Stuttgart 21 Der Bahnhof wird gebaut! Wird er nicht!

Alles Wutbürger und Blockierer? Stuttgart 21 entzweit Baden-Württemberg. Das Erste zeigt eine außergewöhnliche Dokumentation mit unveröffentlichten Filmaufnahmen - unter anderem vom Polizeieinsatz. Und lässt das Ganze völlig unkommentiert.

Stuttgart21 (Foto)
Die Demonstranten gegen Stuttgart 21 haben ihren Protest am Bauzaun manifestiert. Bild: ARD

Es sind Hunderte, Alte und Junge, mitten in Stuttgart. Sie demonstrieren im Schlossgarten, um zu verhindern, dass wegen des Bahnhofsprojektes Stuttgart 21 alte Bäume gefällt werden. Doch plötzlich kippt die friedliche Stimmung in etwas Bedrohliches. Es wimmelt nur so von Polizisten, die versuchen, die Sitzblockaden der Stuttgart-21-Gegner aufzulösen. Dann setzt die Polizei Wasserwerfer ein. 

Solche Bilder waren im vergangenen Herbst regelmäßig in den Nachrichten zu sehen. Der Streit um das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 (und dessen drohende Eskalation) bewegte ganz Deutschland. Seitdem gehört die Vokabel Wutbürger zum deutschen Sprachgebrauch. Die groß angelegte Streitschlichtung mit Heiner Geißler wurde live im TV übertragen.

Stuttgart 21 : Die Rebellion der braven Bürger

Das Erste zeigt heute Abend eine außergewöhnliche Dokumentation zum Streit um Stuttgart 21. Zwei Stuttgarter Filmemacherinnen haben sich daran gemacht, einzelne Sequenzen, die sie während der Demonstrationen sowohl aus Sicht der Demonstranten als auch aus Perspektive der Polizei aufgenommen haben, zu einem Film zusammenzusetzen. Es sind Episoden großer Ereiferungen und Tumulte, aber auch besonnener Planung und Rechtfertigung.

Und so fügen sich die einzelnen Szenen zu einer filmischen Collage zusammen - die allerdings völlig unkommentiert bleibt. Zu sehen sind Eindrücke von der Protestaktion der Stuttgarter im Schlossgarten samt Polizeiaktion. Es gibt einen Blick ins Lager der Aktivisten, wo die Proteste koordiniert werden, und schließlich Aufnahmen aus dem Untersuchungsausschuss zum Polizeieinsatz, bei dem Demonstranten durch die Wasserwerfer verletzt wurden.

Stresstest: Neuer Ärger um Stuttgart 21
Video: dapd

Wer ist in welcher Situation wann zu weit gegangen? Wo endet das Recht auf Demonstration, wo beginnt Gesetzesbruch? Die Dokumentation zeigt auch den Schlichtungsverhandlungen von Heiner Geißler und vor allem, wie ihn die Stuttgarter - sowohl Bahnhofs-Gegner als auch Befürworter - wahrgenommen haben. Sie endet schließlich mit dem historisch bisher einmaligen Wahlsieg der Grünen bei einer Landtagswahl.

Auch wenn die Dokumentation keine einzige ihrer Filmaufnahmen kommentiert, so sind diese augenscheinlich mit Bedacht ausgewählt worden, ebenso ihre Reihenfolge. Denn dem Zuschauer bleibt nach den 85 Minuten voller Geschimpfe, Blockaden, Aufkleberaktionen, emotionaler Pro- und Kontra-Plädoyers ein Gefühl des Unmuts gegen das Großprojekt und dessen Entscheider.

Bestes Zitat: «Seien Sie glücklich, dass Sie in einem Land leben, wo Sie in Ruhe schreien können.» (Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gegnern des Bahnhofprojekts Stuttgart 21, während einer Wahlkampfrede in Baden-Württemberg.)

Alarm am Hauptbahnhof - Auf den Straßen von Stuttgart 21: Mittwoch, 24. August 2011, 23.30 Uhr, ARD

rut/news.de

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