Jan Josef Liefers Boerne ist nicht alles

Tatort: Herrenabend (Foto)
So kennen die meisten TV-Zuschauer Jan Josef Liefers: als Professor Boerne aus dem Münsteraner Tatort. Bild: dapd

Von news.de-Redakteurin Claudia Arthen
Was hat er gemeinsam mit Professor Boerne aus dem Münsteraner Tatort? Antworten gibt ein TV-Porträt über Jan Josef Liefers in der Reihe Deutschland, deine Künstler, in dem auch Ehefrau Anna Loos und Kollege Axel Prahl zu Wort kommen.

Kauzig, leidenschaftlich, ein waschechter Snob: So kennen Millionen Fernsehzuschauer Jan Josef Liefers. Seit 2002 spielt er den Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne im Münsteraner Tatort. Er gibt ihn als elitären und eloquenten Besserwisser, schafft es aber, dass das Publikum ihn dennoch liebt. Und wie. Regelmäßig heimsen Liefers und Axel Prahl, der den prolligen Hauptkommissar Thiel spielt, die höchsten Einschaltquoten ein und wurden Anfang des Jahres als bestes Krimi-Team im deutschen TV mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet.

Wer Jan Josef Liefers aber auf die Rolle des Tatort-Gerichtsmediziners Boerne reduziert, wird ihm nicht gerecht. Der 1964 in der DDR geborene Schauspieler kann mehr als Spuren lesen. Und er hat so gar nichts gemein mit Boerne, wie seine Ehefrau Anna Loos im TV-Porträt über Jan Josef Liefers heute Abend in der ARD-Reihe Deutschland, deine Künstler betont: «Boerne ist nicht Jan Josef. Der Jan ist viel leiser und kleiner. Das weit Ausgeholte, das ist nicht Jan.»

Jan Josef Liefers
Gerichtsmediziner mit Gitarre

Filmemacherin Kathrin Pitterling hat den Künstler beobachtet – zum Beispiel bei Dreharbeiten eines neuen Tatorts mit dem Arbeitstitel Sansibar, der im Herbst im Ersten zu sehen ist. Dort erlebt der Zuschauer einen Profi, der seine Texte pointiert gestaltet und ganz nebenbei 100 Statisten zum Lachen bringt. Sie traf ihn am Berliner Schillertheater, wo er sich nach sieben Jahren Theaterpause ganz hautnah dem Publikum stellt. Nach der Vorstellung werden in der Maske die Kraftanstrengungen deutlich, die sich hinter der Rollen-Leichtigkeit verborgen haben.

Pitterling ist auch dabei, als der Schauspieler seine Heimatstadt Dresden besucht. Dort lebt seine Mutter Brigitte Liefers-Wähner, die selbst Schauspielerin ist, die ihn alleine aufzog und ihn prägte. «Wenn meine Mutter gespielt hat, bin ich sofort nach der Schule ins Theater gerannt», erzählt Liefers.

Ein rebellischer Geist

Die Welt des Theaters inspiriert den Jungen und wird für ihn zur schützenden Nische vor der Enge und den Übergriffen der DDR-Diktatur. Liefers weigerte sich, zur Armee zu gehen, auch wenn das für ihn bedeutete, dass er den Schauspielerberuf erst einmal vergessen konnte. «Letztlich war das auch für mich so instinktiv der richtige Weg. Ich wäre sonst alle drei Meter mit jemandem kollidiert», sagt er im Rückblick.

Liefers war ein rebellischer Geist. Er war einer der Redner bei der Großdemonstration am 4. November 1989 auf dem Berliner Alexanderplatz, einem der wichtigsten Ereignisse der friedlichen Revolution in der damaligen DDR. Liefers, damals 25 Jahre alt, forderte vor einer Million Zuhörern dazu auf, die alten, verkrusteten Strukturen in der DDR zu zerstören. «Neue Strukturen müssen wir entwickeln, für einen demokratischen Sozialismus.»

Champagne-Preisverleihung
Jan Josef Liefers versprüht Lebensfreude

Nach der Wende ging es für Liefers erst richtig los mit der schauspielerischen Karriere. Den Durchbruch schaffte er 1996 mit Helmut Dietls Rossini oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief (dafür erhielt er den Bayerischen Filmpreis als bester Nachwuchsschauspieler). Gemeinsam mit Til Schweiger stand er 1997 für Knockin' On Heaven's Door vor der Kamera und hat den todkranken Rudi so glaubhaft gespielt, dass Schweigers Mutter befand: «Dein Partner hat mir sogar noch besser gefallen als Du.» Und in dem TV-Film Die Nachrichten spielte Liefers 2005 einen Nachrichtensprecher und früheren DDR-Bürger, dem zu Unrecht Stasi-Tätigkeit vorgeworfen wird. Ein ungeheuerlicher Vorwurf, den nur nachvollziehen kann, wer selbst in der DDR groß wurde, meint Liefers dazu.

Selbstredend wird auch der Musiker Liefers bei alldem nicht vergessen. Schließlich hat er mit seiner Band Jan Josef Liefers & Oblivion den «Soundtrack seiner Kindheit» eingefangen. Neufassungen alter DDR-Songs werden mit ganz eigenen Erinnerungen an jene Zeiten verknüpft.

Die Liebe zur Musik teilt Liefers mit Ehefrau Anna Loos, die neben ihrer Schauspielarbeit noch Sängerin der Band Silly ist. Bei Dreharbeiten zu dem Film Halt mich fest lernten die beiden sich im Jahr 2000 kennen. Für sie war es Liebe auf dem ersten Blick. Er stand gerade vor dem Ende einer Beziehung und hatte sich auf «ein Jahr freie Wildbahn» eingestellt. «Dann ist es doch passiert», sagt Liefers.

Trotz aller Preise und Erfolge: Jan Josef Liefers ist sich immer selbst treu geblieben. Und er blieb immer auf dem Boden, hob nie ab. Freundlich, witzig, charmant gibt er sich in dem TV-Porträt. Ganz anders als der arrogante Boerne.

Bestes Zitat: «Ich wünsche mir, dass ich immer wieder Leuten begegne, die Türen und Fenster bei mir aufmachen, damit es weitergeht. » 

Porträt über Jan Josef Liefers in der TV-Reihe Deutschland, deine Künstler, Mittwoch, 24. August 2011, 22.45 Uhr, Das Erste

ruk/news.de

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