auch gegenüber der Redaktion.

Was meinen Sie?

Luca: Wir hatten vor Drehbeginn gewisse Diskrepanzen. Es gab unterschiedliche Drehbuchfassungen und Kämpfe mit der Redaktion. Und das kann man auch bei aller positiver Kritik so deutlich sagen: Ich glaube, wir hätten einen noch besseren Film gemacht, hätte uns die Redaktion mehr vertraut.

Wie sahen diese Diskrepanzen aus?

Luca: Ich kam mit Maximilian im Hotel an und wir wussten beide nicht, ob wir am nächsten Tag zum ersten Drehtag fahren würden, denn wir saßen vor drei oder vier Drehbuchfassungen. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Wir hatten ja beide nur einem Buch zugesagt und das war die Fassung unseres Regisseurs Florian Froschmayer.

Unsere Produzenten haben Stunden und Tage am Set verbracht und telefoniert, um der Redaktion klarzumachen, was wir für einen Film machen wollen: nämlich einen ehrlichen Film über zwei leidenschaftliche Kletterer, die aber ihr Vertrauen und ihre Freundschaft auch ernst nehmen. Diese Kämpfe haben dem Film etwas an Energie genommen, mit der wir - hätte die Redaktion uns gelassen - hier und da noch eine Schippe hätten drauflegen können.

Was hatte der Bayerische Rundfunk sich denn vorgestellt?

Luca: Sagen wir mal: Sie wollten es ein bisschen lieblicher.

Die Route wirkt für einen Mittwochsfilm erstaunlich unkitschig und nüchtern.

Luca: Das war vielleicht das Problem, weil wir keinen Landschafts- oder Bergfilm im traditionellen Sinne der Heimatfilme machen wollten. Ich finde allerdings trotzdem, dass wir einen Heimatfilm gemacht haben. Wir haben die Schönheit der Berge und das Thema des Bergsteigens sehr ernst genommen.

Und wir haben auch versucht, diese beiden Figuren so ernst wie möglich zu nehmen. Das Gute war, und das hat die Redaktion vielleicht unterschätzt: Wir kennen solche Burschen und ihre Lebensphilosophie aus unserem privaten Umfeld. Wir wussten also einfach, wovon wir sprechen. Das war nicht der eitle Wunsch zweier Schauspieler, sich in ihrer Fantasie zu Helden zu machen.

Haben Sie keine Angst, dass Publikum mit so viel Realismus etwas zu überrumpeln?

Luca: Ich glaube, man kann dem Zuschauer auch auf so einem Sendeplatz etwas zutrauen. Vielleicht traue ich dem Publikum da mehr zu, als das teilweise die Sender tun. Aber die Freiheit habe ich natürlich, weil ich nicht die Verantwortung für die Einschaltquoten trage. Ich habe da gut reden, das weiß ich auch.

Aber am Ende des Tages interessiert mich eine gute Geschichte. Die sollte immer so gut wie möglich erzählt werden und dann schiele ich weniger nach dem Publikum und ob man die Geschichte dann mit der Überschrift Heimatfilm, Komödie oder Krimi versieht.

Stephan Luca, 35, wurde Ende der 1990er Jahre durch die Serien Aus heiterem Himmel und Die Schule am See bekannt. Danach spielte er in TV-Filmen wie Die Sturmflut, Störtebeker oder Krupp - Eine deutsche Familie mit. Im Kino war er in Männerherzen und in Til Schweigers Keinohrhasen zu sehen. Aktuell spielt er im Kinofilm Resturlaub wiederum an der Seite von Maximilian Brückner.

zij/car/news.de

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