«Cassandras Warnung» Der «Polizeiruf» kann auch anders

Matthias Brandt startet als neuer "Polizeiruf 110"-Kommissar (Foto)
Sturzbetrunken: Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt, links) und sein Kollege McFly (Philipp Moog). Bild: dapd

Von news.de-Redakteur Sven Wiebeck
Diese Premiere ist gelungen: Insgesamt 7,7 Millionen Zuschauer haben den ersten Fall der neuen Münchner Polizeiruf 110-Ermittler gesehen. Dabei hat ihnen das Erste mit Cassandras Warnung keinesfalls leichte Krimikost serviert.

Traditionell sind die Ermittlungen bayerischer Polizisten ja eher gemütlicher Natur: Ob Der Kommissar, Derrick, Siska, Der Alte, das Team der Soko 5113 oder Die Rosenheimcops - harte Action gehört selten zu ihren Methoden.

Umso verstörender stellt sich der erste Fall des neuen Polizeiruf-Duos Matthias Brandt und Anna Maria Sturm alias Hanns von Meuffels und Anna Burnhauser dar. Zwar gehen die beiden während ihrer Ermittlungen nicht mit übertriebener Härte vor, doch erzählt Regisseur Dominik Graf die Geschichte deutlich greller und schneller als gewohnt. Und mit einer gänzlich überraschenden, so lange nicht gesehenen aber keinesfalls unlogischen Wendung zum Schluss. Dem Krimi-Zuschauer wird dabei manches abverlangt.

Münchner «Polizeiruf»
Cassandras Warnung
Polizeiruf (Foto) Zur Fotostrecke

Der etwas zwielichtige Kollege vom Typ Rüpel - unübersehbar eine Spur zu cool und ungehobelt - und seine vermeintliche Ehefrau kiffen schon mal im Beisein des Ermittlerstabes, um sich auf ein lautstarkes Nümmerchen einzustimmen. Bei ihren Schießübungen auf dem Dach zerlegt sie zudem eine Taube. Und ihr hübsches, außerhalb der Großstadt gelegenes Bauernhäuschen geht am Ende in Flammen auf. Hier wurde zu Beginn des Sonntagskrimis einer Frau mit einer Ladung Schrot das Gesicht weggeschossen. Gut - dass der Kontrast aus Idylle und grausamen Gewaltverbrechen funktioniert, beweisen schwedische Krimis seit Jahren. Doch im Polizeiruf 110 ist dies neu.

Hauptdarsteller Matthias Brandt sieht darin aber keineswegs eine neue Ausrichtung des Polizeirufs, wie er im news.de-Interview betont. So werde der dritte Fall beispielsweise im bayerischen Heimatdorf von Hanns von Meuffels' neuer Kollegin Anna Burnhauser spielen. Brandt und seinem Team war dabei wichtig, die Figuren über den Kriminalfall einzuführen. Was bei Cassandras Warnung brillant gelingt.

Richtig wahrnehmen werden die Zuschauer Anna Burnhauser allerdings erst im nächsten Fall, und auch Hanns von Meuffels lernen sie erst im Laufe der Jahre kennen. Wobei schon jetzt klar ist: Er ist anders. Nicht nur, weil er aus dem Norden kommt und adeliger Herkunft ist. Er trägt etwas Melancholisches in sich. Hält sich anfangs höflich zurück und wirkt etwas spröde, eigenbrötlerisch. Spleenig sowieso.

Doch er kann auch anders. Vulgäre Kraftausdrücke kommen ihm ebenso leicht über die Lippen wie Baudelaire- oder Tucholsky-Zitate. Und wenn es sein muss, verprügelt er einen Transvestiten. Etwas unterkühlt mag er mitunter wirken. Oder: Auch er ist eben einfach nur cool.

Wie es die Zeit von einem Kommissar verlangt. Sowohl die Figuren als auch die Fälle sind vielschichtiger geworden, härter. Die Inszenierungen der Ermittlungen rasanter und kompromissloser.

Und die Quote gibt den Beteiligten des neuen Münchner Polizeirufs Recht. Mit einem Marktanteil von insgesamt 25,4 Prozent ließ er der Konkurrenz nicht den Hauch einer Chance. Selbst in der Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen schalteten 2,01 Millionen ein. Nur Hancock auf Pro7 sahen mehr. Dieser Einstand kann sich sehen lassen - in jeder Hinsicht. 

Lesen Sie hier unser Interview mit Anna Maria Sturm und hier lesen Sie unsere Rezension des ersten Münchner Polizeirufs mit neuer Besetzung.

cvd/news.de

Leserkommentare (15) Jetzt Artikel kommentieren
  • Mathias
  • Kommentar 15
  • 22.08.2011 20:10

Eigentlich ist alles gesagt, d'rum noch mal zusammengefasst: Schrott. Sowohl Handlung, Schnitt als auch Dialoge wirkten unreal und total überzogen. Es passte nichts. Wozu die brutalen Einstellung ? M. Brandt zählte bisher zu meinen bevorzugten Schauspielen, nun werde ich zumindest den Polizeiruf mit ihm am Sonntag streichen. Auch im Kollegenkreis war dieses Machwerk undiskutabel. Der deutsche Krimi sollte so bleiben wie er ist. Amerikanische Massenware bieten die Privaten doch genug. Dafür möchte ich keine Steuern zahlen !

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  • iris blume
  • Kommentar 14
  • 22.08.2011 18:20

ich fand diesen krimi auch etwas komisch,irgendwann ist die handlung weggedriftet

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  • hubert
  • Kommentar 13
  • 22.08.2011 17:09

ich hatte mir den Film am gleichen Abend 2x angesehen - lief auf 2 verschiedenen Sendern - weil ich der Meinung war, etwas nicht zu kapieren. Aber hier war nichts zu kapieren und zu verstehen. Ich hatte mir den Film eigentlich nur wegen des Schauspielers Brand angesehen, ansonsten lasse ich deutsche Krimis in der Regel links liegen. Ich kann mich nur den vielen negativen Kritiken anschließen - selbst meine sonst unkritische Frau regte sich über diesen zusammenhanglosen "Mist" auf.

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